Wildkräuter
: Die Bärlauch-Saison hat in Horb und Tübingen begonnen

Eine Horber Natur- und Kräuterpädagogin gibt Tipps und verrät, warum sie in Tübingen sammeln geht.
Von
Anton Bandomer
Horb/ Tübingen
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Anneliese Braitmaier beim Bärlauchpflücken.

Anneliese Braitmaier mitten in einem Bärlauchfeld auf dem Sand in Tübingen.

Privat
  • Bärlauch-Saison beginnt früher; Naturpädagogin Anneliese Braitmaier gibt Sammel-Tipps.
  • Bärlauch lässt sich vielseitig verwenden, z.B. in Aufstrichen mit Butter, Quark oder Käse.
  • Vorsicht: Giftige Doppelgänger wie Maiglöckchen, Aronstab und Herbstzeitlose erkennen.
  • Handstrauß-Regel beim Sammeln beachten; nicht in Naturschutzgebieten pflücken.
  • Nächster Kräuterworkshop am 14. April bei der VHS Horb.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit Bärlauch lassen sich ganz leicht leckere Aufstriche zubereiten. „Vermischen Sie weiche Butter mit Salz, Pfeffer und etwas Zitrone“, empfiehlt die Horber Natur- und Kräuterpädagogin Anneliese Braitmaier. Anstatt Butter könne man auch Quark, Frischkäse oder Fetakäse nehmen. Denn Bärlauch ist nicht nur vielseitig einsetzbar, sondern steht jetzt in den Startlöchern. Seit ungefähr fünf Jahren sprießt Bärlauch deutlich früher als allseits bekannt, sagt die Kräuterpädagogin. Das nach Knoblauch riechende Kraut kommt schon ab Mitte Februar. „Ich beobachte jedes Jahr genau, wie sich die kleinen Blattspitzen langsam aus dem Boden schieben.“ In Horb braucht es zwar noch ein paar Tage, aber in Tübingen könne bereits gesammelt werden.

Beim Sammeln gilt es einiges zu beachten. In einem Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE fasst Braitmaier die wichtigsten Punkte zusammen. Bärlauch wachse überall, wo es Laubwälder gebe. Durch die vielen Nadelwälder rund um Horb, ist er hier selten zu finden. Deswegen ist sie gerne zum Sammeln nach Tübingen gefahren, im Schönbuch und besonders rund um Bebenhausen gebe es große Flächen voller Bärlauch. Am besten sei es, Bärlauch im eigenen Garten zu pflanzen. „Wenn er mal da ist, wächst er wie verrückt.“ Man könne Bärlauchpflänzchen ganz leicht im Gartencenter oder im Internet kaufen. Und wenn man ihn an einer trockenen, leicht schattigen Stelle einpflanzt, wuchere er jedes Jahr aufs neue. Das funktioniere auch im Kübel oder Blumenkasten. Seitdem der Bärlauch bei ihr im Garten wächst, verzichte sie auf das Sammeln im Wald.

Drei gefährliche Doppelgänger

Wer trotzdem gerne wild wachsenden Bärlauch sammeln möchte, sollte früh im Jahr gehen. Denn dann wächst das Maiglöckchen noch nicht und das ist einer der giftigen Doppelgänger des Bärlauchs. Das Maiglöckchen tritt ab Mitte April auf, dabei sprießen mehrere Blätter gedreht aus einem Stiel. Beim Bärlauch hat jedes Blatt einen eigenen Stiel, der einzeln und gerade aus dem Boden wächst.

Ein weiterer Doppelgänger ist der Aronstab. Als ausgewachsene Pflanze hat er keine Ähnlichkeit mit dem Bärlauch. Wenn aber die jungen Blattspitzen aus der Erde ragen, sei die Verwechslungsgefahr hoch. Im Gegensatz zum Bärlauch hat der Aronstab Adern in den Blättern, die von der Mitte nach außen laufen. Wer Aronstab in seinem Bärlauchgericht habe, merke das deutliche. „Das ist wie Chili und Kratzbürste auf einmal, und zwar auf dem ganzen Weg über den Mund und den Bauch, bis es unten wieder herauskommt.“

Eine dritte Pflanze, die Herbstzeitlose, wird als giftiger Doppelgänger genannt. Sie wächst am Waldrand, auf Wiesen, wo auch Bärlauch gerne steht. Auch wenn es eine Ähnlichkeit gibt, unterscheidet sie sich vom Bärlauch. „Man nennt die Herbstzeitlose nur, damit Leute, die gar nicht wissen, wie Bärlauch aussieht, sie nicht pflücken und essen.“ Denn das ist tödlich. Die Blätter der Herbstzeitlosen sind länglich, härter und wie beim Maiglöckchen wachsen mehrere aus einem Stiel.

Achtsam sammeln

Bärlauch hat länglich ovale Blätter, die deutlich weicher als die der Doppelgänger sind. Die Rückseite ist matt grün. Viele nennen als Erkennungszeichen den Knoblauchgeruch. „Aber wenn sie schon ein paar Blätter gepflückt haben, riecht alles nach Knoblauch.“ Deswegen dürfe man sich nicht auf den Geruch verlassen. Ein gutes Erkennungszeichen sei, dass der Bärlauchstiel deutlich knackt, wenn man ihn knicke.

Beim Sammeln solle man achtsam vorgehen. Bärlauch wächst zwar in großen, dichten Teppichen. Trotzdem ist es wichtig, dass jedes Blatt einzeln gepflückt wird. Denn unter den Bärlauch-Teppich können sich auch die Doppelgänger mischen. Beim Sammeln von Bärlauch gelte zudem die Handstrauß-Regel. „Es ist verboten, in den Wald zu gehen und körbeweise Bärlauch mitzunehmen.“ Als Orientierung gelte, dass man so sammeln solle, dass hinterher nicht sichtbar ist, dass gepflückt wurde. Ebenfalls nicht erlaubt ist das Sammeln in Naturschutzgebieten.

Achtung vor dem Fuchsbandwurm

Immer wieder gibt es Warnungen vor dem Fuchsbandwurm, der sich über den Kot von Füchsen überträgt. „Der Fuchsbandwurm ist nicht ohne. Gleichzeitig gibt es deutschlandweit jährlich nur 25 Fälle.“ Was eine doch eher geringe Fallzahl sei. Man könne dem beim Sammeln vorbeugen, in dem man keinen Bärlauch sammelt, der direkt neben Bäumstämmen steht. Denn der Fuchs verrichte dort sein Geschäft. Und bei erkennbaren Wildrouten sollte man auch auf das Sammeln verzichten.

Weitersammeln trotz Blüte

Das Besondere am Bärlauch ist, dass man alles an der Pflanze essen könne. „Es heißt oft, dass man Bärlauch nur dann ernten könne, solange er nicht blüht.“ Dabei sind auch die Stängel, Blüten und Samen essbar. Aus den weißen Blüten mache Braitmaier Pesto. Die Blütenknospen und die Fruchtknoten streue sie in die Salate. Oder esse sie eingelegt in Essig. Dann ähnelt der Geschmack eingelegten Kapern. Die Samen schmecken leicht pfeffrig und können mit Salz im Mörser verrieben werden. „Bärlauch ist so vielfältig einsetzbar. Dünsten Sie die Stängel oder die Blütenknospen und legen Sie sie in weiße Soße.“ Auch Bärlauchbrot oder -quiche mache Braitmaier manchmal. Am einfachsten sind aber Aufstriche mit Frischkäse oder Quark.

Kleine Delikatessen am Wegesrand

Vor 20 Jahren machte Anneliese Braitmaier als eine der ersten eine Ausbildung zum Schwarzwaldguide. Ausbildungen als Kräuterpädagogin und als Coach für essbare Wildpflanzen folgten. „Ich möchte mein Wissen zu heimischen Wildpflanzen weitergeben“, sagt Braitmaier. Und so die vielen kleinen grünen Delikatessen auf den Wiesen, Wäldern und Wegesrändern bekannt machen. Braitmaier gibt regelmäßig Kräuterworkshops und Führungen in Horb und Tübingen. Der nächste ist am 14. April und ist über die Volkshochschule Horb buchbar.

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