Zu Gast in Empfingen
: Timo Hildebrand über Klopp, den VfB und die Schattenseiten des Fußballs

Der frühere VfB-Keeper und Nationaltorwart spricht über Geld, Gemeinschaft und die Zukunft des deutschen Fußballs. Bei einem Hoffnungsträger wird er besonders deutlich.
Von
Florian Ganswind
Empfingen
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Vom kleinen Verein bis zur großen Fußballbühne: Timo Hildebrand kennt beide Welten – und hat klare Vorstellungen davon, was dem Fußball heute guttut.

Vom kleinen Verein bis zur großen Fußballbühne: Timo Hildebrand kennt beide Welten – und hat klare Vorstellungen davon, was dem Fußball heute guttut.

Tom Weller/dpa
  • Timo Hildebrand lobt Amateurvereine als Basis und betont Förderung des Jugendfußballs.
  • Er bewertet den VfB Stuttgart aktuell extrem positiv und spricht von sensationeller Entwicklung.
  • Kritik am modernen Fußball: mehr Vermarktung, Hydration Breaks und Fokus auf Einnahmen.
  • Zur Nationalelf: Es passte unter dem Bundestrainer nicht, Hoffnung ruht nun auf Jürgen Klopp.
  • FIFA im Fokus – Infantinos Auftreten, auch mit Trump, bewertet Hildebrand als unglücklich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vom kleinen Sportplatz bis auf die größte Fußballbühne: Timo Hildebrand kennt beide Seiten des Geschäfts. Am Sonntag, 20. September, kommt der frühere Nationaltorwart zum JAKO-Fußballtalk anlässlich des 100-jährigen Bestehens der SG Empfingen. Von 11 bis 12.30 Uhr spricht er dort mit weiteren prominenten Gästen (Sven Schipplock, Ingo Haspel, Klaus Augenthaler, Guido Buchwald und Knut Kircher) über den Fußball – und vorab mit unserer Redaktion über die unverzichtbare Rolle der Amateurvereine, seine eigene Jugend und die Entwicklung des VfB Stuttgart.

Doch auch bei den Schattenseiten des modernen Fußballs hält sich Hildebrand nicht zurück. Im Interview kritisiert er die zunehmende Vermarktung, bewertet das Auftreten der FIFA und erklärt, warum er große Hoffnungen in Jürgen Klopp setzt.

Die SG Empfingen feiert 100 Jahre. Welche Bedeutung haben solche Amateurvereine für den deutschen Fußball – gerade in einer Zeit, in der sich im Profifußball fast alles um immer größere Summen dreht?

Jeder Profi hat irgendwann mal bei einem kleinen Verein oder im Dorf angefangen. Amateurvereine sind die Basis des Sports und extrem wichtig. Gerade deshalb muss dort auch weiterhin der Jugendfußball gefördert und unterstützt werden.

Erinnern Sie sich noch an die Fußballvereine und Sportplätze Ihrer Jugend? Was hat Ihnen diese Zeit für Ihre spätere Karriere mitgegeben?

Natürlich erinnere ich mich sehr gerne an diese Zeit. Es war immer sehr familiär. Die Eltern waren mit dabei, haben uns unterstützt und uns zu den Auswärtsspielen gefahren. Gerade diese Gemeinschaft und der Zusammenhalt waren etwas ganz Besonderes und haben mich geprägt.

Timo Hildebrand 2006 in der Bundesliga - hier pariert er für den VfB Stuttgart einen Angriff des damaligen Spielers des FC Bayern München, Ze Roberto.

Timo Hildebrand 2006 in der Bundesliga - hier pariert er für den VfB Stuttgart einen Angriff des damaligen Spielers des FC Bayern München, Ze Roberto.

Matthias Schrader/dpa

Sie sind dem VfB Stuttgart bis heute eng verbunden. Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung des Vereins?

Extrem positiv. Was hier in den letzten drei Jahren entstanden ist, auf dem Platz, aber auch außerhalb, ist sensationell. Ich bin sehr froh, Teil des Vereins zu sein und den VfB repräsentieren zu dürfen.

Auf dem Transfermarkt geht es inzwischen bis zum Deadline Day teilweise turbulent zu, gleichzeitig werden immer höhere Ablösesummen bezahlt. Spielt der Fußball mittlerweile ein bisschen verrückt?

Das Rad dreht sich immer weiter. Man sieht es nicht nur an den immer höheren Ablösesummen, sondern auch an anderen Entwicklungen. Bei der WM gab es zum Beispiel die Hydration Breaks, die zusätzliche Möglichkeiten für Werbepausen schaffen. Der Fußball wird in immer mehr Bereichen monetarisiert.

Was macht es mit einer Mannschaft, wenn selbst unmittelbar vor Transferschluss noch wichtige Spieler gehen oder neue hinzukommen können?

Optimal ist es natürlich nicht, gerade mit Blick auf die Vorbereitung. Aber eine gewisse Fluktuation gehört im Profifußball einfach dazu. Die Jungs sind offen und neue Spieler werden in der Regel sehr schnell in die Mannschaft integriert. Als Profi kann man mit solchen Veränderungen deshalb auch relativ schnell umgehen.

Sie haben selbst eine Heim-WM erlebt. Wie bewerten Sie das Abschneiden und Auftreten der deutschen Nationalmannschaft bei der jüngsten WM?

Natürlich ist es unglücklich, gegen Paraguay auszuscheiden. Wir hätten uns alle das Achtelfinale gegen Frankreich erhofft. Insgesamt hat es unter dem Bundestrainer einfach nicht richtig zusammengepasst. Jetzt hoffen wir natürlich, dass es mit Jürgen Klopp wieder nach vorne geht.

FIFA-Präsident Gianni Infantino sorgte rund um die WM auch abseits des Platzes für Diskussionen. Wie haben Sie sein Auftreten und generell die Entwicklung der FIFA wahrgenommen?

Ich finde die Entwicklung schade. Eigentlich sollte der Sport im Mittelpunkt stehen und nicht die Frage, wie man noch mehr Geld einnehmen kann oder Politik macht. Auch das Auftreten gemeinsam mit Trump fand ich sehr unglücklich.

Timo Hildebrand (sitzend, Dritter von rechts) als Teil der Nationalmannschaft 2004

Timo Hildebrand (sitzend, Dritter von rechts) als Teil der Nationalmannschaft 2004

Matthias Schrader/dpa

Jürgen Klopp weckt bei vielen Fußballfans große Hoffnungen. Kann er aus Ihrer Sicht auch der deutschen Nationalmannschaft beziehungsweise dem deutschen Fußball neue Euphorie geben?

Natürlich. Super Typ, geiler Trainer – der rockt das Ding.

Was fehlt der Nationalmannschaft derzeit am meisten, damit die Menschen wieder ähnlich mitfiebern wie zu Ihrer aktiven Zeit?

Zusammenhalt, Kampfgeist und ein Team, das wirklich an einem Strang zieht.

Und zurück nach Empfingen: Was erwarten Sie von einem Fußballtalk bei einem 100-jährigen Amateurverein – und kannten Sie Empfingen eigentlich schon vor der Einladung?

Empfingen kannte ich vorher tatsächlich noch nicht näher. Ich bin gespannt auf den Fußballtalk und die Menschen vor Ort. Für einen Verein, der sein 100-jähriges Jubiläum feiert, ist das natürlich ein besonderer Anlass.

Zur Person: Timo Hildebrand

Vom Nachwuchs zum VfB-Profi: Timo Hildebrand wurde am 5. April 1979 in Worms geboren und wechselte bereits in der B-Jugend zum VfB Stuttgart. 1999 feierte er mit 20 Jahren sein Bundesliga-Debüt und entwickelte sich anschließend zum Stammtorhüter der Schwaben.

Meister mit Stuttgart: Seinen größten Erfolg auf Vereinsebene feierte Hildebrand 2007, als er mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde. Insgesamt absolvierte er für die Stuttgarter 221 Bundesligaspiele und 296 Pflichtspiele. Später spielte er unter anderem für den FC Valencia, die TSG Hoffenheim, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt.

Rekord für die Ewigkeit: Besonders eng ist Hildebrands Name mit der Zahl 884 verbunden. So viele Bundesliga-Minuten blieb er zwischen Mai und Oktober 2003 in Folge ohne Gegentor. Es ist bis heute Bundesliga-Rekord.

Im DFB-Team: Hildebrand bestritt sieben A-Länderspiele für Deutschland. Er gehörte unter anderem zum Kader bei der Heim-WM 2006, als die deutsche Mannschaft den dritten Platz belegte, sowie zur deutschen Auswahl bei der EM 2004.

Dem VfB weiterhin verbunden: Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Hildebrand seinem langjährigen Verein verbunden. Seit 2023 gehört er zu den Markenbotschaftern des VfB und repräsentiert den Verein gemeinsam mit weiteren ehemaligen Spielern. Bereits 2012 hatten ihn die Fans in die Jahrhundertelf des VfB gewählt.

Quellen: VfB Stuttgart, DFB