Neuer Horber Kulturmanager: Sven Gnass
: Der Horber Taktgeber

Wenn eine Personalentscheidung nicht nur eine Lücke füllt, sondern ein langjähriges Versprechen an die Stadt einlöst, dann lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zwischentöne.
Kommentar von
Michael Stock
Horb
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(ohne Überschrift): Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Sven Gnass Horb 7.7.2015.Bild: Kuball

Der richtige Ton: Für Sven Gnass ist der Taktstock ein Werkzeug der Verbindung.

Karl-Heinz Kuball (Archiv)

Manchmal gibt es Personalentscheidungen im Rathaus, die sich weniger nach Aktenstaub und mehr nach einem gut gestimmten Akkord anfühlen. Dass Sven Gnass nun offiziell das Kulturmanagement der Stadt Horb übernimmt, während er gleichzeitig die Musikschule weiterführt, ist so ein Fall. Es ist eine Entscheidung, die nicht nur von Verwaltungskalkül zeugt, sondern von einem tiefen Verständnis dafür, was diese Stadt im Kern zusammenhält.

Wer Gnass schon erlebt hat, weiß: Hier ist kein Verwalter am Werk, sondern ein Ermöglicher. Er ist einer, der den Spagat zwischen der Weltbühne – man denke an Solisten wie Benedict Klöckner und die John-Cranko-Schule – und der hiesigen Stiftskirche mit einer Leichtigkeit meistert, die man in der oft so ernsten Kulturbranche selten findet. Gnass’ Credo, dass „Provinz“ kein Ort, sondern eine Frage der Qualität ist, hat Horb gutgetan. Es hat das Selbstbewusstsein einer Stadt gestärkt.

Das Besondere an dieser Personalie ist jedoch die menschliche Komponente. In einer Zeit, in der sich Kultur oft in Elfenbeintürme zurückzieht oder zur bloßen Event-Hülse verkommt, setzt Gnass auf das „Ganzheitliche“. Wenn er Michael Theurer als Erzähler für den „Karneval der Tiere“ gewinnt, um über die geopolitische Lage zu reflektieren, dann ist das kein billiger PR-Gag. Es ist der Versuch, Kunst als Resonanzraum für unsere Sorgen und Hoffnungen zu nutzen. Gnass zeigt hier eine Feinfühligkeit, die man in Führungspositionen oft vermisst: Er hört hin, er versteht sein Gegenüber und er begreift sich selbst als lebenslang Lernenden, der jeden Tag aufs Neue verstehen will, was die Menschen bewegt.

Agieren auf Augenhöhe

Es ist diese Mischung aus professioneller Akribie und einer zutiefst gewinnenden, netten Art, die ihn zum idealen Partner für die hiesige Künstlerschaft macht. Er agiert nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe – als ein Dirigent, der weiß, dass das schönste Forte nur durch das Zusammenspiel aller Beteiligten entsteht. Dass er dabei betont, Kultur dürfe auch unterhalten und heiter sein, ist die wohl wichtigste Botschaft. Er öffnet die Türen der Stiftskirche bei freiem Eintritt nicht aus Gefälligkeit, sondern aus der Überzeugung heraus, dass Kultur ein Grundnahrungsmittel für alle sein muss, kein Luxusgut für Wenige.

Horb hat nun einen Kulturmanager, der nicht nur weiß, wie man einen Haushaltsplan liest, sondern auch, wie man die Seele einer Stadt zum Schwingen bringt. Man darf gespannt sein, welche Metamorphosen Sven Gnass noch anstoßen wird. Ein Glücksfall für die Stadt – und ein Versprechen für die Zukunft.