Stimmen zum Tod von Winfried Gaus: „Wie man sich einen idealen Freund vorstellt“ – Weggefährten erinnern sich

Winfried Gaus erlag seinem Krebsleiden am Abend des 28. Mai.
Ulrich Metz/Archiv- Nachruf: Winfried „Gofy“ Gaus starb am Abend des 28. Mai mit 67 Jahren an Krebs.
- Er arbeitete 1982 bis 2013 bei der NECKAR-CHRONIK in Horb und Sulz und leitete sie 22 Jahre.
- Weggefährten loben seinen fairen, kritischen Stil – er nutzte seine Position nie aus.
- Prägende Rollen: SPD-nah, doch unabhängig; Herz der TV-Sulz-Handballer; Unterstützer des Marmorwerks.
- Persönliche Erinnerungen reichen von Stammtischabenden im „Schiff“ bis zu humorvollen Fasnet-Anekdoten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Franz Geßler: Der „Schiff“-Wirt sagt: „Es tut mir leid, dass er so bald sterben musste.“ Geßler hat zahlreiche legendäre Abende am Horber Marktplatz miterlebt. Bei den Stammtischen „ist Tacheles geredet worden, wenn zehn, elf mal vorbei war“, erinnert er sich. Aber: „Winfried hatte ein sehr gutes Gespür dafür, was er nicht bringen darf.“ Schließlich saßen am Tisch auch die ranghohen Politiker der Stadt. „Das waren hochinteressante Abende“, sagt Geßler. Und bescheinigt Gaus: „Ich kenne keinen Fall, wo er mal seine Position ausgenutzt hätte, sonst hätte der Stammtisch gar nicht funktioniert.“ Nie habe es dabei Streit oder Ausfälligkeiten gegeben.
Der ehemalige Redaktionsleiter sei oft im „Schiff“ und voll integriert gewesen, „ein sehr angenehmer Gast“, sagt Geßler, der sich an zwei Anekdoten besonders erinnert. Einmal sei es so spät geworden, dass Gaus, damals noch nicht in festen Händen, gleich auf einer Bank in der Wirtschaft übernachtete. Als die Putzfrau kam, habe sie ihn mit den Worten „Stand uff du Waidag“ zur Tür gebeten. „Da wäre manch einer stinkbeleidigt gewesen, er hat sich aber köstlich amüsiert.“ Einmal seien an der Fasnet alle zu später Stunde nur noch in den Unterhosen herumgesprungen. „Der Winfried hat dann den Rock von der Gräfin angezogen“, erzählt Geßler und lacht herzlich: „Ich hab’ gedacht, das gibt’s doch nicht!“
Der Wortjongleur als Ghostwriter
Thomas Kreidler: Der Horber City-Manager kennt Gaus, seit er noch ein kleiner Bub gewesen ist, weil schon sein Vater mit Gofy befreundet war. „Und ich würde Gofy auch als Freund bezeichnen“, sagt er. Beide haben zusammen viel erlebt. „Er war ein bodenständiger Typ, extrem gesellig, konnte auch mal ein Fass aufmachen, hat geraucht wie ein Schlot und hatte immer ein KTM-Shirt an“, erinnert sich Kreidler. Oft sei Gaus zusammen mit Fotograf Karl-Heinz Kuball sogar an Heiligabend im Hause Kreidler gewesen, weil da der Vater Geburtstag hatte. „Da musstest du schauen, dass du die um sechs aus der Bude gebracht hast“, sagt Kreidler und lacht. „Da gibt’s Storys, die kann man keinem erzählen.“

Zigarette, Bier und gesellige Menschen im "Schiff" um sich herum: Winfried "Gofy" Gaus konnte das Leben genießen.
privatAußerdem habe sich Gofy immer sehr für die Horber Fasnet eingesetzt. „Er war jahrelang mein Ghostwriter beim Eröffnungsball“, verrät Kreidler – und nennt Gaus einen „Wortjongleur“. Denn: „Er hatte einen brillanten Stil, konnte mit Worten umgehen wie kein anderer. Ich musste die Nummer immer fünfmal lesen, bis ich ansatzweise kapiert habe, was er sagen wollte.“ Einmal, weiß Kreidler, echauffierte sich Alt-Oberbürgermeister Michael Theurer über die Rede – ohne zu wissen, wer sie geschrieben hatte. „Da hat er sich an der Bar beklagt, wie schlecht diese Programmnummer war“, erzählt Kreidler. „Und wem hat er’s gesagt? Dem Gofy, der hat nicht gesagt, wer das geschrieben hat und bloß in sich hineingegrinst.“
Die Zeitung „zu dem gemacht, was sie heute ist“
Rolf Maier: Der Landwirt aus Betra, der von Ende der 70er für 28 Jahre für die CDU im Horber Gemeinderat saß, erinnert sich, dass Gaus zusammen mit der Familie Frate seine Sozialaktion „Weihnachten schenken“ immer durch eine kostenlose Beilage in der Zeitung unterstützt hat – eine Tradition, die sich bis heute gehalten hat. „Er war unheimlich warm, unheimlich persönlich“, sagt Maier. „Eigentlich so, wie man sich einen idealen Freund vorstellt.“ Maier betont auch die sehr soziale und offene Einstellung des ehemaligen Redaktionsleiters, der dennoch kritisch in der Sache gewesen sei. „Er hat die SÜDWEST PRESSE in Horb zu dem gemacht, was sie heute ist und hoffentlich noch lange bleiben wird“, findet Maier.
Auch das linke Lager nicht verschont
Thomas Mattes: „Das ist eine sehr traurige Nachricht“, sagt der dienstälteste Horber Stadtrat, als er von Gofys Tod erfährt. Mattes sitzt seit 1989 im Gremium, ist Vorsitzender der SPD-Fraktion und vertritt damit eine Partei, der auch Gaus nahestand. „Er war ein sehr fairer Mensch, aber auch ein kritischer Journalist, der die SPD und das linke Lager trotzdem nicht verschont hat“, erinnert sich Mattes. „Man konnte mit ihm gut zusammenarbeiten und man konnte mit ihm streitig diskutieren, aber das ist ja auch richtig so.“

Die Handballer des TV Sulz: "Gofy" Gaus lehnt mit der Nummer 2 an den Pfosten (hinten links).
privat„Das Herz der Handball-Abteilung“
Beate Steinke-Weber: Sie ist Vorstandsmitglied beim TV Sulz, bei dem Gofy in der Handball-Abteilung seine Spuren hinterlassen hat. Zunächst als Kreisläufer auf der Platte, dann verantwortlich für das Frauenteam und schließlich von Ende der 80er- bis Ende der 90er-Jahre als Leiter der Abteilung. „Er hat viel mehr getan als das, was man erwartet hat, und war immer mit Herzblut dabei, er hat das richtig gelebt“, erinnert sich Steinke-Weber. „Eine Zeit lang war er das Herz der Handball-Abteilung.“ Gaus sei das „Mädchen für alles“ gewesen, der die Trainer immer unterstützt und bei Jugendfreizeiten immer mitangepackt habe. Steinke-Weber: „Ein 1a-Mensch, auf ihn konnte man sich immer verlassen.“
Unterstützer des Marmorwerks
Holger Zimmermann: Der Horber Unternehmer sagt: „Ohne Gofy ist ein Marmorwerk nicht denkbar.“ Denn: „Er war stiller Unterstützer ab dem ersten Tag und hat uns damals mindestens einmal auch finanziell aus der Patsche geholfen – mit einer mehr als großzügigen Jahresspende.“ Zudem sei er „in seiner unnachahmlichen Art“ ein wichtiger Sparringspartner für Zimmermann gewesen. „Mit wenig Worten konnte er viel Klarheit liefern“, sagt er. „Und das stets mit einer eigenen Position.“

Der junge „Gofy“ 1984 in der Redaktion der SÜDWEST PRESSE in Horb.
privat
