Regisseurin aus Lützenhardt
: Rote Sessel statt rotem Teppich – „Herzensmütter“ feiert Premiere

Regisseurin Olivia Denner (27) aus Lützenhardt blickte gespannt auf die Premiere ihres ersten Dokumentarfilms, der ihr und ihrer Studienkollegin Susanne Rebholz eine Bestnote beschert.
Von
NC
Lützenhardt (Waldachtal)
Jetzt in der App anhören
Bei der Filmpremiere ganz vorne: Die beiden Regisseurinnen Olivia Denner (links) und Susanne Rebholz (rechts).

Bei der Filmpremiere ganz vorne: Die beiden Regisseurinnen Olivia Denner (links) und Susanne Rebholz (rechts).

privat
  • Premiere des Films „Herzensmütter“ von Olivia Denner und Susanne Rebholz in Tübingen.
  • Dokumentarfilm zeigt drei Mütter, die schwere Entscheidungen aus Liebe zu ihren Kindern trafen.
  • Themen: Flucht, schwierige Diagnosen, Pflegekinder – mit ehrlichen, emotionalen Einblicken.
  • Entstehung: Über ein Jahr Arbeit, Bestnote 1,0 im Masterprojekt, Premiere im Museum-Lichtspielhaus.
  • Olivia Denner sammelte Erfahrung bei SWR und Stuttgarter Zeitung, neues Projekt im Herbst.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wie definiert sich eine Mutter, wie definiert die Gesellschaft eine Mutter? Wie unterscheiden sich Mütter in unterschiedlichen Kulturen und Lebenssituationen? Olivia Denner aus Lützenhardt hat sich dieses Themas angenommen und als Autorin und Regisseurin zusammen mit ihrer Projektpartnerin Susanne Rebholz aus Sigmaringendorf einen 60-minütigen Film produziert. Sein Name: „Herzensmütter“. Jetzt feierte dieser Film Premiere auf großer Kinoleinwand – im legendären Museum-Lichtspielhaus in Tübingen, dort, wo in aller Regel die Blockbuster aus Hollywood das Publikum ebenso begeistern wie Art-House-Filme.

„Ich war schon ein wenig aufgeregt“, gesteht die 27-Jährige. „Ich kannte den Film zwar in- und auswendig, wir hatten ja die Interviews geführt, gefilmt und beim Schneiden dann alle Szenen zigmal gesehen. Wie der Film aber im Kino wirken wird, auf uns und vor allem das Publikum, das wussten wir vorher nicht.“ Entsprechend gespannt waren sie natürlich auf die Reaktionen, insbesondere ihrer Bekannten, Freunde und Familie, die zum ersten Mal die Filmdokumentation zu sehen bekamen. Und die waren durchweg positiv.

Nach ihrem Abitur am Gymnasium Dornstetten absolvierte Olivia Denner ein Freiwilliges Soziales Jahr als Schulbegleiterin an der Gemeinschaftsschule Schopfloch-Waldachtal, um danach an der Universität Tübingen Medienwissenschaften sowie Germanistik zu studieren. Ihren Bachelor schloss sie bereits 2021 ab mit einer Studienarbeit über die Nutzungsmotive von Scripted-Reality-Formaten im Privatfernsehen.

Auf ihren Bachelor setzte Olivia Denner noch ein Masterstudium. Mit dem Film als Abschlussprojekt, das ihr und ihrer Kommilitonin die Bestnote 1,0 bescherte. Schon das ein unglaublicher Erfolg. Der Aufwand war allerdings auch groß, inhaltlich wie zeitlich. „Wir brauchten ein Thema, wir brauchten Equipment und wir brauchten Support“, sagt die angehende Journalistin, die im Herbst die Redaktion der „Stuttgarter Zeitung“ verstärken wird. Aber es klappte alles. „Wir blieben beharrlich dran.“ Über ein Jahr arbeiteten die beiden Regisseurinnen an ihrem Erstlingswerk.

Im Mittelpunkt des Filmes stehen drei Frauen, die aus Liebe zu ihren Kindern schwere Entscheidungen treffen mussten. Da ist zum Beispiel eine Mutter aus Afghanistan, die zunächst ohne ihre Familie vor den Taliban aus Afghanistan geflüchtet ist, um als Frau in Freiheit zu leben – und ihren Kindern dadurch eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Eine andere Mutter bekam während ihrer Schwangerschaft eine schwere Diagnose gestellt und musste sich zwischen einer Operation, Abtreibung oder abzuwarten entscheiden. Die dritte Mutter hat zusätzlich zu ihren eigenen Kindern Pflegekinder aufgenommen, um ihnen ein Zuhause zu schenken.

Mehr Anerkennung für Mütter

„Die Idee unseres Dokumentarfilms basiert auf dem Wunsch, den Müttern in unserer Gesellschaft mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Unsere Recherche vermittelte uns das Gefühl, dass Mütter oftmals nicht genug wertgeschätzt und eher als selbstverständlich angesehen werden“, so die beiden Filmemacherinnen in einer wissenschaftlichen Beschreibung des Projekts.

Was Olivia Denner und Susanne Rebholz besonders bewegte: wie offen und ehrlich sich die Frauen vor der Kamera über ihr Leben, ihren Alltag und ihre Familien äußerten. „Wir waren sehr darum bemüht, dass die Frauen mit eigener Stimme sprechen konnten. Wir wollten ihnen die Möglichkeit geben, ihr Leben zu zeigen.“ Dabei entstanden zum Teil sehr persönliche und emotionale Momente. Entsprechend dankbar sind die beiden Regisseurinnen. „Das ist nicht selbstverständlich, es zeigt aber, welche vertrauensvolle, geradezu persönliche, intime Atmosphäre zwischen uns herrschte.“

In erster Linie gehört dazu ein Tag im April 2024. Am Flughafen München landet eine Maschine, an Bord die Familie der afghanischen Mutter. Zwei Jahre lebte sie von ihren zwei Kindern und ihrem Mann getrennt, jetzt können sie sich wieder in die Arme schließen. Tränen fließen, die Wiedersehensfreude ist unfassbar groß. Olivia Denner und Susanne Rebholz hielten diese Szenen im Film fest. Keine einfache Aufgabe. Denn es bedurfte einer Drehgenehmigung, dazu kam die kurzfristige Anreise, die Dreharbeiten im Wartebereich inmitten vieler Menschen: „Wir mussten die ganze Zeit bereit sein, um den richtigen Moment nicht zu verpassen, als die Familie wieder aufeinandertrifft.“ Es gelang.

Nicht die einzige Dokumentation

„Herzensmütter“ ist nicht die einzige Filmdokumentation Olivia Denners. Während ihres Studiums sammelte sie sowohl in privaten Produktionsfirmen als auch beim „SWR“ erste Berufserfahrung. In Reutlingen entstand so ein Film in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe. Für die Landesschau im „SWR“-Fernsehen war sie rund um Stuttgart unterwegs, unter anderem im veganen Restaurant des früheren VFB-Torhüters Timo Hildenbrand. Ferner arbeitete sie bei der „Stuttgarter Zeitung“ an einem Video- und Film-Projekt in Kooperation mit dem Stadtarchiv Stuttgart, hierbei geht es um die historische Aufarbeitung der NS-Zeit.