Pflegeeltern im Kreis Rottweil: „Da lag er – winzig klein, fünf Tage alt“

Susi und Rolf sind Pflegeeltern im Landkreis Rottweil. Sie berichten von ihren Erfahrungen.
Andi Schmider/Landkreis Rottweil- Susi und Rolf aus dem Kreis Rottweil wurden Pflegeeltern eines fünf Tage alten Babys.
- Sie hatten zunächst eine Adoption geplant, entschieden sich dann aber für ein Pflegekind.
- Pflegefamilie zu sein, bedeutet auch Kontakt zur leiblichen Mutter und gemeinsame Entscheidungen.
- Das Jugendamt begleitet und unterstützt Pflegefamilien eng während des Prozesses.
- Mit der Kampagne „Zuhause gesucht“ wirbt das Jugendamt Rottweil für neue Pflegefamilien.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Susi und Rolf wissen noch ganz genau, wie es war: „Es war ein Freitag, wir sind ins Krankenhaus gefahren – und da lag er, winzig klein, fünf Tage alt.“ Ein Neugeborenes, das nicht bei seiner leiblichen Mutter bleiben konnte. Ein Kind, das ein Zuhause brauchte. Und das in diesem Moment ihres wurde. Und das in diesem Moment ein Zuhause und eine Familie fand.
Dabei hatten Susi und Rolf (Nachnamen und Wohnort teilt das Landratsamt aus Datenschutzgründen nicht mit) ursprünglich einen anderen Plan. Als sie sich Nachwuchs wünschten und es auf natürlichem Weg nicht klappen wollte, riefen sie beim Jugendamt an, um sich über eine Adoption zu informieren. Dort bekamen sie eine ehrliche Auskunft: Adoption sei ein langer, manchmal schwieriger Weg – aber: „Wir suchen immer Pflegefamilien.“
An Pflegekinder hatten sie bis dahin keinen Gedanken verschwendet. Doch plötzlich schien genau das richtig. Rolf engagiert sich seit vielen Jahren als Jugendtrainer: „Ich hatte schon immer mit Kindern zu tun.“ Auch Susi war sofort offen für die Idee. Nach Gesprächen, Beratungen und etwas Bedenkzeit stand fest: Ja, wir möchten ein Pflegekind aufnehmen – idealerweise eines im Alter bis zu zwölf Jahren. Dass es am Ende ein Baby sein würde, damit hatten sie nicht gerechnet.
„Finn war sofort Teil unserer Familie“, sagt Susi heute. „Und trotzdem wussten wir von Anfang an: Pflegefamilie zu sein bedeutet auch, dass es noch eine leibliche Mutter gibt – und dass man diesen Platz mitbedenken muss.“ In ihrem Fall war die Mutter von Anfang an kooperativ. Es gibt einen sogenannten begleiteten Umgang, bei dem die leibliche Mutter ihr Kind regelmäßig sehen darf. Bestimmte Entscheidungen – etwa zur Gesundheit oder zu Schulwechseln – müssen gemeinsam abgestimmt werden. Das Jugendamt begleitet diesen Prozess eng und unterstützend.
Heute ist Finn fast erwachsen
„Wir haben uns immer gut beraten gefühlt“, sagt Rolf. „Und wir sind überzeugt: Wenn beide Partner dahinterstehen und sich gemeinsam entscheiden, dann kann man einem Kind wirklich eine gute Chance geben.“ Heute ist Finn fast erwachsen, und Rolf und Susi sind sich einig: „Das war die beste Entscheidung unseres Lebens.“
Weitere Informationen sowie die Adresse zur Kontaktaufnahme finden Interessierte unter www.landkreis-rottweil.de/pflegeeltern.
Kampagne „Zuhause gesucht“
Mit der Kampagne „Zuhause gesucht“ macht das Jugendamt des Landkreises Rottweil auf den Bedarf an neuen Pflegefamilien aufmerksam. Gesucht werden Menschen mit Herz, Geduld und der Bereitschaft, Kindern in schwierigen Lebenslagen ein Zuhause auf Zeit oder auf Dauer zu geben.
Wer sich wie Susi und Rolf vorstellen kann, ein Pflegekind aufzunehmen, kann sich unverbindlich beim Pflegekinderdienst des Landkreises Rottweil informieren. Gesucht werden Familien, Paare – oder auch Einzelpersonen – die bereit sind, sich auf diese besondere Aufgabe einzulassen.
