Nachruf: Trauer in Sulz um den Firmengründer und Visionär Volker Bertram

Der Unternehmer und Firmengründer Volker Bertram ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
Marian Burkardt (BURKart Fotografie)Volker Bertram war ein Tüftler, Pionier und Visionär: 1981 gründete er die Firma VBM Medizintechnik in Sulz. Aus kleinen Anfängen entwickelte sie sich zu einem weltweit ausgerichteten Unternehmen mit heute rund 180 Mitarbeitenden. Volker Bertram starb am Sonntag im Alter von 84 Jahren. Mit ihm verliert die Stadt nicht nur eine große Unternehmerpersönlichkeit, sondern auch einen heimatverbundenen Förderer.
Das Cuffdruckmessgerät war das erste Produkt, mit dem Volker Bertram sein Unternehmen in der Brühlstraße in Sulz aufbaute. Als er 1981 VBM Medizintechnik gründete, befand er sich noch in England, wo er für ein Medizintechnik-Unternehmen im Außenhandel tätig war. Eine Anekdote erzählte er besonders gern – stets mit einem Schmunzeln: Bei seinem Einstellungsgespräch in England reichten seine Medizinkenntnisse aus dem Erste-Hilfe-Kurs offenbar aus, um die Stelle zu bekommen. Was damals mit einem Augenzwinkern begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu fundiertem Fachwissen. Durch zahlreiche Fortbildungen und dem engen Austausch mit Ärztinnen und Ärzten erarbeitete er sich umfassende medizinische Kenntnisse.
Mut, Risikobereitschaft und viel Glück
Die Firmengründung hatte Volker Bertram schon mit Unterstützung seiner Ehefrau vollzogen. 1980 hat er seine Frau Marie in Brünn, damals Teil der Tschechoslowakei, geheiratet, die selbst im Außenhandel tätig war. Mit ihrem großen Engagement unterstützte sie seine Arbeit und den Aufbau des Unternehmens über viele Jahre hinweg. Was dazu gehörte, waren Mut und Risikobereitschaft, aber auch eine Portion Glück. Gerade in der Anfangszeit galt es, sich gegen etliche Widerstände durchzusetzen.
In Fahrt kam die Firma ab 1983. Einige Jahre später wurden die ersten Mitarbeiter und Lehrlinge eingestellt. 1989 zog VBM in das neu errichtete Gebäude im Sulzer Gewerbegebiet Kastell. Wie schnell die Firma wuchs, wurde bald äußerlich sichtbar. Im Abstand von nur wenigen Jahren folgte eine Erweiterung nach der anderen, insgesamt sind es bis heute zehn Anbauten und zwei dazu gekaufte Gebäude. Das spiegelt den Erfolg wider, zeigt aber auch den Druck als mittelständische Firma, sich ständig weiterzuentwickeln. Nach dem Cuffdruckmessgerät folgten weitere erfolgreich auf dem Markt eingeführte medizintechnische Produkte. 70 Prozent der VBM-Produkte gehen heute in den Export. Als Unternehmer pflegte Volker Bertram gute Kontakte mit seinen ausländischen Geschäftspartnern. Der persönliche Austausch war ihm sehr wichtig.
Als Tüftler suchte er permanent nach Verbesserungsmöglichkeiten.
Die Auswirkungen eines Skandals
Der Brustimplantate-Skandal eines französischen Herstellers hatte dann aber weitreichende Auswirkungen für die gesamte Medizintechnik-Branche. Zunehmende Qualitätskontrollen und unzählige Vorschriften waren die Folgen. Das erschwert bis heute die Platzierung von Neuheiten auf dem Markt ganz erheblich. Seinen Ärger und Unmut darüber konnte Bertram nicht verhehlen. Das ließ er auch die Politiker wissen, die immer wieder zu Firmenbesuchen kamen.
2016 wurden seine Töchter Gitta und Carina Gesellschafterinnen des Unternehmens, Carina Bertram stieg in die Geschäftsführung ein, und sie sicherten somit die Unternehmensnachfolge. Volker Bertram ließ es zwar etwas ruhiger angehen, doch bis zuletzt kam er weiterhin täglich in die Firma und beschäftigte sich mit Projekten.
Ein hervorragender Fußballer
Geboren wurde der Unternehmer am 15. Juli 1942 in Stendal in der Altmark. Ende des Kriegs kam er mit seinen Eltern nach Sulz, wo er die Volksschule besuchte und anschließend bei den Steeb-Werken eine Lehre als Industrie-Kaufmann begann. Nach der Bundeswehr arbeitete er zunächst bei „Heckler & Koch“ in Oberndorf und besuchte dann, weil er im Export tätig sein wollte, eine Sprachschule in England. Nach dem Tod seines Vaters entschloss er sich zu einem Karrierewechsel. Er übernahm nach einer kurzen Lehrzeit in der Fischhalle in Ludwigsburg und bei einem Fischgeschäft in Wangerooge die Firma Oskar Bertram. Zum Fischverkauf und den Spirituosen im Laden gehörte damals noch eine Eisdiele, die sich großer Beliebtheit erfreute und bis heute einen festen Platz in den Erinnerungen der Sulzer hat.

Gerne spielte Volker Bertram (vorne rechts) Schach.
PrivatVolker Bertram war ein hervorragender, leidenschaftlicher Fußballer. Das brachte ihm den Beinamen „Pele“ ein, mit dem er auch in der Sulzer Partnerstadt Montendre in bester Erinnerung blieb. Sein Heimatverein war natürlich der VfR Sulz. Später trainierte er unter anderem die TuS Dornhan, den VfR Schwenningen und den ASV Horb. Wohin es ihn auch verschlug, spielte er Fußball. Sogar während der Bundeswehrzeit in Jever, oder in England ließ ihn der Fußball nicht los.
Ausgezeichnet mit der Bürgermedaille
2013 ist Volker Betram für seine Verdienste als Unternehmer und Arbeitgeber, aber auch als Förderer der Kunst und Kultur in Sulz mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden. Er interessierte sich für die Heimatgeschichte, besonders für den in Sulz gebürtigen Orientmaler Gustav Bauernfeind. In den vergangenen 30 Jahren hat er gemeinsam mit Peter Vosseler und Richard Weinzierl die Pionierarbeit von Hugo Schmid fortgesetzt, viele Bilder für das Bauernfeind-Museum ausfindig gemacht und nach Sulz gebracht. Sein großer Wunsch war ein Kulturhaus in Sulz, um darin das Bauernfeind-Museum und ein Stadtmuseum unterzubringen. Das sah er gleichzeitig als lebendigen Treffpunkt an, der die Innenstadt beleben könnte. Zusammen mit seinen Töchtern gründete er 2021 die gemeinnützige Stiftung Kulturlabor, die sich für eine lebendige Gesellschaft engagiert und kulturelle Projekte fördert. Gern kam er zu den Veranstaltungen in die Halle 16.
Wegen seines langjährigen Herzleidens musste Volker Bertram ins Krankenhaus gebracht werden. Dort starb er am vergangenen Sonntag im Kreise seiner Familie. Um ihn trauern nicht nur seine Frau und die beiden Töchter, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seiner Firma sowie viele Freunde. Weltweit genoss der Sulzer Unternehmer ein hohes Ansehen, wie die zahlreichen internationalen Kondolenzschreiben zeigen.
