Zerplatzte Träume und Hoffnung
: Syrer erzählen im Ortschaftsrat von Krieg, Flucht und der Ankunft in Bergfelden

Bestens angekommen ist die Idee von Ortsvorsteher Martin Sackmann, die beiden syrischen Flüchtlingsfamilien, die im Rathaus Bergfelden untergebracht wurden, am Mittwoch dem Gremium vorzustellen. Sackmann gab auch einen Überblick über die Arbeit des Asyl-Arbeitskreises. Die Familienväter schilderten die Umstände ihrer Flucht und bedankten sich für die überaus freundliche Aufnahme in Deutschland und Bergfelden.
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Mit Hilfe von Dolmetscher Salah Seghaier schilderten die beiden Familienväter Ahmad Habib und Hani Almostafa ihr Leben im syrischen Aleppo und ihre Flucht nach Deutschland. Habib ist 38 Jhre alt, verheiratet, hat zwei 13 und elf Jahre alte Söhne und eine neun Jahre alte Tochter. Das jüngste Kind der Familie ist zwei Jahre alt. Mit Habib flüchtete auch dessen 17-jähriger Neffe. Habib hat nach seinem Abitur zunächst an der Rezeption eines Fünf-Sterne-Hotels gearbeitet, ging dann zu Siemens, danach arbeitete er als Hausmeister, ehe er sich einen Traum erfüllte und sich mit einem kleinen Laden selbstständig machte. Der Traum zerplatzte mit Ausbruch des Bürgerkriegs, in dem seine Mutter umgekommen ist. Habib, der Englisch und Türkisch spricht, ging zunächst als Gastarbeiter in die Türkei, aber als der Krieg immer schlimmer wurde, entschloss er sich, mit seiner Familie zu fliehen. „Wir suchen Freiheit und Frieden, was wir in unserem Land nicht mehr finden konnten. Vielen Dank, dass wir hierher kommen durften“, sagte Habib. 21 Tage war die Familie mit den vier Kindern von der Türkei aus unterwegs. Die Flucht führte von Izmir über das Mittelmeer nach Griechenland, dann ging es zu Fuß und stellenweise mit dem Bus über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Für die Flucht hat Habib sein ganzes Hab und Gut verkauft. Rund 10000 Euro, so erzählte der Syrer, habe es gekostet, Soldaten zu bestechen, um durchgelassen zu werden und Schlepper zu bezahlen. „Wir hatten keine andere Möglichkeit. Entweder man kämpft im Krieg oder man schaut, dass man überlebt und versucht, seine Familie in Sicherheit zu bringen“, sagte Habib.

Sein jüngerer Landsmann Hani Almostafa (31) war in Syrien selbstständiger Marmorverleger, seine Ehefrau hat die mittlere Reife. Er ist jetzt mit seiner zweijährigen Tochter in Bergfelden. Die Familie ist seit dem Krieg – dort wurde ein Bruder getötet – weit verstreut: Die Mutter lebt in der Türkei, ein Bruder in Deutschland und zwei Schwestern in Saudi-Arabien. Auch Almostafa hofft, endlich in Frieden und Freiheit leben und sich in Deutschland eine sichere Zukunft aufbauen zu können. Beide Syrer boten an, in Bergfelden helfen zu wollen, wo sie gebraucht werden.

Die beiden Töchter Habibs wurden am gestrigen Donnerstag an der Grundschule in Bergfelden aufgenommen. Auch die beiden älteren Söhne können es kaum erwarten, bald in die Mühlbachschule nach Vöhringen zu gehen.

In diesem Zusammenhang sagte Ortsvorsteher Martin Sackmann, dass die ehrenamtliche Betreuung in Bergfelden bestens angelaufen sei: Vier ehemalige Lehrer geben dreimal in der Woche Deutschunterricht. „Man merkt schon erste Fortschritte, ich bin sehr zuversichtlich“, sagte Sackmann, der sich mit einem Übersetzungs-Programms im Internet mit den neuen Hausbewohnern verständigt.

Timo Harpain wollte wissen, wie die Syrer in Bergfelden aufgenommen worden seien. „Die Leute sind sehr offen und freundlich, wir sind als Menschen aufgenommen worden und die Umgebung ist sehr schön“, sagte Habib.

Thomas Grabowski ermunterte die Syrer schnell Deutsch zu lernen, um einen Job zu kriegen. kpd