Wettbewerb
: Auf Nervosität folgt Rausch der Begeisterung

B eim ersten „Newcomer Stage Horb“ entpuppen sich im Zirkuszelt Horber Jugendliche als echte Talente.
Von
Andreas Wagner
Horb

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Nicht gesetzt

D as war ein verheißungsvoller Start: 14 junge Entertainer sowie eine Artisten-Gruppe präsentierten sich am Freitag auf dem Hohenberg bei der ersten „Newcomer Stage Horb“ in Anlehnung an das bekannte TV-Format „Das Supertalent“. In zwei Altersklassen traten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der kleinen Manege des Zirkuszeltes auf.

Zahlreiche Helfer waren für die Horber Jungtalentshow des Jugendreferates erforderlich. Um die Bewirtung der Gäste kümmerten sich Birte Qvist-Sörensen und Niklas Straub, während Madeleine Wolf unermüdlich die jungen Darsteller als Coach betreute. Markus Guse, Madline Cabon, Manuela Sacherer, Sascha Lopez und Marion Frank hatten allerhand vor und hinter den Kulissen zu tun, während Marcel Nitzsche (Marmorwerk) das Mischpult bediente. Stadträtin Viviana Weschenmoser führte das Publikum als Moderatorin durch das Programm.

Die vierköpfige Jury bestand aus TG-Lehrer Steffen Knobloch, Oberbürgermeister Peter Rosenberger, Jugendgemeinderätin Rebecca Tillery und dem erfahrenen Musiker Christian Ott.

In der Altersklasse von 11 bis 14 Jahren trat die zwölfjährige Sängerin Luca Seidt als erste vor Jury und das gespannte Publikum. Ihre dezenten Bewegungen unterstrichen bei „Chained to the rhythm“ (Katy Perry) ihre Begeisterung für die Musik, und auch gesanglich konnte sich die Nummer hören lassen. „Du hast echt gut geballert“, kommentierte Ott ihre Performance.

Mit Ece Gencel und Jessica Peykow betrat das erste Gesangsduo des Abends die Manege. Diese unterhielten bei „Lieder“ (Adel Tawil) zudem durch ihre Körpersprache, die sie am Text des Künstlers ausrichteten. Lea Blaszies und Lorena Borka hatten mit der Schulsozialarbeiterin Madline Cabon eine Tanzeinlage einstudiert, die sie zu Andreas Gabaliers bekannten Lied „Hulapalu“ performten. Dies gefiel vor allem Rosenberger: „Das war richtig unterhaltsam wie bei euch die Haare geflogen sind“.

Mit Jaqueline Just trat eine junge ehrgeizige Sängerin vor die Jury, die sich in ihrer Generalprobe eine Verletzung am Knie zuzog. Dies hinderte die junge Sängerin aber nicht daran, sich dennoch zu „Howling at the Moon“ (Milow) tapfer im Takt der Musik zu bewegen, was vom Publikum lautstark bejubelt wurde.

Sehr routiniert gab Isabella Hess den Song „Die immer lacht“ (Tanja Lasch) zum Besten. Mit Druck in der Stimme und ihrer gesanglichen Erfahrung im „Sonnenkinder-Chor“ legte die Sängerin die Messlatte für ihre Konkurrenz höher. Darin waren sich auch alle Mitglieder der Jury einig: „Ich bin einfach nur baff“, verdeutlichte Juror Knobloch.

Davon ließ sich das Tanz-Duo Jasmina Pavic und Evie Wagner jedoch nicht beirren. Mit vollem Körpereinsatz servierten die beiden Tänzerinnen ihre selbst einstudierte Choreographie den Gästen. „Ich kam schon vom Zusehen ins Schwitzen“, stellte OB Rosenberger fest.

Das Beste kommt zuletzt

Das Beste kommt aber ja bekanntlich oft am Schluss. Dies mussten jedenfalls sämtliche Personen im Zelt bei der Darbietung der zwölfjährigen Nicole Tolkatschew feststellen. Zunächst wahnsinnig aufgeregt, legte sich die junge Musikerin ihre Akustik-Gitarre um und überwand schließlich ihre Nervosität. Hierbei stellte sich heraus, dass Nicole eindeutig vor der „falschen“ Jury spielte. Dieser Auftritt hätte selbst dem losen Mundwerk von Dieter Bohlen, Königs-Juror der deutschen Talentshows, die Sprache verschlagen. Mit gerade mal einem Jahr an praktischer Erfahrung an der Gitarre überzeugte Nicole mit tadellosen Griffwechseln und beeindruckender einfühlsamer Stimme. Der Applaus sprach eine deutliche Sprache. Als wollten die Zuschauer damit ausdrücken: „Die Show ist vorbei! Gebt dem Mädchen den Preis!“ So kam es dann auch, als Nicole nach der tiefen Verbeugung von OB Rosenberger und den lobpreisenden Kommentaren der gesamten Jury ihre Wertung erhielt.

Mit der höchstmöglichen Wertung von 40 Punkten sicherte sich Nicole den ersten Platz. Den zweiten Platz belegte die Sängerin Isabella Hess, gefolgt vom Tänzerinnen-Duo Jasmina Pavic und Evie Wagner.

Traum-Start bei den Älteren

In der Alterskategorie von 15 bis 20 Jahren hob sich vor allem das gesangliche Niveau was beim Auftritt der 15-jährigen Nadine Rötscher deutlich wurde. Die Sängerin hatte bereits für den Produzenten und Gitarrenvirtuosen Conny Conrad im Tonstudio gesungen. In „Say Something“ (A Great Big World & Christina Aguilera) ließ Rötscher ihre virtuose Stimme für sich sprechen. „Meine Gänsehaut kommt nicht von der leichten Kälte im Zelt“, kommentierte Jurorin Tillery den Auftritt, während Rosenberger betonte: „Bin mal gespannt, ob da noch was besseres kommt“.

Mit Dzhengis Salieu trat der erste männliche Teilnehmer des Abends vor das Publikum. In seiner Darbietung von „All of me“ (John Legend) stellte sich heraus, dass Saleieu über einen gewissen Stimmcharakter verfügt, der lediglich durch ein wenig „Feintuning“ ausbaufähig wäre, was Juror und Musiklehrer Ott feststellte.

Elisa Bischof servierte eine spektakuläre Diabolo-Show, die Gäste und Jury gleichermaßen begeisterte. Dabei hob Moderatorin Weschenmoser hervor, dass Bischofs Handgelenk zum Zeitpunkt ihres Auftritts noch an den Folgen eines Auto-Unfalls litt. Dennoch bewies die Artistin überraschendes Fingerspitzengefühl, was sie beeindruckend in Szene setzte. Mit Svenja Sowig präsentierte sich eine weitere Sängerin, die gefühlvoll und gelassen „I’m in Love with your Body“ von Ed Sheeran performte.

Als letzter Kandidat servierte die Trampolin AG der Realschule unter der Betreuung von ihrem Lehrer Sven Busch artistische Flugeinlagen in der Manege des Zirkuszeltes. Die „jungen Hüpfer“ unterhielten das Publikum mit ihren zahlreichen Salti und bildeten den gelungen Abschluss eines abwechslungsreichen Programms. Diese wurden im Ranking mit Rang zwei für ihre Show belohnt. Elisa Bischof gesellte sich mit ihrer „Diabolo-Show“ punktgleich mit der Trampolin AG auf das Treppchen zu den Artisten. Den ersten Platz belegte Sängerin Nadine Rötscher mit maximalen 40 Punkten.

Die erste „Newcomer Stage Horb“ war eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Veranstaltung, die den jungen Darstellern sowie dem Publikum gleichermaßen Spaß bereitete. Allem voran der Auftritt der jungen Nachwuchsmusikerin Nicole Tolkatschew, die wahrhaftig als Talent bezeichnet werden darf. In ihrer gefühlvollen Darbietung verwandelte Nicole ihre eigene Nervosität in einen Rausch der Begeisterung, der auf das Publikum übersprang.