Weitingen/Rottenburg · Preisverleihung
: „Gäumoggel“ sind stolzer Internetsieger

Die Mundart- und Party-Band mit einigen Weitinger Musikern wurde beim Sebastian-Blau-Preis 2020 in Rottenburg ausgezeichnet. Wettbewerb und Preisverleihung spielten sich ohne Publikum ab..
Von
Hermann Nesch
Weitingen/Rottenburg

„Gäumoggel“ in der Besetzung beim Sebastian-Blau-Preis in Rottenburg: Sergej Riasanow, Christina Lah, Patrik Schönherr, Stefan Welle, Andreas Scheibler, Marcus Ade, Thomas Kinne und Nikolas Zwanger (von links). Auf dem Bild fehlt Oliver Leins, der am Sonntag in Rottenburg das Mischpult bediente. .

Gäumoggel

„Acht starke Auftritte im fast leeren Saal“, titelte die „Rottenburger Post“ der SÜDWEST PRESSE am vergangenen Dienstag. Das machte bei je zwei Vorträgen 16 Musiktitel insgesamt. Zwei davon waren von „Gäumoggel“: „Do be i dahoim“ und „Nacktbada em Näggr“.

Die einzigen, die Stimmung machten, waren die acht Gruppen selbst, die sich in zwei Blöcken auf der Bühne präsentierten, einander selbst anfeuerten und sich gegenseitig Beifall klatschen. Sonst war niemand da, außer der Jury natürlich. Das lag nicht am mangelnden Interesse, im Gegenteil. Die Veranstaltung war ausverkauft.

Allerdings standen aufgrund der Corona-Regeln nur 130 Karten zur Verfügung. Doch auch sonst wäre aufgrund der Nachfrage ein volles Haus zu verzeichnen gewesen. Natürlich auch aus dem Gäu. Die Fans konnten daher den Gewinn des Internetpreises nicht live miterleben. Dieser Preis machte die fidele Truppe schon stolz, allein schon, dass man überhaupt die Endausscheidung eines hochwertigen Programms mit acht Gruppen unter 56 Bewerbern mit 97 Liedern erreicht hat.

Wenn auch jeder „a bissle scharf“ auf einen Preis gewesen sei, betrachteten sich die Künstler und Interpreten aber nicht als Kontrahenten, betonte Thomas „Gally“ Kinne, der Initiator und Gründer von „Gäumoggel“, der SÜDWEST PRESSE gegenüber: „Uns verbindet die gemeinsame Freude die schwäbische Mundart mit Musik ins Land zu tragen, jeder und jede auf eine andere Art und Weise und mit unterschiedlichen Zielgruppen.“

Man habe sich größtenteils schon gekannt und sich wie eine große harmonische Familie gefühlt. Weitere und engere Kontakte wurden geknüpft und - wenn wieder möglich - habe man sich auch schon gemeinsame Konzerte vorgenommen, erklärte Kinne. Der Haiterbacher ist als „Kopf“ der Band auch deren Texter, Komponist, Arrangeur, Verleger, Sänger, Keyboarder und „Orgler“ in einem.

Aus Weitingen kommen E-Gitarrist Marcus Ade und Oliver Leins (Bassgitarre und Keyboard), beide gleichzeitig auch Mitglied der Band „Overall“, sowie Patrik „Patsch“ Schönherr, Mitglied der „Tiger-Band“ (Posaune und Tuba). Oliver Schneider (Drums) wohnt in Eckenweiler, Sergej Riasanow (Akkordeon) in Freudenstadt Andreas Scheibler (Drums) in Gäufelden-Tailfingen und Stefan Welle (Posaune), der neu dabei ist, in Bondorf.

Die Band komplettieren die beiden Waiblinger Christina „Chrissi“ Lah (Gesang) und Carlos Guererro (Bassgitarre) sowie der Sindelfinger Nikolas „Nick“ Zwanger (E-Gitarre). Die Formation ist also fast auf jeder Position doppelt bestückt, um jederzeit gleichmäßig qualitativ gut besetzt zu sein. Nach ihrem Selbstverständnis die ideale instrumentale Besetzung für festzelttaugliche Partymusik im zünftigen Volksrockstil.

Doch mit Festzeltmusik war es dieses Jahr nichts und wird es wohl auch im neuen nicht gleich wieder sein. „Gally“ geht davon aus, dass nach dem Ausfall der herkömmlichen Fasnet auch die Frühlingsfeste im neuen Jahr auf der Kippe stehen. Somit bangt „Gäumoggel“ nun ein zweites Mal hintereinander, zusammen mit den „Draufgängern“ in Vollmaringen nicht auf einer Bühne stehen zu können.

Abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben wurde auch schon die Open-Air-Veranstaltung in Donzdorf mit der österreichischen Schlagersängerin Melissa Naschenweng. Wenigstens aber hatte es noch mit der im SWR-Fernsehen direkt übertragenen „Schwäbischen Fasnet“ aus Donzdorf geklappt, und auch die Sendung „Schlagerspaß mit Andy Borg“ im Juni konnte unter Coronabedingungen durchgeführt werden.

Live auf der Bühne war die Band zusammen mit den „Dorfrockern“ im Juli in Unterkirnbach im Südschwarzwald. Und im September waren die „Gäumoggele“ noch bei den Sebastian-Blau-Tagen in der Baisinger Schlossscheuer mit sehr begrenzter Besucherzahl vertreten.

Die Branche und „der ganze Rattenschwanz“ dahinter würden sehr stark unter der Corona-Pandemie leiden, bestätigte Kinne. Doch immerhin wurden sie von der Aktion „Musik machen. Mut machen.“ der Baden-Württemberg-Stiftung in Zusammenarbeit mit anderen Stiftungen und dem SWR gefördert.

Profitiert haben davon insgesamt rund 1000 Musikerinnen und Musiker, die gegen Honorar ein Video eines neuen Musikstücks oder einer neuen Interpretation einreichen und so Teil einer einmaligen Videoklanginstallation werden. Es ist ein großartiges Musikkunstwerk des „Klangspektrum BW - das ist der Sound des Landes“.

Auf der Benefiz-CD „Stuagert, mei Städtle“, ist die Band mit ihrem Lied „Mei‘ Lieblingsstadt isch Schtuargert“ vertreten, an der 14 namhafte schwäbische Bands beteiligt sind. Die daraus resultierende Spendensumme belief sich auf 10 400 Euro. Diese konnte am 30. Juni der evangelischen Wohltätigkeitsverband „eva-stuttgart“ zugunsten der Straßenkinderarbeit übergeben werden.

Das erst letzte Woche veröffentlichte Musikvideo „Egal“, das Stuttgart-Lied, die beiden beim Sebastian-Blau-Preis gespielten Titel und weitere Lieder mehr von „Gäumoggel“ sind auf YouTube zu sehen und zu hören. Noch nicht auf dem Markt ist die zweite CD der „Mundartbotschafter aus dem Gäu“, die erst bei einer größeren öffentlichen Veranstaltung präsentiert werden soll. Trotzdem erreichen Thomas „Gally“ Kinne und seine „Gäumoggel“ eine große Reichweite, wie die Zahlen von Spotify und YouTube belegen. Die Hoffnung ruht nun auf dem kommenden Jahr, wenigstens ab Sommer. Die neusten Infos über die Band und einige ihrer Titel können im Internet eingesehen und gehört werden.

Kontat: www.gäumoggel.de, www.facebook.com/Gaeumoggel. www.sebastian-blau-preis.de; www.mund-art.de