Schafe im Kreis Freudenstadt verletzt: Wölfin im Südwesten bestätigt – Rudelbildung möglich

Ein Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) streift durch ein Gehege im Wisentgehege. (zu dpa: «Wölfin im Südwesten bestätigt – Rudelbildung möglich»)
Julian Stratenschulte/dpa- Im Nordschwarzwald wurde eine Wölfin per DNA bestätigt – Paarbildung mit Rüde GW852m gilt als sicher.
- Experten erwarten dieses Jahr ein Rudel, doch Erfolg hängt von Trächtigkeit und Fruchtbarkeit ab.
- In Seewald wurden zwei Schafe verletzt und eines gemeldet als verschwunden; Proben werden untersucht.
- Fünf Wölfe gelten nun als sesshaft in Baden-Württemberg, darunter GW852m, GW2672m, GW4389m und GW1129m.
- Die Wölfin GW4816f wanderte aus Bayern ein; eine Fotofalle zeigte das Paar bereits im Dezember.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Südwesten hat sich nach vier männlichen Wölfen wieder eine Wölfin niedergelassen. Damit sind nach Worten des Umweltministeriums nun fünf Exemplare dieser streng geschützten Tiere in Baden-Württemberg sesshaft – und eine Rudelbildung wird immer wahrscheinlicher. „Schon dieses Jahr könnte es ein Rudel geben“, sagte der Wolfsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hartmut Weinrebe. Als Rudel gilt seinen Worten zufolge schon eine Kleinfamilie, bestehend aus Vater, Mutter und Wolfswelpen.
Laut Umweltministerium war das weibliche Tier, eine sogenannte Fähe, zum ersten Mal Anfang Januar per DNA im Territorium Enztal im Nordschwarzwald nachgewiesen worden und mehr als drei Monate später nochmals nach dem Fund einer Losung in Gernsbach (Kreis Rastatt). Die Region ist gleichzeitig das Territorium des Rüden GW852m. „Gemäß nationaler Monitoringstandards ist damit eine Paarbildung bestätigt“, hieß es weiter. Der aus Niedersachsen zugewanderte GW852 lebt seit Jahren in der Region und wurde auch schon in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) gesichtet.
Zwei tote Schafe und ein verschwundenes Ende März in Seewald
Auch das Gebiet um Seewald (Kreis Freudenstadt) gehört zum Streifgebiet des Rüden. Dort waren im Januar Schafe schon gerissen worden. Zuletzt meldete die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) am Montag (30. März) zwei verletzte Schafe und ein verschwundenes Schaf in Seewald. Genetische Abstrichproben werden derzeit am Senckenbergzentrum für Wildtiergenetik untersucht.
Der FVA zufolge war die Fähe mit der Kennung GW4816f in ihrem ursprünglichen Heimatterritorium Wildflecken in Bayern, im Grenzgebiet zu Hessen, genetisch nachgewiesen worden, weitere Nachweise seien in Bayern dokumentiert. Sie legte also auf ihrem Weg in den Nordschwarzwald mindestens 300 Kilometer zurück, um ein eigenes Territorium zu finden. Solche Distanzen sind für Wölfe bei weitem nicht ungewöhnlich, sagt die FVA.
Paar schon im Dezember gesichtet
Die beiden Tiere waren schon im Dezember mithilfe einer Fotofalle gesichtet worden, sagte Weinrebe. Schon damals sei eine Paarbildung vermutet worden, die nun bestätigt sei. Eine Paarung könnte im Frühjahr erfolgt sein – ob erfolgreich, ist noch nicht sicher, wie Weinrebe betonte. Sollte die Fähe trächtig sein, könnte aber schon bald Nachwuchs gesichtet werden. Üblich sei eine Tragezeit von 61 bis 63 Tagen. In der Regel werfen Wölfinnen vier bis sechs Welpen. Es sei damit zu rechnen, dass es in diesem Jahr zu einer Rudelbildung in diesem Territorium kommt, sagen die FVA-Experten.
Die Sterblichkeit der Kleinen ist Weinrebes Worten zufolge aber hoch. Man wisse auch nicht, ob der Rüde Nachwuchs zeugen könne. Er sei mit etwa zehn Jahren schon recht betagt und Nachweise eigenen Nachwuchses des seinerzeit aus Norddeutschland zugewanderten Tieres seien bisher nicht bekannt. Auch könne natürlich die Fähe unfruchtbar sein. „Das alles wissen wir nicht“, sagte Weinrebe.
Fünf Wölfe nun sesshaft
Mit dem Nachweis des weiblichen Tieres gelten nun fünf Wölfe als sesshaft im Land: Zum einen die Fähe und ihr mutmaßlicher Partner GW852m. Dieser hat schon öfter rund um Forbach ein Schaf oder eine Ziege gerissen. Der andere männliche Wolf in der Region trägt die Bezeichnung GW2672m und streunt durch das Territorium Hornisgrinde. Wochenlang sorgte er für Schlagzeilen, weil er sich Menschen zu stark genähert hatte und deshalb erlegt werden sollte. Jäger suchten ihn nach einem Rechtsstreit erfolglos – schließlich verzichtete das Umweltministerium darauf, die Ausnahmegenehmigung zur Jagd zu verlängern.
Die anderen beiden sesshaften männlichen Wölfe haben die Kennung GW4389m und mit GW1129m. Ersterer lebt laut FVA im Grenzgebiet der Landkreise Schwarzwald-Baar und Tuttlingen, der andere im Südschwarzwald.
Es gab schon mal ein Rudel
In der Vergangenheit war die Zahl der sesshaften Wölfe im Land höher, einige wanderten ab oder wurden überfahren. Ein Rudel gab es nicht mehr, seit der einzig lebende Welpe Ende 2023 in der Nähe des Schluchsees überfahren wurde. Im April danach verendete das Muttertier bei einem Autounfall nahe Lenzkirch. Es war trächtig mit mehreren Welpen. Weibchen für möglichen Nachwuchs gab es danach länger nicht mehr im Südwesten.
Zum Vergleich: In Deutschland leben Wölfe vor allem in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen, wie aus dem Monitoring der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes 2024/2025 (bis 30. April) hervorgeht. Aber auch in allen anderen Flächenbundesländern (außer dem Saarland) sind Wolfsterritorien nachgewiesen worden.

