Nagold: Tod von Wolfgang Schäuble: „Großer Politiker hat uns verlassen“

Archivbild: Karl-Heinz Kuball
Nicht gesetztSchäuble zeigte sich damals unterhaltsam, trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. „Demokratie ist eine Veranstaltung von uns allen“, sagte er dabei etwa und mahnte, bei der Flüchtlingsaufnahme das richtige Maß zu finden: „Wir können nur in einer offenen Gesellschaft friedlich leben.“ Andere Anekdote: Ex-Kanzler Ludwig Erhard habe in den 60er-Jahren dicke Zigarren geraucht, um zu signalisieren, dass es in den Nachkriegsjahren bergauf gehe. „Wirtschaftspolitik ist zu 50 Prozent Psychologie“, sagte Schäuble.
Als Dank gab es eine Kiste Hochdorfer Bier für den gebürtigen Freiburger. Nun bleibt nur die Erinnerung an einen besonderen Politiker, der auch als Innenminister, Parteichef und Bundestagspräsident wirkte: Schäuble starb am Dienstag im Alter von 81 Jahren.
„Ein großer Politiker hat uns verlassen“, sagt Klaus Mack, CDU-Parteifreund und Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Calw/Freudenstadt. Wenn Schäuble, der nach einem Attentat 1990 im Rollstuhl saß, in der Fraktion sprach, sei es mucksmäuschenstill gewesen: „Er hat nicht nur geredet, er hatte etwas zu sagen. Seine langjährige Erfahrung, seine scharfe politische Analyse und sein Lebenswerk werden uns allen in guter Erinnerung bleiben“, so Mack.
Bei der Gestaltung der Deutschen Einheit hat er sich große Verdienste erworben. Bis zuletzt arbeitete er als Bundestagsabgeordneter. „Sein Wahlkreis Offenburg ist mein Nachbarwahlkreis“, sagt Mack, der sich vom Tod Schäubles „sehr betroffen“ zeigte.