Vortragsreihe: Den ehrlichen Dialog weiter fördern

Das Eutinger Organisationsteam der „Politischen Montagsgebete“ macht weiter, die Reihe geht 2019 damit in das dritte Jahr.
Benjamin BreitmaierIns dritte Jahr geht nun das Organisationsteam aus Eutingen mit Dr. Beatrix und Dr. Jürgen Oberle, Andreas und Thomas Präg sowie Sebastian Lazar und Hansi Seefried. Begeisterung für die Demokratie, das ehrenamtliche Engagement und friedlichen Dialog im Großen und Kleinen zu schaffen, war das Ziel von Anfang an.
Die damals bevorstehenden Bundestagswahlen im September 2017 wurden drei Monate vor deren Beginn zum Anlass für die Vortragsreihe genommen, die Kirche und Politik verbinden soll. Dies dann jeden Montag bis kurz nach der Bundestagswahl. Damals war die politische und gesellschaftliche Situation aufgeheizt durch die Flüchtlingskrise. Gegen Nationalismus und Rassismus in Deutschland und Europa als Nährboden für Feindseligkeit sollte „klare Kante“ gezeigt werden.
Hören wir nun auf oder machen wir weiter? Das war damals die Frage, der aber auch gleich die Antwort folgte: Das Team machte weiter. Die Resonanz war überwältigend und das positive Echo riesig. Somit wurde in Abstimmung mit den Besuchern vereinbart, die Montagsgebete weiterzuführen, jedoch nur noch einmal monatlich jeden ersten Montag zu besonderen Themenschwerpunkten.
Hansi Seefried und Sebastian Lazar hielten zum Jahresabschluss zunächst einen politischen Gesamtüberblick über das ausgehende Jahr, in dem der Klimawandel, den viele Politiker immer noch leugnen, in diesem Sommer weite Landschaften „verdursten“ ließ. Zudem habe sich im politischen Weltgefüge Vieles dramatisch verändert und überall in Europa sich wieder der Populismus und Nationalismus ausgebreitet, der zu zwei Weltkriegen und vielen Bürgerkriegen geführt habe - die, vermeintlich fernab, auch Menschen in Deutschland mit den Folgen und Auswirkungen konfrontieren.
Nach dem Rückblick durch Thomas Präg fragte Beatrix Oberle: „Was haben wir nach 32 Montagsgebeten erreicht?“ Man habe Stellung nehmen, die politische Diskussion anregen, sich für die Demokratie einsetzen und zeigen wollen, dass Europa wichtig ist. Und man habe gegen Rechtsextremismus Stellung beziehen und auch ein Glaubensbekenntnis ablegen wollen. „Denn christlicher Glaube war, ist und wird immer politisch sein.“
Die Resonanz auf die verschiedenen Redner und Impulsgeber fiel, je nach politischer Einstellung, recht unterschiedlich, zum Teil sehr gegensätzlich aus. Beatrix Oberle führte einige Beispiele an. So hieß es unter anderem zu Tübingens OB Boris Palmer (Grüne): „Wie könnt ihr den einladen und ihm auch noch eine Plattform für seinen Unsinn geben? Da komme ich auf gar keinen Fall!“ Doch andere wiederum seien begeistert gewesen: „Super, der Boris Palmer, endlich einer, der sagt, was er meint. Da komme ich auf jeden Fall!“
Und zu Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel habe es geheißen: „Der hat in seiner Amtszeit schon so viel falsch gemacht. Den höre ich mir nicht mehr an.“ Eine andere Aussage dagegen habe gelautet: „Ein hervorragender Redner, ein wahrer Landesvater und Zeitzeuge.“ Man sei politisch einseitig, praktiziere Gutmenschentum und „ihr erreicht damit nichts“, so einige weitere Vorwürfe. Doch die überwältigende Zustimmung der Mehrheit habe das Team bestätigt und ermutigt weiterzumachen.
Denn die Vielfalt der Impulse habe auch die Vielfalt der Region widergespiegelt. Habe die Menschen, unabhängig vom Geschlecht, dem Alter, der Konfession und Religion, Akademiker und Handwerker und - wenn der Wille vorhanden war - im ehrlichen Dialog auch unterschiedlicher politischer Anschauung zusammengebracht, auch zum persönlichen Gesprächen danach. Deshalb habe man mehr erreicht, als man zu hoffen gewagt habe.
Andrea Präg ging auf die biblische Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15) ein. Die ganze Gedankenkette des Jagens liege in diesem Spruch. Friede fordere unter Umständen Kraftaufwand, Anstrengung und Geschwindigkeit. Er müsse stets im Fokus bleiben und man dürfe den Abstand nicht zu groß werden lassen. Vor allem aber dürfe die Hoffnung, ihn eines Tages zu fangen und dauerhaft zu haben, niemals verloren gehen.
Schwester Monika betonte im Schlusssegen, dass Frieden aber im Kleinen, beim Nächsten beginne. Nur wer vergeben und verzeihen könne, könne auch Nächstenliebe leben und zum Frieden beitragen: „Wir sollten nicht immer auf die anderen warten, sondern den ersten Schritt selber tun.“ Im Übrigen ist ein weiteres Markenzeichen der Reihe die vielfältige musikalische Begleitung mit Instrumental- und Gesangsgruppen.
Die bisher feststehenden Termine 2019:
7. Januar: „Kommunalpolitik konkret“ mit Ortsvorsteherin Diana Wally (Göttelfingen) und Gemeinderat Hermann Nesch (Weitingen).
4. Februar: Michael Theurer, MdB und FDP-Landesvorsitzender.
4. März: Jérome Brunelle, SPD-Eurokandidat für den Wahlkreis Freudenstadt.
1. April: Dr. Donate Kluxen-Pyta, Vorsitzende der CDU-Frauenunion, Stuttgart.
6. Mai: Saskia Ulmer, Evangelische Frauen Baden-Württemberg, Referentin der Frauen-Initiative.
Sein Kommen zugesagt hat auch schon Volker Kauder, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion.