Zwei Jahre nach Tod des Gründers: Wie die Kinderwerkstatt Eigen-Sinn arbeitet und sich finanziert

Gemeinsame Aktivitäten sind bei der Kinderwerkstatt wichtig, um alle ins Boot zu holen.
Stiftung Eigen-Sinn- Stiftung Eigen-Sinn unterstützt Kinder und Familien in Krisen im Landkreis Freudenstadt.
- Gründer Hans-Martin Haist starb 2021 – Tochter Dina Bühler führt die Arbeit in seinem Sinne fort.
- Schwerpunkt: Gemeinschaft, Verarbeitung von Traumata, soziale Regeln, Freude und Selbstwirksamkeit.
- Finanzbedarf: 1 Mio. Euro jährlich, 40 % vom Jugendamt, Rest über Spenden – Lage bleibt angespannt.
- Fachkräftemangel und Sparmaßnahmen belasten, doch Engagement von Team und Unterstützern bleibt stark.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Rund zwei Jahre sind vergangen, seit Hans-Martin Haist, Gründer der Stiftung und Kinderwerkstatt Eigen-Sinn, gestorben ist. Zwei Jahre, in denen sich nicht nur die Welt, sondern auch das Gesicht der Einrichtung verändert habe. „Was ist geblieben, was hat sich gewandelt? Und was macht die große Krise der Welt mit einem kleinen, hoffnungsvollen Ort mitten im Landkreis Freudenstadt?“, fragt die Stiftung in einer Pressemitteilung, in der sie ausführlich über die Arbeit informiert.
„Das Gesicht der Stiftung hat sich verändert“, wird Dina Bühler, die Tochter des Gründers, zitiert. Sie hatte bereits vor drei Jahren – nach der Diagnose ihres Vaters – die Geschäftsführung übernommen. Und sagt: „Wichtig ist uns aber, dass unser Herz, unsere Haltung und unsere inneren Werte bleiben. Die Menschen verändern sich mit der Zeit, doch niemals der Grundgedanke, den mein Vater bei der Gründung in sich getragen hat.“
Ein sicherer Ort – für Kinder und Familien in Krisensituation. Für Kinder und Jugendliche mit ihrem schwerem Gepäck. „Wir können ihnen ihre Last nicht abnehmen, aber wir können ihnen einen Raum geben, zu lernen, dies zu verarbeiten oder damit umzugehen“, erklärt Bühler. Es war Haists Vision, Kindern im Landkreis Freudenstadt, die früh mit Schicksalsschlägen und Krisen konfrontiert wurden, einen geschützten Ort zu schaffen. Einen Ort zum Erzählen, zum Lernen und um Gemeinschaft zu erleben.
„Unsere Kinder kommen nicht immer aus zerrütteten Familien“, weiß Bühler. „Manchmal ist es auch die Schule, ein Schicksalsschlag oder der ständige Druck, der sie zu uns führt. Und jedes Kind, jeder Jugendliche bringt etwas ganz Eigenes mit.“ Je nach Thema und Alter brauche es etwas völlig Unterschiedliches, weiß die Geschäftsführerin: „Aufarbeitung von Trauma, Vertrauen, Struktur – aber manchmal auch ganz schlicht neue Regeln, ein soziales Miteinander, das erlernt werden will.“
Denn viele der Kinder hätten keine Sprache für das, was sie bewegt. Sie seien traurig, wütend, innerlich unruhig, manchmal auch haltlos. Die Not zeige sich oft im Verhalten: durch Rückzug, Isolation oder eine große Wut. Die zentrale Frage laute dann: Wie gehen sie mit dem Schmerz um, den sie in sich tragen? „Wir müssen lernen, unsere Traurigkeit, unsere Wut, unsere Hilflosigkeit zu erkennen – und gut damit umzugehen“, sagt Bühler. „Und dabei begleiten wir die Kinder.“
Keine klassische Therapie
Ein Schlüssel liege dabei im Gruppenkontext. Anders als bei klassischen Therapieformen wirke hier die Gemeinschaft: „Wir sind keine Therapeuten“, betont Bühler, „aber in der Gruppe geschehen Dinge, die tiefgreifend sind. Oft geben sich die Kinder und Jugendlichen gegenseitig Halt, Spiegelung, Rückmeldung – und wachsen gemeinsam.“
Die Arbeit sei nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern oft auch therapeutisch wirksam. „Wir erleben, dass die Kinder in der Gruppe lernen, sich zu streiten und wieder zu vertragen, sich zu trösten, miteinander etwas zu erschaffen – das ist echte Beziehung, das ist Entwicklung.“ Es werde auch konsequent an Regeln und an einem respektvollen Miteinander gearbeitet, so Bühler. „Denn auch wenn ein Kind Schicksal oder Wut im Bauch hat, darf es nicht andere verletzen. Schlechte Erfahrungen dürfen nicht Grund für schlechtes Verhalten sein.“
Gleichzeitig lege die Kinderwerkstatt großen Wert auf das, was oft vergessen wird: Momente der Freude, des Glücks, des Gelingens. „Es ist uns wichtig, Glückshormone freizusetzen. Erfolgserlebnisse. Spaß. Abenteuer. Denn nur, wenn ein Kind Selbstwirksamkeit spürt, erlebt, was es kann und über seine Grenzen wachsen darf, kann es sich entwickeln.“
Lob für Team und Unterstützer
Die Probleme auf der Welt machen sich gemäß der Mitteilung auch im Landkreis bemerkbar. Jugendliche ohne Perspektive, Kinder ohne Antrieb. Und: „Viele ihrer Ängste und Sorgen verlagern sich in die digitale Welt“, berichtet Bühler. „Was online passiert, beschäftigt sie zutiefst, aber sie sind oft allein damit.“ Gleichzeitig geraten demnach auch Einrichtungen wie die Kinderwerkstatt an ihre Grenzen. „Der Druck, schnelle Erfolge zu liefern, wächst – aber unsere Kinder sind keine Roboter. Sie brauchen die Zeit, die sie brauchen.“
Bühler lobt auch das engagierte Eigen-Sinn-Team: „Menschen, die über den Tellerrand hinaus agieren, die Beziehung zulassen, die sich wirklich einlassen.“ Aber auch eine große Gemeinschaft aus Unterstützenden, die das Projekt möglich machen: Spender, Firmen, Hoteliers, Einzelhändler, Privatpersonen. „Hier sind wir jeden Tag aufs Neue dankbar über kreative Ideen, Engagement und den Spenden.“ Die Kooperation mit der Stadt Freudenstadt und dem Jugendamt habe sich deutlich verbessert: „Die Beziehung ist heute wertschätzend und konstruktiv.“ Nur die politischen Sparmaßnahmen trüben laut Bühler das Bild: „Da sind wir nicht verschont.“
Über eine Million Euro an Kosten
Die finanzielle Lage sei angespannt. Rund 44.000 Euro braucht die Kinderwerkstatt nach eigenen Angaben jährlich pro Gruppe. Bei 23 Gruppen entspricht das mehr als einer Million Euro. Etwa 40 Prozent davon würden vom Jugendamt gedeckt. Der Rest? „Seit 15 Jahren schaffen wir es, den großen Teil davon über Spenden zu finanzieren“, sagt Bühler. „Das ist ein Kraftakt – aber auch ein riesiges Zeichen des Vertrauens in unsere Arbeit.“ Der Fachkräftemangel mache die Aufgabe nicht leichter. Aber auch der ehrenamtlich tätige Stiftungsvorstand um Dieter Eberhardt und Landrat Dr. Klaus Michael Rückert trage dazu bei, dass Eigen-Sinn weiter bestehen kann.
„Unsere Anerkennung ist nicht nur materiell“, sagt Heide Wagner-Aescht, Leiterin der Kinderwerkstatt. „Es sind die Rückmeldungen der Familien, die Spenden, aber vor allem das, was wir jeden Tag bei den Kindern sehen dürfen.“ Zwei Jahre nach dem Tod von Hans-Martin Haist lebe sein Vermächtnis weiter, heißt es weiter in der Mitteilung. „Nicht in starren Strukturen – sondern in einer Haltung. In der Haltung, dass jedes Kind zählt. Dass Entwicklung möglich ist. Und, dass Gemeinschaft heilen kann und dass wir es nur gemeinsam schaffen.“


