Region Nordschwarzwald: IHK veröffentlicht Konjunkturbericht: Warten auf den Aufschwung

Die IHK im Nordschwarzwald hat ihren Konjunkturbericht veröffentlicht.
Martin Schutt/dpa- Nordschwarzwald-IHK-Bericht: Wirtschaft leidet seit drei Jahren, aber Optimismus wächst.
- Industrie erholt sich langsam; 24% der Unternehmen erwarten steigende Auftragseingänge.
- Regionale Geschäftslage: 17% gut, 61% befriedigend, 22% schlecht.
- Große Erwartungen an die Politik: Bürokratieabbau und Investitionen gefordert.
- Hauptsorgen: Inlandsnachfrage, Arbeitskosten, Energiepreise.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die regionale Wirtschaft leide noch immer unter der seit fast drei Jahren schlechter werdenden Geschäftslage. Das ist eine Kernbotschaft, die vom am Dienstag veröffentlichten Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald ausgeht. Doch es gebe Unterschiede zwischen den Branchen: „Die Industrie scheint sich nunmehr etwas zu erholen. Insgesamt steigen bei den hiesigen Unternehmen aller Branchen auch die positiven Erwartungen zu einer sich verbessernden Lage innerhalb der nächsten zwölf Monate“, heißt es in dem Bericht.
„Die aktuelle Lage ist weiterhin keine gute, die Erwartungen an die Politik sind groß und die Unternehmen schöpfen aber zunehmend wieder Mut“, wird IHK-Präsidentin Claudia Gläser aus Bildechingen zitiert. Für ihren Bericht hat die IHK nach eigenen Angaben von Mitte April bis Mitte Mai rund 300 regionale Unternehmen zu deren wirtschaftlichen Situation befragt.
Nur 17 Prozent der Unternehmen im Nordschwarzwald berichten demnach derzeit von einer guten Geschäftslage – verglichen mit 16 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der Unternehmen, die von einer befriedigenden Geschäftslage sprechen, sei mit 61 Prozent weiterhin hoch (Frühsommer 2024: 61 Prozent). 22 Prozent nehmen laut IHK eine schlechte Geschäftslage wahr.
Hoffnung für Jahreswechsel 2025/26
„Insofern ist die Lage weiterhin sehr ernst, denn die Werte sind vor dem Hintergrund der letzten Jahre relativ zu sehen“, wird IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub in der Mitteilung zitiert. „Einige Unternehmen gaben bereits bei den letzten Erhebungen an, dass die Geschäftslage schlecht oder nur befriedigend sei.“ Traub: „Es gibt kleine, aber sichtbare Anzeichen für Verbesserungen. Das zeigt sich bei den sogenannten Früh-Indikatoren – also den Auftragseingängen und den Geschäftserwartungen.“
24 Prozent der Unternehmen erwarten laut des Berichts steigende Auftragseingänge. Das seien im Vorjahreszeitraum 11 Prozent gewesen. Weitere IHK-Zahlen: 43 Prozent erwarten eine gleichbleibende Auftragslage (Frühsommer 2024: 48 Prozent). Etwas weniger als 33 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Bei der Industrie zeige sich der Unterschied noch deutlicher – bei aktuell 24 Prozent mit steigender Auftragslage im Vergleich zu nur zehn Prozent im Frühsommer 2024.

IHK-Präsidentin Claudia Gläser.
Karl-Heinz Kuball (Archiv)25 Prozent der Unternehmen insgesamt gehen laut IHK von in den nächsten zwölf Monaten sich verbessernden Geschäften aus. Das seien fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. „57 Prozent sehen gleichbleibende Geschäfte, 18 Prozent erwarten eine Verschlechterung“, so die IHK. Dieser Wert lag demnach im Frühsommer 2024 noch bei 37 Prozent. Auch hier seien die Zahlen der Industrie mit 24, 68 und acht Prozent im Saldo sogar noch etwas besser.
„Die Region Nordschwarzwald ist eine produktionsstarke Wirtschaftsregion. Deshalb stimmen diese Zahlen und auch frische bundesdeutsche Zahlen zuversichtlich“, sagt IHK-Präsidentin Gläser. Vergangene Woche veröffentlichte das Statistische Bundesamt, dass im März 2025 die Bestellungen in der Industrie um 3,6 Prozent gemessen am Vormonat angezogen haben. „Gleichwohl muss man ob der internationalen Lage und möglichen Vorzieheffekten bei damals erwarteten neuen beziehungsweise steigenden Zöllen vorsichtig optimistisch bleiben“, sagt Gläser.
Hohe Erwartungen an Regierung
„Andere Zahlen zeigen einmal mehr, welch schwierigen Rahmenbedingungen die Unternehmen international und national ausgesetzt sind“, ergänzt Traub – nur 19 Prozent der hiesigen Unternehmen erwarten demnach steigende Exporte. Das seien im Vorjahreszeitraum noch 38 Prozent gewesen. Und nur weniger als neun Prozent gingen von zunehmenden Inlandsinvestitionen aus (Frühsommer 2024: 23 Prozent).
Traub: „Diese Zahlen zeigen nicht nur die weltpolitische Volatilität, sondern auch, dass es wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedingungen für Investitionen hierzulande braucht. Wir haben eine klare Erwartungshaltung an die schwarz-rote Bundesregierung.“
Die Bundesregierung müsse jetzt den angekündigten Kurswechsel kraftvoll umsetzen, fordert Gläser: „Positive Ansätze im Koalitionsvertrag, wie der geplante Abbau überbordender Bürokratie, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, steuerliche Erleichterungen sowie Investitionen in die Infrastruktur, können auch für den Nordschwarzwald wichtige Impulse setzen.“

Tanja Traub, Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald.
IHK Nordschwarzwald (Archiv)Weitere IHK-Zahlen: In der regionalen Konjunkturbefragung wurden mit der verhaltenen Inlandsnachfrage (71 Prozent), den gestiegenen Arbeitskosten (69 Prozent) und mit den Energiepreisen (52 Prozent) die drei größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens benannt. Sie bleiben damit die drei Top-Risiken von rund zehn Risikokategorien.
„Langfristig bezahlbare Energie zur Sicherung beziehungsweise Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Schaffung von Investitionsanreizen zur Standortstärkung – mit der Einführung degressiver Abschreibungsmöglichkeiten und der Senkung der Körperschaftssteuer – das sind nur einige der Maßnahmen, die wir bereits als IHK-Organisation klar an die neue Bundesregierung adressiert haben“, sagt Traub. Es brauche diesen politischen Kurswechsel, „damit aus der leicht gestiegenen Zuversicht unserer Unternehmen auch eine begründete wird, die Arbeitsplätze erhält und erfolgreiche Unternehmensnachfolgen im Mittelstand ermöglicht“.
So beurteilen einzelne Zweige die Geschäftslage
Verarbeitendes Gewerbe: 16 Prozent der Industrieunternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 14 Prozent), 59 von einer befriedigenden, 25 Prozent von einer schlechten. Die Werte des Vorjahres waren hier 51 beziehungsweise 36 Prozent.
Gastgewerbe: Im Tourismusgewerbe der Region trübte sich die Lage – nach guten Werten bei den vorherigen Erhebungen – in den letzten Monaten etwas ein: 36 Prozent bewerten die Geschäftslage als positiv (Vorjahreszeitraum: 50 Prozent), 29 Prozent sehen sie als befriedigend (Frühsommer 2024: 38 Prozent), nunmehr fast 36 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage.
Handel & Dienstleistungen: Und auch in diesem Bereich können die aktuellen Zahlen im Saldo nicht ganz mit denen des Vorjahres mithalten: 18 Prozent sehen eine gute Geschäftslage, 63 Prozent bewerten sie als befriedigend, 19 als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren 17, 72 und zehn Prozent.

