Ritterspiele
: (Fast) wie im italienischen Siena

Mit einem neuen Konzept sollen die mittelalterlichen Spiele an Attraktion gewinnen. Der Schlüssel dazu ist der Marktplatz.
Von
Dagmar Stepper
Horb

So könnte das Ritterturnier in diesem Jahr auf dem Marktplatz aussehen – vor einer grandiosen historischen Kulisse. Bildmontage: MPS

Nicht gesetzt

Da s Ritterturnier auf dem Marktplatz – das ist der Clou, mit dem der Veranstalter MPS den Maximilian Ritterspielen zu neuem Glanz verhelfen wollen. Statt unten am Neckarufer sollen die waghalsigen Kämpfe und Reiterkünste nun künftig in historischem Ambiente stattfinden. Das ist das neue Konzept, das gestern von MPS-Chef Jürgen Wünsche und Oberbürgermeister Peter Rosenberger vorgestellt wurde. Stilecht auf dem Marktplatz, wie es sich versteht.

Horb wirbt mit seinem mittelalterlichen Flair und seiner historischen Geschichte. Warum gerade bei den mittelalterlichen Ritterspielen nicht der Marktplatz bespielt wird, stieß in den vergangenen Jahren häufig auf Kritik. Das weiß auch Jürgen Wünsche. Doch ob das technisch überhaupt möglich ist, das war die große Frage. „Wir haben es immer wieder durchgespielt“, sagt Wünsche. Denn der Marktplatz bietet wesentlich weniger Platz für Pferde und Reiter. Pflastersteine und Unebenheiten sind weitere Hürden.

Doch jetzt ist Wünsche sicher, dass der Plan aufgeht. Er hat die fachliche Expertise von Reitern eingeholt, die schlussendlich Grünes Licht gaben. Auch das Bodenproblem des Marktplatzes scheint gelöst. Die Turnierfläche misst 50 Meter Länge und zehn Meter Breite. Als Untergrund werden Spezialmatten aufgebracht und darauf kommt eine zehn Zentimeter dicke Sandschicht. Die Showreiter würden damit sehr gut zurechtkommen. Wünsche gerät ins Schwärmen: „Es hat einen unglaublichen Reiz, die Rittervorführungen zwischen den Häusern stattfinden zu lassen. Man denkt sofort an die Bilder aus der italienischen historischen Siena, an eine historische Innenstadt, Pferde, Spektakel.“

Kompakter und intensiver

Das Ritterturnier ist das Aushängeschild der Maximilian Ritterspiele, davon ist Wünsche überzeugt. „Mittelalterliche Märkte gibt es inzwischen zuhauf. Wir müssen daher eine Attraktion dagegenstellen“, betont er. Das sollen nun die Spiele auf dem Marktplatz werden.

Doch eins ist auch sicher: Die Aufführungen auf dem Marktplatz können nicht mehr so viele Zuschauer live erleben. Das Neckarufer bietet 1500 Sitz- und 1100 Stehplätze. Oben sind es 900 Sitzplätze, Stehplätze gibt es keine. Dafür sollen es am Marktplatz mehr Vorführungen geben. Allerdings entfällt die Abendvorstellung. Fackeln und anderes offenes Feuer ist hier aus Brandschutzgründen tabu. Oberbürgermeister Peter Rosenberger ist von der Marktplatz-Idee ebenfalls begeistert: „Auch auf einer kleinen Fläche kann man Spektakel zeigen.“

Die Ritterspiele kommen in ihrer 21. Ausgabe in neuem Gewand daher. Der Festplatz war eh ein ungeliebtes Kind und wird gestrichen. Er diente in den vergangenen zwei Jahren als Lager für den Bund Oberschwäbischer Landsknechte, doch es hätten sich eher weniger Besucher dahin verirrt, sagt Wünsche. Die Landsknechte werden nun ihr Lager auf der Turnierwiese aufschlagen. Es wird größer: Waren es in 2016 noch 75 Zelte, sollen es nun 100 werden, die sich vom Flößersteg bis ins Egelstal ausbereiten. „Die Landsknechte sind aber nicht nur Kulisse, sondern sie bieten auch Programm“, erläutert Wünsche. Waffendrill, Kampfszenen, Kanonenschießen gehören dazu, Handwerker und Marktender sorgen für den Flair eines richtigen Lagerlebens.

Der mittelalterliche Markt ist ein weiteres Herzstück. Dieser dehnt sich in diesem Jahr von der Neckarstraße, Schillerstraße, Wilhelmstraße über die Platanenallee aus. Rund 200 Beschicker werden erwartet. Das neue Konzept bringt Wünsche folgendermaßen auf den Punkt: „Es sind intensivere und kompaktere Spiele.“

Er und Rosenberger sind vom Erfolg des neuen Konzepts überzeugt. Das müssen sie wohl auch. Für die Ritterspiele legt Wünsche 350000 Euro hin. Die Stadt Horb sponsiert die Spiele mit 15000 Euro – 5000 Euro mehr als in den vergangenen Jahren. Dazu kommen noch knapp 6000 Euro für das Rittermahl. Eigentlich wollte der MPS-Chef 40000 Euro Fördergelder von der Stadt. Im Januar hat er ein Konzept präsentiert, das auch die B28 und die Gutermann-Grundschule mit einbezogen hätte. Das war dem Gemeinderat aber zu viel Geld. Im Juni wird sich dann zeigen, ob der Plan mit der historischen Kulisse aufgeht.

Das Wichtigste in Kürze

Die Ritterspiele finden vom 16. bis 18. Juni statt. Der Freitagabend bleibt traditionell der „Horber Abend“ mit freiem Eintritt. Das Gelände ist in diesem Jahr kleiner, dafür kompakter. Der Festplatz wird nicht mehr bespielt. Dafür der Marktplatz, auf dem die Ritterturniere stattfinden. Während der Turniere ist er abgesperrt, ansonsten frei betretbar. Für das Gelände unten in der Stadt muss Eintritt gezahlt werden. Die Preise wer den im Vergleich zu 2016 nicht erhöht. Der Wegezoll für Personen ab zwölf Jahren beträgt 13 Euro, im mittelalterlichen Gewand 10 Euro.