Wildtiere
: Wiesenstetten: Die Angst vor dem Wolf geht um

Die in der Region vom Wolf ausgehende Gefahr treibt Landwirte um. Die Tagung „Wolf und Weidetierhaltung“ in Wiesenstetten sucht nach Lösungen.
Von
Frank Wewoda
Empfingen

Moderatorin Ariane Amstutz Privatbild

Nicht gesetzt

Seit Ende April vorigen Jahres ein Wolf in Bad Wildbad im Kreis Calw insgesamt 44 Tiere einer Schafherde gerissen hat, sind Landwirte und Viehhalter im Nordschwarzwald alarmiert. „Das erste Opfer des Wolfs ist meistens das Schaf“, sagt Ariane Amstutz, die Moderatorin der Fachtagung „Wolf und Weidetierhaltung“ in Wiesenstetten am 20. Februar (siehe auch Infokasten). Entsprechend seien Schäfer und Schafhalter im Fokus bei den meisten Tagungen. Die ähnlich großen Sorgen der Rinder- und Pferdehalter fielen dabei jedoch unter den Tisch. Der Landesbauernverband kümmert sich daher jetzt mit Fachtagungen wie jener in Wiesenstetten um deren Nöte. Drängende Fragen dazu lauten etwa: „Was ist, wenn ein weiterer Wolf in unserer Gegend kommt? Was passiert, wenn sich ein Rudel bildet?“ In Nord- und Ostdeutschland seien bereits einige Rudel unterwegs.

Vor allem Möglichkeiten zum Schutz vor dem Wildtier wie etwa wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde werden seit dem von Boulevard-Medien als „Gemetzel“ titulierten Zwischenfall in Bad Wildbad so intensiv wie auch kontrovers diskutiert.

Wohl derselbe Wolf, der in Bad Wildbad sein Unwesen trieb, wurde Anfang Mai in Pfalzgrafenweiler im Landkreis Freudenstadt gesichtet und fotografiert. Vom 19. Oktober und 24. November vorigen Jahres datieren weitere fotografische Nachweise einer Wolfssichtung, beideaus Baiersbronn. Die Gefahr ist damit greifbar für die Tierhalter im Umkreis. Neben Rinderhaltrern sind auch Pferdehalter im Fokus des Landesbauernverbands: „Auch die Pferdeverbände sind alle hellhörig, seit das Thema Wolf aufgekommen ist“, berichtet Ariane

Amstutz, die Sprecherin des Landesbauernverbands Baden-Württemberg in Stuttgart ist. „Die Wildsau ist ja zum Beispiel wehrhaft gegen den Wolf“, so Amstutz. Nutztiere seien dagegen dem Wolf meistens recht hilflos ausgeliefert. Diesbezüglich gebe es für die Besitzer der Tiere viele Fragen zu klären. Ob zum Beispiel elektrische Zäune wirklich vor Wölfen schützen können, ist ein Thema, das viele Halter bewegt. Der Aufwand sei ja mitunter enorm. Felician Schäfer, einer der Referenten in Wiesenstetten, vertritt etwa den Biohof „Bioalb Weidefleisch“ in Ratshausen und Schömberg im Zollernalbkreis, der 140 Hektar Grünland bewirtschaftet.

Da das Gelände nicht eben sei, bräuchte es hier wohl gut und gerne 100 Kilometer Elektrozäune, um Schutz zu gewährleisten. „Es ist ein Riesenaufwand, eine solche Anlage zu betreiben und zu pflegen“, betont Amstutz. Richtig gefährlich werde es, wenn sich ein Wolfsrudel bilde, wie Erfahrungen aus Nord- und Ostdeutschland zeigen. Ariane Amstutz: „Wölfe geben ihre Erfahrungen weiter und lehren auch ihre Jungen, wie Zäune oder andere Hindernisse zu überwinden sind.“ Nicht einmal im Stall sind die Tiere sicher: „Ein Wolf zieht sich die Kälber auch aus dem Stall“, erklärt die Sprecherin des Verbands.

Das bloße Auftauchen eines Wolf kann auch Auslöser dafür sein, dass Tiere ausbüxen: Eine Mutterkuhherde, die es mit einem Wolf zu tun bekommt, versuche ihre Kälber zu verteidigen. Große und schwere Tiere würden dann die Zäune leicht überrennen. Doch welche Versicherung deckt auch Schäden ab, die verirrte Rinder auf großen Straßen mit viel Verkehr verursachen können? Die Tagung in Wiesenstetten soll dazu Antworten finden. Zum Abschluss ist eine Podiumsdiskussion geplant, bei der die Referenten mit dem Publikum ins Gespräch kommen.

Strategien zum Umgang mit dem Wolf finden

Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Wolf und Weidetierhaltung“ findet am Mittwoch, 20. Februar, von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Wiesenstetten statt. Friedrich Noltenius, Experte für Wolf und Naturschutz, wird in seinem Vortrag Strategien zum Umgang mit dem Wolf vorstellen. Über bevorstehende Probleme der Mutterkuhhaltung in Baden- Württemberg wird zudem Felician Schäfer referieren. Dr. Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchsanstalt stellt staatlich geförderte Maßnahmen zum Herdenschutz vor, während Isabel Küperkoch darstellt, welche durch Wildtiere wie den Wolf verursachten Schäden der Versicherungsschutz abdecken kann. Veranstalter der Fachtagung sind der Landesbauernverband mit den Bauernverbänden Calw, Freudenstadt und Zollernalb.