Sebastian Lotzer: Über die Leibeigenschaft

In dem um 1496 entstandenen Kupferstich „Der verlorene Sohn“ stellte Albrecht Dürer durch eine lebensnahe graphische Darstellung die bäuerliche Armut dar, die sich an vielen Stellen des baufälligen Gehöfts zeigt.
Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung- Vortrag über Leibeigenschaft der Hegauer Bauern im Kloster Horb am 15. November um 20 Uhr.
- Dr. Clemens Regenbogen referiert über "Leibeigenschaft, Organisation und Konflikte im Spätmittelalter".
- Kontext: Bauern lebten in drückender Unfreiheit, besonders in Oberschwaben.
- Beginn des Bauernkriegs im Hegau am 2. Oktober 1524.
- Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Kultur- und Museumsverein lädt am Freitag, 15. November, um 20 Uhr zu einem Vortrag in den Theatersaal des Kulturhauses Kloster (Marktplatz 28). Im Vorfeld des von der Stadt geplanten Lotzer-Gedenkjahrs 2025 referiert der Historiker Dr. Clemens Regenbogen zum Thema „Leibeigenschaft, Organisation und Konflikte – Lebenswelten Hegauer Bauern im Spätmittelalter“.
„Darumb erfindt sich mit der geschryfft, das wir frey seyen vnd wo(e)llen sein.“ Dieser Ruf nach Freiheit findet sich im dritten Artikel der im Frühjahr 1525 vom gebürtigen Horber Sebastian Lotzer in Memmingen verfassten Zwölf Artikel der oberschwäbischen Bauernschaft. Eingemeißelt ist er dem an der Wintergasse befindlichen Denkmal des großen Sohnes der Neckarstadt. Ein deutliches Mehr an Freiheit war sehnlicher Wunsch und Antrieb der damaligen Aufständischen, schließlich lebte damals der größte Teil der ländlichen Bevölkerung – und damit der großen Bevölkerungsmehrheit überhaupt – in mehr oder minder drückender Unfreiheit.
Diese „Leibeigenschaft“ genannte Unfreiheit legte den Bauern bereits seit Jahrhunderten enge Fesseln hinsichtlich ihrer persönlichen Freiheiten an. Beispielsweise waren Partnerwahl oder Wegzug engen Beschränkungen ausgesetzt, wenn nicht gar unmöglich. Besonders in Oberschwaben wuchs die Leibeigenschaft am Vorabend des Bauernkriegs zu einem für viele nicht mehr zu ertragenden Joch, weil Klöster ihre eingeforderten Abgaben und den Zugriff auf ihre „Leibeigenen“ nochmals intensivierten.
Basierend auf noch unveröffentlichten Quellenstudien des Referenten sollen in diesem Vortrag die bisher unerforschten Lebenswelten der den Oberschwaben benachbarten Hegauer Bauern während des späten Mittelalters (ca. 1250 bis 1500/25) als Rahmenbedingungen und Voraussetzungen der Ereignisse von 1524/25 näher erläutert werden. Im Hegau begann der Bauernkrieg sehr früh am 2. Oktober 1524 mit der „Hilzinger Kirchweih“, bei der sich 800 bewaffnete Bauern gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit versammelten.
Neben den konkreten Auswirkungen der Leibherrschaft auf die bäuerliche Bevölkerung werden zwei weitere Aspekte im Mittelpunkt der Ausführungen stehen: Zum einen die bemerkenswerte Organisation der Landbevölkerung, fällt doch die allmähliche Ausbildung von Dorfgemeinden als politisch-rechtliche Einheiten in diesen Zeitraum. Eingeübte Organisationsverläufe erleichterten es den Bauern ungemein, gegenüber der Herrschaft schlagkräftige Verbände aufzustellen und zu koordinieren.
Zum anderen sind in den Jahrzehnten um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, also unmittelbar vor dem Bauernkrieg, auch im Hegau zunehmende soziale Spannungen feststellbar, die sich etwa in aufkommenden Konflikten um Abgaben und Zehnten zeigten. Es folgte ein für die Bauern tragisch ausgehender kriegerischer Konflikt, dessen Ausgang ihre Unfreiheit in deutschen Landen für weitere circa 300 Jahre besiegeln sollte.
Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten.