Seit 40 Jahren: Es lebe die Freundschaft zwischen Empfingen und Ungarn

Die ungarische Folkloregruppe und die Empfinger Trachtengruppe feierten bei einem Festumzug 40 Jahre Freundschaft.
Privat/Warnke- 40 Jahre Freundschaft zwischen Empfingen und der ungarischen Folkloregruppe aus Miske/Drágszél.
- Partnerschaft ohne Verträge, geprägt von Kultur, Gastfreundschaft und generationsübergreifenden Bindungen.
- Jubiläumsfeier mit Festumzug, Grillfest, Tanz und Austausch von Geschenken wie Feuertonne und Poloshirts.
- Wirtschaftliche Herausforderungen in Ungarn beeinflussen Dorffeste und Vereinsarbeit.
- Emotionaler Abschied mit Versprechen auf Wiedersehen und tiefer Verbundenheit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als beim „Internationalen Folkloreabend“ im Rahmen des Gautrachtentreffens 1985 die ungarische Folkloregruppe aus Miske und Drágszél die Empfinger Trachtengruppe mit einer Einladung zum Gegenbesuch überraschte, glaubte kaum jemand ernsthaft daran, dass dies einmal Wirklichkeit werden könnte. Zu groß erschienen die Hürden angesichts der damaligen politischen Situation, ganz zu schweigen von der sprachlichen Barriere und einer absolut unbekannten Kultur. Doch der damalige Vorsitzende Albert Bossenmaier und sein Vize Wilfried Streidel gingen hartnäckig dem ehrgeizigen Ziel nach, die Folkloregruppe im zirka 1100 Kilometer entfernten Miske und Drágszél zu besuchen. Im Mai 1986 schließlich machte sich die Empfinger Gruppe mit gemischten Gefühlen auf zu ihrer ersten Reise nach Ungarn. Und das, was sie dort erwartete, übertrafen alle Vorstellungen.
Überschwängliche Gastfreundschaft und eine tiefe Herzlichkeit prägten das erste Treffen und legten die Basis für eine nunmehr 40-jährige dauernde Vereinspartnerschaft. Und das Besondere daran: Das alles funktioniert bis zum heutigen Tag ohne Partnerschaftsverträge, Protokollen oder Organisationsausschüssen. Gerade diese Unkompliziertheit scheint das richtige Rezept zu sein für die ungezwungene Freundschaft der beiden Trachtengruppen, ohne jedoch den kulturellen Austausch zu vernachlässigen.
Eine unbegründete Sorge
Die Sorge der Verständigung erwies sich als unbegründet, konnten doch viele junge Leute etwas deutsch oder englisch. Dank moderner Kommunikationsmedien ist heutzutage der schnelle Informationsaustausch leichter denn je. Ende Juli gingen 27 schwäbische Musiker und Trachtler der Empfinger Kulturgemeinschaft der Einladung nach, beim Dorffest ihrer ungarischen Folklorefreunde in Miske musikalisch und tänzerisch mitzuwirken.
In Miske angekommen, warteten die Gastgeber bereits im Kultursaal auf die ausländischen Freunde. Dem obligatorischen ‚Pálinka‘ (Schnaps) zur Begrüßung konnte kaum jemand entgehen. Einmal mehr scheint der Begriff „Egészsegre“ (Prosit) zum beflügelten Wort während des ganzen Aufenthalts in Ungarn zu werden. Herzliche Umarmungen – Küsschen links, Küsschen rechts – Freude pur über das Wiedersehen.
Brücken zwischen den Ländern
Nach kurzen Begrüßungsworten und organisatorischen Informationen ging es bereits zu den Gastfamilien, wobei der größte Teil immer bei denselben Gastgebern untergebracht ist und sich daher schon bestens kennt. Die Mitglieder der Folkloregruppe kommen aus Miske und dem kleineren Nachbarort Drágszél. Im Gemeindesaal von Drágszél hatte der dortige Bürgermeister Gábor Pandur zusammen mit vielen Helfern ein Abendbuffet vorbereitet, an dem es absolut an nichts fehlte. Pándur, ein Mann der ersten Stunde und seit 1985 ununterbrochen bei sämtlichen Treffen mit dabei, hob in seiner Begrüßung rückblickend hervor, wie sich die Freundschaft immer tiefer entwickelt hat.
Während herkömmliche Partnerschaften oft unter einer ‚Abflachung‘ leiden, ist hier das Gegenteil der Fall. „Diese Begegnungen waren nicht nur formelle Anlässe, sondern haben echte Brücken zwischen unseren Gemeinden und Ländern gebaut, die es ermöglicht haben, einander zu verstehen und zu respektieren!“, betonte der Bürgermeister. Weiter schilderte er die Eindrücke von der ersten Reise nach Empfingen im Jahr 1985 – für die meisten die erste Reise in ein westliches Land. „Wir haben uns damals auf eine Reise in ein Land mit ganz anderen Strukturen begeben. Wir waren alle aufgeregt und voller Neugier für das Unbekannte. Unsere damaligen Leiter zweifelten sogar daran, ob sich überhaupt Freundschaften entwickeln können. Aber wir haben das Gegenteil bewiesen! Zuerst hat unsere Generation Freundschaften geschlossen, später die unserer Kinder. Unser Ziel ist, dass unsere Enkelkinder diesem Beispiel folgen!“
Als Überraschungsgeschenk erhielt jeder deutsche Gast ein Poloshirt mit beiden Vereinslogos und der passenden Aufschrift zum 40-jährigen Bestehen der Freundschaft.
In den Familien tief verankert
Die offizielle Jubiläumsfeier am Folgeabend organisierten die Gastgeber aus Miske in Form eines großen Grillfestes mit schmackhaften ungarischen Grillspezialitäten aus eigener Schlachtung. Fabian Walter und Sven Warnke, die Hauptorganisatoren dieser Ungarnfahrt, unterstrichen nochmals die gewachsene Freundschaft, die mittlerweile in den einzelnen Familien tief verankert ist und bereits der dritten Generation vorgelebt wird. Drei Mädchen im Alter von elf, neun und vier Jahren durften zum ersten Mal die ungarische Freundschaft hautnah miterleben und standen zur Freude aller ganz im Mittelpunkt der Gastgeber. Überhaupt war es eine Freude zu sehen, wie es den deutschen und ungarischen Kindern gelang, ohne jegliche Kommunikation miteinander ausgelassen zu spielen.
Mit den Worten „40 Jahre Partnerschaft, 40 Jahre Freundschaft, 40 Jahre unendlich viele Erinnerungen“ eröffneten Walter und Warnke ihre Rede und fügten scherzhaft an: „…und hektoliterweise Pálinka!“ „40 Jahre Freundschaft – das ist eine Geschichte voller Begegnungen, Musik, Tanz, Lachen und ganz viel Herzlichkeit.“ Und sie ergänzten schmunzelnd: „Fast schon wie eine harmonische Ehe.“ Sie erinnerten an die Anfänge und dankten für die Unterstützung durch den damaligen Bürgermeister Albert Schindler und jetzt durch Ferdinand Truffner.

Das ungarische Gastgeschenk soll im Empfinger Zunftheim einen Ehrenplatz bekommen.
Privat/WarnkeAls Jubiläumsgeschenk brachten die Schwaben eine Feuertonne mit, in die ein ungarisches Trachtenpaar und symbolisch für die Trachtenkapelle eine Trompete eingraviert war. Csaba Serfözö, Bürgermeister aus Miske und Leiter der Tanzgruppe János Prohászka, überreichte der Gruppe eine Tafel in Form eines 40-Kilometer-Verkehrsschildes mit einer entsprechenden Erinnerungsgravur, die im Empfinger Zunftheim einen Ehrenplatz bekommen soll. Eine ganz besondere Überraschung war die große Jubiläumstorte mit brennenden Tortenfahnen. Jeder Festabend endete mit den typisch ungarischen temperamentvollen Rundtänzen, bei denen jeder zum Mitmachen aufgefordert war.
Schlechte wirtschaftliche Lage macht sich bemerkbar
Selbstverständlich kamen auch die gemeinsamen Unternehmungen während des dreitägigen Aufenthaltes nicht zu kurz. Beim Dorffest von Miske formierten sich die Trachtenkapelle und die Fokloregruppe Miske/Drágszél zu einem kleinen Umzug und marschierten gemeinsam unter den Klängen des Edelweiß-Marsches in das Festgelände, rhythmisch begleitet vom Klatschen der Festbesucher. Den Empfinger Musikern unter der Leitung von Michael Gunkel wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den Festabend mit den beiden Nationalhymnen zu eröffnen. Mit flotten Weisen durften die Empfinger Trachtenmusiker dann das Publikum unterhalten und die Trachtenträger nahmen gerne die Gelegenheit wahr, zusammen mit der Kapelle drei alte schwäbische Volkstänze aufzuführen. Im Anschluss zeigten die Gastgeber in ihren bunten Kostümen und im temperamentvollen Schrittwechsel ihre altüberlieferten ungarischen Tänze. Jeder Tanz erzählt dabei seine eigene Geschichte und gleicht fast schon einem kleinen Schauspiel.
Auch in Ungarn macht sich die schlechte wirtschaftliche Lage bemerkbar. Das Dorffest wird vollständig von der Gemeinde finanziert. Noch bis vor zwei Jahren wurden zwei Tage lang gefeiert und der Abschluss bildete ein großes Feuerwerk. Aufgrund der Kosten musste es aber auf einen Tag reduziert werden und es gibt kein Feuerwerk mehr. Ein weiterer Grund ist die schwindende Zahl der Helfer, denn ein Großteil der jüngeren Bevölkerung zieht es immer mehr in die größeren Städte, wo es Industrie und weiterführende Schulen gibt. Diese Entwicklung wirkt sich auch negativ auf die Zukunft örtlichen Folkloregruppen und anderer Vereine aus.
Tränen des Abschieds
Während man bei der Beatparade mit Starkregen zu kämpfen hatte, waren die Tage in Ungarn von hochsommerlichen Temperaturen geprägt. Beim Abschied standen vielen die Tränen in den Augen. „Közönöm – Közönöm - Közönöm!“ („Danke – Danke – Danke!“) war von beiden Seiten zu hören. Lange und feste Umarmungen und noch mehr Küsschen prägten das fast schon melancholische Abschiedsbild. Mit dem festen Versprechen, sich bald wiederzusehen, ging es zurück nach Empfingen.
