Umfrage zum dritten Quartal: Konjunktur im Handwerk stagniert – auch im Kreis Freudenstadt

Die Gesundheitshandwerker sind im Gewerkevergleich recht zuversichtlich gestimmt. Sie hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft.
Falk Heller/AMH- Handwerkskonjunktur stagniert, Lage bleibt angespannt im Kammerbezirk Reutlingen.
- 43 Prozent bewerten die Lage als gut, 22 Prozent sind unzufrieden – schwächste Bewertung seit 2009.
- Aufträge und Umsätze sinken, alle Handwerksgruppen im Minus, besonders Dienstleister und Gesundheitshandwerk.
- Preisdruck hoch: 70 Prozent mit höheren Einkaufspreisen, 45 Prozent planen teurere Verkaufspreise.
- Kapazitäten oft ungenutzt, Investitionen gehen zurück, Indikator fällt auf minus 11 Punkte.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Handwerkskonjunktur kommt nicht in Fahrt. Zwar beurteilten die Betriebe in der Region die Geschäftslage im Sommer ein wenig besser als im ersten Halbjahr. Aufträge und Umsätze bewegen sich laut einer Umfrage der Handwerkskammer Reutlingen allerdings weiterhin auf niedrigem Niveau.
43 Prozent der Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb bewerteten die Geschäftslage laut einer Mitteilung der Handwerkskammer im dritten Quartal als gut. 22 Prozent äußerten sich unzufrieden, 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahresquartal. Eine schwächere Lageeinschätzung gab es zuletzt in der Finanzkrise 2009.
„Die aktuellen Rahmenbedingungen sind für das Handwerk äußerst herausfordernd. Die anziehende Inflation und steigende Zinsen belasten Betriebe und Verbraucher. Neben kurzfristig sinnvollen Entlastungen braucht es auch Reformen, die die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe langfristig verbessern und wieder verlässliche Perspektiven bieten“, wird Alexander Wälde, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, in der Mitteilung zitiert.
Die Auftragslage hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. 19 Prozent verzeichneten in den vergangenen Wochen mehr Bestellungen (3/2025: 24 Prozent), 38 Prozent meldeten Einbußen (3/2026: 27 Prozent). Alle Handwerksgruppen liegen per Saldo im negativen Bereich. Schlechter als im Kammerdurchschnitt lief es für das Gesundheitshandwerk (Saldo: minus 45 Punkte) und bei den personenbezogenen Dienstleistungen (Saldo: minus 36 Punkte).
Preisdruck bleibt unverändert hoch
Ähnliches gilt für die Umsätze. 36 Prozent der Betriebe meldeten geringere Einnahmen (3/2025: 24 Prozent). Auch hier fällt der Rückgang bei den Dienstleistern besonders deutlich aus (Saldo: minus 39 Punkte), während die Bau- und Ausbaubetriebe etwas besser abschneiden. Der Kammerdurchschnitt liegt im Saldo bei minus 22 Punkten, ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei minus 7 Punkten. Negativer fiel der Saldo für ein drittes Quartal zuletzt 2004 aus.
Unverändert hoch bleibt der Preisdruck. 70 Prozent der Betriebe meldeten höhere Einkaufspreise für Energie, Material und Vorprodukte. Eine Preisanpassung nahmen 30 Prozent der Betriebe vor. Verbraucher werden sich auf höhere Verkaufspreise einstellen müssen. 45 Prozent der Befragten planen für das vierte Quartal entsprechende Anpassungen.
Immer häufiger bleiben Kapazitäten in den Unternehmen ungenutzt. Jeder vierte Betrieb konnte seine Kapazitäten zuletzt bis maximal 60 Prozent auslasten. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Betriebe, die unter Volllast arbeiten, innerhalb eines Jahres von 20,3 Prozent auf nunmehr 11,2 Prozent halbiert.
Zwar haben die Wirtschaftsforschungsinstitute zuletzt aufgrund besserer Exportzahlen ihre Wachstumsprognosen nach oben korrigiert, die Handwerker in der Region rechnen indes nicht mit einer Trendumkehr in den nächsten Wochen. „Das wäre ein Lichtblick, wenn sich die Prognosen bestätigen sollten. Aber es wird vermutlich noch eine Weile dauern, bis das auch im Handwerk ankommt“, betont Wälde.
Betriebe bei Investitionen zurückhaltend
Jeder vierte Betrieb stellt sich auf schlechtere Geschäfte im Schlussquartal ein. Lediglich 13 Prozent sehen aktuell Luft nach oben (3/2025: 25 Prozent). Auch die Auftrags- und Umsatzerwartungen liegen allesamt im negativen Bereich. Zurückhaltend geben sich die Betriebe auch bei den Investitionen. Mehr als ein Drittel der Befragten will seine Ausgaben reduzieren.
Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer Reutlingen, der Lagebewertungen und Erwartungen aller Branchen zusammenfasst, liegt für das dritte Quartal 2026 bei minus 11 Punkten (3/2025: plus 9,1 Punkte).
