Seltenes Schauspiel am Flugplatz in Sulz am Neckar
: 11 Kiebitz-Doppeldecker treffen sich auf dem Flugplatz

Ein ungewöhnliches Bild bot sich dieser Tage auf dem Gelände der Flugsportgruppe Sulz. Die Ansammlung der Ultraleichtflugzeuge zog beim spontanen Treffen alle Blicke auf sich.
Von
NC
Sulz
Jetzt in der App anhören
Fabian und Denise Hauser in ihrem Kiebitz.

Fabian und Denise Hauser in ihrem Kiebitz.

privat
  • Auf dem Flugplatz Sulz trafen sich 11 Kiebitz-Doppeldecker zu einem spontanen Treffen.
  • Startpunkt: traditionelle rund 3000 Kilometer lange Luftwanderung quer durch Europa.
  • Die Route führte wegen des Wetters nach Frankreich – weiter bis Bordeaux und zurück über Belgien, Niederlande.
  • Geflogen wird nur bei gutem Wetter in 300 bis 500 Metern, übernachtet wird im Zelt unter dem Flugzeug.
  • Der Kiebitz ist ein Selbstbau-Flugzeug: 1500 bis 2500 Arbeitsstunden, 30.000 bis 50.000 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Piloten, die überwiegend aus Mittel- und Norddeutschland stammen, nutzten Sulz als Ausgangspunkt für ihren traditionellen Jahresausflug – eine rund 3000 Kilometer lange Luftwanderung quer durch Europa. Im Gespräch mit Fabian und Denise Hauser wird schnell deutlich, dass hinter dem bunten Anblick der historischen Flugzeuge weit mehr steckt als reine Nostalgie. „Auf den ersten Blick wirkt das Ganze vielleicht wie ein fliegender Zirkus“, sagt Fabian Hauser schmunzelnd. Tatsächlich steckt aber jede Menge Abenteuer dahinter. Die Teilnehmer sind über eine Woche mit ihren Flugzeugen unterwegs und reisen dabei völlig unabhängig von Ort zu Ort.

Die Doppeldecker des Typs Kiebitz waren ein echter Hingucker.

Die Doppeldecker des Typs Kiebitz waren ein echter Hingucker.

privat

Die genaue Route stand am Morgen noch nicht fest. Zur Auswahl standen eine Strecke Richtung Osten über Österreich, Ungarn und Rumänien oder eine Tour nach Westen durch Frankreich. Letztlich gab das Wetter den Ausschlag. Erst  in der Früh wurde entschieden, dass es nach Frankreich geht, berichtet Fabian Hauser. Von Sulz aus führt die Reise quer durch Frankreich bis in die Region Bordeaux und anschließend entlang der Küste über Belgien und die Niederlande zurück in den Norden Deutschlands. Geflogen wird ausschließlich bei guten Wetterbedingungen. Die offenen Doppeldecker bewegen sich dabei meist in Höhen zwischen 300 und 500 Metern über Grund.

Gerade diese Art des Reisens macht für die Piloten den besonderen Reiz aus. „Man erlebt die Landschaft viel intensiver als in größeren Flugzeugen“, erklärt Fabian Hauser. „Wenn einem im offenen Cockpit der Wind um die Nase weht und man die Natur aus dieser Vogelperspektive genießen kann, ist das ein einzigartiges Gefühl von Freiheit.“ Die Teilnehmer sind dabei weitgehend autark unterwegs. Auf dem für die Reise umfunktionierten Copilotensitz finden nicht nur Kleidung und Campingausrüstung Platz, sondern auch Verpflegung, Benzin und wichtige Ersatzteile. „Von der Raviolidose bis zum Kaffeekocher ist alles dabei“, erzählt Fabian Hauser. „Man weiß schließlich nie, ob am nächsten Flugplatz ein Restaurant oder ein Supermarkt in der Nähe ist.“ Übernachtet wird traditionell im kleinen Zelt direkt unter dem Flugzeug. Diese Form des Reisens gehört für viele Teilnehmer genauso zum Erlebnis wie das Fliegen selbst.

Ein imposantes Bild boten die Doppeldecker auf dem Sulzer Flugplatzgelände.

Ein imposantes Bild boten die Doppeldecker auf dem Sulzer Flugplatzgelände.

privat

Angeführt wird die Gruppe von Uwe Schomber, einem Business-Jet-Kapitän. Er übernimmt die organisatorischen Aufgaben wie Flugvorbereitung, Flug- sowie Wetterplanung und den Funkverkehr mit den jeweiligen Flugaufsichtsstellen, der international in englischer Sprache erfolgt. Dass Sulz in diesem Jahr als Treffpunkt gewählt wurde, hat einen einfachen Grund: Fabian Hauser ist selbst begeisterter Kiebitz-Pilot und Besitzer eines solchen Flugzeugs. „Die Kiebitz-Gemeinschaft ist sehr eng vernetzt“, berichtet er. „Viele kennen sich seit Jahren. Da lag es nahe, sich bei uns in Sulz zu treffen.“ Neben den ursprünglich geplanten Teilnehmern schlossen sich sogar noch zwei weitere Kiebitz-Piloten aus Binningen bei Singen spontan dem Treffen in Sulz an. Gemeinsam ließen die Fliegerfreunde den Abend am Lagerfeuer ausklingen. „Da wurde natürlich auch einiges an Flieger-Latein erzählt“, sagt Denise Hauser lachend. „Es war ein sehr geselliger Abend.“

Beim Landebier saßen die Akteure gemütlich auf dem Gelände der Sulzer Flugsportgruppe beieinander.

Beim Landebier saßen die Akteure gemütlich auf dem Gelände der Sulzer Flugsportgruppe beieinander.

privat

Für die zufälligen Besucher des Flugplatzes Sulz war das Treffen der 11 Kiebitze ein seltenes Schauspiel. Für die Piloten hingegen, welche sich bei der Flugsportgruppe Sulz, bei Fabian und Denise, außerordentlich willkommen fühlten, war es vor allem der Beginn eines außergewöhnlichen Abenteuers in den offenen Cockpits ihrer liebevoll selbstgebauten Flugzeuge.

Ein Flugzeug zum Selberbauen

Der Kiebitz nimmt unter den Ultraleichtflugzeugen eine besondere Stellung ein. Anders als bei serienmäßig produzierten Flugzeugen kann das Modell nicht fertig gekauft werden. Interessenten erwerben lediglich die Baupläne des deutschen Konstrukteurs Michael Platzer und bauen das Flugzeug anschließend vollständig selbst. „Je nach handwerklichem Geschick investiert man zwischen 1500 und 2500 Arbeitsstunden“, erklärt Fabian Hauser. „Das macht jedes Flugzeug zu einem echten Unikat.“ Auch auf dem Gebrauchtmarkt sind die charakteristischen Doppeldecker nur selten zu finden. Je nach Ausstattung liegen die Preise zwischen 30.000 und 50.000 Euro.

Technische Daten Platzer Kiebitz B:

• Maximales Abfluggewicht: 450 Kilogramm

• Reisegeschwindigkeit: zirka 110 km/h

• Sitzplätze: 2 (Pilot und Passagier)

• Bauweise: Selbstbau nach Originalplänen von Michael Platzer