Obdachlosigkeit im Kreis Rottweil
: Neue Fachstelle – damit die Leute nicht auf der Straße landen

Vier Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter kümmern sich im Kreis Rottweil darum, dass die Menschen in ihren Wohnungen bleiben können.
Von
NC
Kreis Rottweil
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Der Leiter der Spittelmühle Alexander Schiem (von links) mit dem Team der neuen Fachstelle: Hélène Marcel, Mariapalma Franza, Isabel Mayer und Patrick Münch.

Der Leiter der Spittelmühle Alexander Schiem (von links) mit dem Team der neuen Fachstelle: Hélène Marcel, Mariapalma Franza, Isabel Mayer und Patrick Münch.

Moni Marcel
  • Neue Fachstelle zur Wohnungssicherung im Kreis Rottweil soll Obdachlosigkeit verhindern.
  • Vier Fachkräfte helfen, Mietprobleme zu lösen, Streit zu schlichten und Anträge auszufüllen.
  • Über eine Million Menschen in Deutschland waren 2024 obdachlos – 26 % davon Kinder und Jugendliche.
  • Hauptgründe: steigende Armut, fehlender Wohnraum, hohe Miet- und Energiepreise.
  • Fachstelle in der Suppengasse 2 in Rottweil, erreichbar per Telefon, E-Mail oder nach Absprache.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wie schwer es ist, Menschen von der Straße wieder in ein normales Leben mit Wohnung und Job zurückzubringen, davon kann das Team der Rottweiler AWO schon lange ein Lied singen. Nun gibt es – gefördert mit Geldern vom Land – die Fachstelle zur Wohnungssicherung im Landkreis Rottweil. Und dort sorgen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter dafür, dass die Menschen in ihrer Wohnung bleiben können. „Es ist besser, wenn das Kind gar nicht erst in den Brunnen fällt“, beschreibt es Alexander Schiem, Chef der Spittelmühle. Denn so werde nicht nur das Leid für die Betroffenen verhindert, sondern auch ziemlich viel Geld gespart, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mit der neuen Stelle ist der Kreis Rottweil ein Modellprojekt – eines von fünf in Baden-Württemberg. Und dies mit großem Potenzial, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brächten viel Erfahrung mit. Dies sei auch einer der Gründe, warum man sich entschieden habe, die Stelle auf Isabel Mayer, Mariapalma Franza, Hélène Marcel und Patrick Münch zu verteilen, statt jemand neues einzustellen. „Ein Team kommt weiter als ein Einzelkämpfer“, ist Alexander Schiem überzeugt. Und mehr Ideen habe es zudem. Alle vier kennen sich nicht nur gut aus, sondern seien bestens mit anderen Behörden und Hilfsangeboten vernetzt. Sie könnten helfen, die nötigen Anträge auszufüllen, wenn es am Geld für die Miete fehlt, kennen viele der Vermieter, könnten im Streitfall schlichten, vermitteln aber auch weiter, wenn es beispielsweise um psychische Probleme geht.

Isabel Mayer kümmerte sich kürzlich um eine Frau, die drohte, wegen ihrer Messi-Wohnung auf der Straße zu landen. „Wir haben mit ambulanten Hilfen dafür gesorgt, dass sie in der Wohnung bleiben konnte“, und diese natürlich auch in Ordnung gebracht wurde. Hilfe in solchen Fällen geben die Sozialarbeitenden außerdem, damit die Wohnung nicht gleich wieder vermüllt. „Da müssen wir immer wieder nachhaken, damit die Probleme nicht wieder von vorne anfangen.“

Die vier Fachleute träten auch mal den gesetzlichen Betreuern der Menschen auf die Zehen, wenn diese sich nicht kümmerten, und sie ständen im engen Kontakt zu den Behörden, heißt es in der Mitteilung weiter. Jobcenter, Arbeitsagentur oder auch die Gerichte seien Frühwarnsysteme, sie schalten die Fachstelle ein, wenn jemandem eine Räumungsklage – also Wohnungslosigkeit – droht. So lasse sich oft das Schlimmste verhindern.

Über eine Million Menschen in Deutschland sind obdachlos

Wie nötig diese Arbeit sei, das zeigten auch aktuelle Zahlen: Demnach waren über eine Million Menschen 2024 in Deutschland obdachlos, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. 26 Prozent davon waren Kinder und Jugendliche. Die Zahl derjenigen, die in staatlichen Unterkünften lebten, stieg um 12  Prozent. Die Gründe dafür nennt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosigkeit (BAG W) auch: Die Armut steige und bezahlbarer Wohnraum werde weniger. So machten die steigenden Miet- und Energiepreise immer mehr Menschen zu schaffen, Trennung oder Scheidung führten immer häufiger dazu, dass Leute auf der Straße landen.

Darum warnt die BAG W vor einem weiteren Anstieg der Wohnungslosenzahlen: „Die Wohnungslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland hat einen Höchststand erreicht, und ein Ende ist nicht in Sicht“, sagt Vorsitzende Susanne Hahmann. „Die Ursachen sind bekannt: zu wenig bezahlbarer Wohnraum, Armut und drohende Kürzungen im sozialen Sicherungssystem. Wenn Politik und Gesellschaft nicht entschieden gegensteuern, werden noch mehr Menschen ihr Zuhause verlieren.“ Mit der neuen Fachstelle soll es nun zumindest im Landkreis Rottweil eine Möglichkeit geben, dies zu verhindern.

Wie ist die Fachstelle zu erreichen?

Die Fachstelle zur Wohnungssicherung im Landkreis ist in der Suppengasse 2 in Rottweil, über der Wärmestube, zu finden. Sie ist montags von 13 bis 15 Uhr sowie dienstags bis freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr geöffnet. Telefonisch erreichbar ist sie unter (0741) 28007198, unter dieser Nummer ist auch ein Anrufbeantworter geschaltet. Die E-Mail-Adresse lautet:  fachstelle@spittelmuehle.de. Termine sind nach Absprache auch außerhalb der Sprechzeiten möglich, ebenso Hausbesuche. Weitere Informationen gibt es hier: www.awo-rottweil.de.