Wirtschaft: Bosch Rexroth kündigt Stellenabbau in Horb an

Das Firmengelände von Bosch Rexroth (Bildmitte) unterhalb des Horber Stadions.
Karl-Heinz Kuball- Bosch Rexroth kündigt Abbau von 250 Stellen in Horb und Elchingen an.
- Gründe: fehlende Aufträge im Bereich Mobilhydraulik.
- Abbau soll sozialverträglich bis Ende 2025 erfolgen.
- Aktuell 950 Mitarbeitende in Horb, 2200 in Elchingen.
- IG Metall fordert 7% Lohnerhöhung, Arbeitgeber bieten 1,7% ab 2025, 1,9% ab 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nun haben die bundesweiten Sparpläne den größten Arbeitgeber in Horb erreicht: "Bosch Rexroth reagiert auf die anhaltend schwierige Marktlage im Bereich Bau- und Landmaschinen und passt seine Werkskapazitäten an die gedämpften Marktaussichten an", heißt es in einer Mitteilung am Mittwoch. Aufgrund der konjunkturellen und geopolitischen Herausforderungen spüre das Unternehmen seit einiger Zeit einen deutlichen Investitionsrückgang bei seinen Kunden.
Bosch Rexroth plane daher den Abbau rund 250 Stellen an seinen deutschen Standorten für Mobilhydraulik, hauptsächlich in Elchingen und Horb. "Ziel ist es, die Stellen sozialverträglich abzubauen, zum Großteil bis Ende 2025", heißt es in der Mitteilung. Rund 90 der 250 Stellen entfallen demnach durch bereits geplante Versetzungen und die Nicht-Nachbesetzung nach Renteneintritten. In Horb sind nach Unternehmensangaben aktuell rund 950 Mitarbeitende beschäftigt, ein Elchingen 2200. Auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE bestätigt Konzernsprecherin Judith Mühlich, dass rund 50 Stellen in Horb von den Abbauplänen betroffen seien. Die Angestellten wurden laut der Mitteilung am Mittwoch darüber informiert.
"Erholung des Marktes nicht in Sicht"
"Die Aufträge im Bereich Mobilhydraulik gehen stark zurück. In den vergangenen Monaten haben wir unsere Überkapazitäten bereits mithilfe von Kurzarbeit, Stundenabbau und dem Auslaufen von befristeten Arbeitsverhältnissen reduziert", wird Matthias Aberle, Leiter der Business Unit Mobile Solutions von Bosch Rexroth, zitiert. "Inzwischen gehen wir davon aus, dass dies nun leider nicht mehr in allen Bereichen ausreicht. Eine Erholung des Marktes ist derzeit nicht in Sicht." Daher ergreife das Unternehmen nun weitere Maßnahmen, "um unser Geschäft an das absehbar niedrigere Marktniveau anzupassen und uns zukunftsfähig aufzustellen", sagt Aberle.
Um wettbewerbsfähig produzieren zu können, nutze Bosch Rexroth neben der Anpassung von Personalkapazitäten weitere Optionen zur Kostenreduzierung: So setze das Unternehmen in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung verstärkt auf Digitalisierung und effizientere Prozesse.
Tarifverhandlungen laufen
Dabei kämpft die IG Metall derzeit für auch höhere Löhne der Rexroth-Angestellten und fordert eine Erhöhung von sieben Prozent. Die Arbeitgeber beharren auf dem Angebot von 1,7 Prozent ab Juli 2025 und 1,9 Prozent ab Juli 2026. Rexroth-Sprecherin Mühlich stellt klar: "Die Tarifverhandlungen und die heute bekanntgegebenen Anpassungsmaßnahmen bei Bosch Rexroth stehen nicht im Zusammenhang."
Die Mehrheit sei für den Streik, erklärt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Michael Engel bereits in einem Pressegespräch am Dienstag, knapp 90 Prozent seien beim ersten Warnstreik am 31. Oktober auf der Straße gewesen. "Es gibt natürlich auch kritische Stimmen, auch Leute, die sagen, sie machen sich Sorgen um den Arbeitsplatz", so Engel. Sie hätten demnach lieber eine Beschäftigungsgarantie.
Vor allem aber gehe es auch um die Zukunft der jungen Leute im Unternehmen. "Unsere Azubis sind ja immer in der Speerspitze mit dabei", sagt Engel. "Wir haben als Betriebsrat auch gut davon gelebt, dass andere Betriebe ausgebildet haben." Nun müsse die Ausbildung attraktiver gemacht werden, um dem Fachkräftemangel entgegenwirken. "Wir müssen in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben." Bei Bosch Rexroth in Horb gibt es laut Engel zwei neue Ausbildungsberufe: Mechatroniker und Fachlagerlogistiker. Und im Bereich Zerspanungsmechaniker "dürfen wir nicht nachlassen".
Laut Mühlich ist aktuell für rund 500 Mitarbeitende am Standort Horb Kurzarbeit angemeldet. Wie lange? Das sei abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Situation, so die Sprecherin. "Trotz Kurzarbeit macht der Konzern Gewinne", sagt Engel. Es werde auch weiterhin in den Standort Horb investiert, beispielsweise in neue Maschinen mit größerem Automationsgrad. Die Investitionen, so der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, seien angemessen, "weil man auch Qualität aus Horb erwarten kann".
Schon länger gibt es zudem Pläne einer Erweiterung von Bosch Rexroth auf die Fläche des Stadions, in dem aktuell der FC Horb kickt. „Wir halten an den Planungen fest, unsere wichtigsten Dienstleister neben unserem Standort anzusiedeln - losgelöst vom konjunkturellen Anpassungsbedarf. Dazu sind wir in guten Abstimmungen mit der Stadt Horb. Eine finale Entscheidung hierzu ist noch nicht gefallen“, erklärt Mühlich.
„Es ärgert uns auch, dass es nicht weiter geht“, sagt Engel. Die Erweiterung sei seit vielen Jahren ein Ziel des Betriebsrates. „Wir können nur besser werden, wenn wir genug Platz haben“, so Engel am Dienstag. Da war noch keine Rede davon, dass der Konzern am Tag darauf den Abbau einiger Stellen ankündigen wird.
Das Unternehmen
Der Umsatz von Bosch Rexroth lag nach Firmenangaben im Geschäftsjahr 2023 bei rund 7,6 Milliarden Euro - und damit um 7,5 Prozent höher als im Vorjahr. Wachstumstreiber seien Unternehmenszukäufe, aber auch positive regionale Entwicklungen beispielsweise in Indien gewesen. Beim Auftragseingang verzeichnete das Unternehmen jedoch wegen der Konjunkturschwäche vor allem in seinen großen Märkten einen Rückgang um 13,1 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro. Ende des Jahres 2023 waren weltweit in mehr als 80 Ländern rund 33.800 Mitarbeitende bei Bosch Rexroth beschäftigt, rund 42 Prozent davon in Deutschland. Hauptsitz des Unternehmens ist in Lohr (Landkreis Main-Spessart).
Zu den wirtschaftlichen Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr teilt Sprecherin Judith Mühlich mit: "Bosch Rexroth insgesamt spürt eine deutliche Investitionszurückhaltung seiner Kunden. Die Unsicherheit im wirtschaftlichen Umfeld bleibt hoch und eine Erholung ist aktuell nicht in Sicht. Unser Ziel ist es daher aktuell umso mehr, möglichst zügig und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren, indem wir die Organisation sowie die Kosten an die Situation anpassen. Bosch Rexroth tut dies an verschiedenen Stellen weltweit, jeweils mit Augenmaß. Auch in der Krise wollen wir ein starker Partner für unsere Kunden sein. So sichern wir die Zukunft unseres Unternehmens."
