Nachruf: Hans Peter Müller aus Empfingen war ein unabhängiger Freigeist

So kannte man Hans Peter Müller, wenn er mal nicht historische Werke wälzte. Mit Fahrrad und umgehängter Leinentasche.
Privat/Familie- Historiker Hans Peter Müller aus Empfingen verstarb unerwartet am 21. Juli im Alter von 75 Jahren.
- Müller war Experte für Regionalgeschichte, Ortsadel und jüdische Geschichte rund um Horb.
- Er forschte oft ehrenamtlich und war Mitautor zahlreicher Heimatbücher und Chroniken.
- Seine Weggefährten loben seine Bescheidenheit, sein Fachwissen und seinen Humor.
- Die Beisetzung findet am 15. August um 13.30 Uhr im Ruhewald Nordstetten statt.
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So kannte man ihn nicht nur in seinem Heimartort Empfingen: Das Fahrrad bepackt mit Taschen radelte er zu Rathäusern oder Forscherkollegen oder ging mit der Leinentasche am Lenker einkaufen. Mit seinen im Fahrtwind wehenden lockigen Haaren und dem markanten Schnauzer erkannte man ihn schon von weitem. War das Wetter fürs Radfahren zu schlecht, nahm er öffentliche Verkehrsmittel. Hans Peter Müller war ein bescheidener Mensch. Der Einser-Abiturient mit Auszeichnung hatte materiellen Dingen abgeschworen. Die Orts- und Staatsarchive waren seine Welt, da fühlte er sich zu Hause.
Er war Mitautor in vielen Heimatbüchern und Chroniken, forschte zu 1200-Jahr Feiern, zur Stadtgeschichte von Horb und Oberndorf und dem Ortsadel in der Region, etwa Rexingen, Nordstetten, Empfingen, Wiesenstetten, Fischingen, Baisingen, Hemmendorf oder Bildechingen. Darüber hinaus lieferte er Beiträge zur jüdischen Geschichte in Horb und den umliegenden Landgemeinden.
Regelmäßig kam er zu Archivtreffen nach Rexingen, Horb und Nordstetten und zum Arbeitskreis „Familiengeschichte heute“ nach Dornstetten. Dort unterstützte er bereitwillig andere Forscher und gab auch Kommentare zu Veröffentlichungen ab. Auch der Träger- und Förderverein „Ehemalige Synagoge Rexingen“ verdankt ihm viele Hinweise auf die jüdische Geschichte in der Region.
Arbeit ohne Lohn
Hans Peter Müller tat sich schwer, für seine Forschungsarbeiten einen gerechten Lohn zu verlangen. Lieber schaffte er umsonst. Der frühere Empfinger Bürgermeister Albert Schindler erinnert sich an einen bescheidenen Menschen mit einem sehr profunden historischen Wissen, der häufig für Gottes Lohn schaffte. Mit dem (mittlerweile verstorbenen) Empfinger Heimatforscher Günther Reich war er häufiger Gast in den Staatsarchiven Sigmaringen und Stuttgart.
Sein Forscherfreund aus Villingen-Schwenningen, Wilfried Steinhart, hatte ihm mal zwei Fahrräder vermacht.
Andrea Dettling, Familienforscherin aus Mühlen und in Gärtringen wohnhaft und unter anderem Vorsitzende des Vereins „Ehemalige Synagoge Rexingen“, war Hans Peter Müller seit vielen Jahren in der Forschung und freundschaftlich eng verbunden. Zusammen mit seinen Geschwistern Carmen und Michael kümmerte sie sich um ihn, als er – von Krankheiten geschwächt – seinen Alltag nicht mehr alleine bewältigen konnte. Über viele Jahre kam er jede Woche freitags mit seinem Fahrrad von Empfingen ins Rexinger Rathaus, um mit dem Archivteam zusammen für das Heimatbuchprojekt zu recherchieren und zu schreiben.
Wie ein Aufbaustudium in Geschichte
„Ich verdanke ihm sehr viel, es war wie ein Aufbaustudium in Geschichte. Er lehrte mich, welche Akten man in einem Ortsarchiv finden kann, zeigte mir, wie man in den Staatsarchiven forscht und wie man alte Schriften liest“, blickt Dettling auf die ersten Jahre der Zusammenarbeit zurück. „Als Freigeist liebte er seine Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit, seine Forschungen führten ihn in die ganze Region Oberer Neckar“, erzählt Dettling, der auch sein besonderer Humor in Erinnerung bleiben wird. „Wir haben nicht nur den besten Lokalhistoriker der Region Rottenburg-Zollern-Alb-Horb-Freudenstadt verloren, sondern einen besonderen Forscherfreund“, bedauert Dettling den Verlust von Müller.
Hans Peter Müller, geboren am 23. September 1947, war das erste Kind von Olga und Hans Müller. Die Geburt zog sich hin. Als die hochschwangere Mutter beim Horber Spital zur Entbindung anklopfte, hieß es von der Schwester: „Wir sind voll.“ So kam der Junge zu Hause auf die Welt, ebenso wie die Geschwister Carmen und Michael. Nach der Hauptschule in seinem Heimatort machte er auf dem Gymnasium in Sulz die Mittlere Reife. Mit dem Fahrrad radelte er nach Fischingen hinunter, dann ging es weiter mit der Bahn nach Sulz. Sein Abitur baute er auf dem Gymnasium Horb, ehe er in Tübingen Deutsch, Geschichte und Politik studierte. Hans Peter Müller zog es nie über die Region, in der er aufgewachsen war, hinaus. Die Bundeswehrzeit mit der zweijährigen Verpflichtung in Münsingen war da für den heimatverbundenen Müller schon ein großer Schritt. Zeitlebens wohnte er im elterlichen Haus in Empfingen, wo er am 21. Juli verstarb.
Stütze und Ratgeber
Für Dr. Karoline Adler vom Stadtarchiv Horb war HP, wie sie ihn nannten, eine Institution. „Sein historisches Fachwissen war enorm. Im Stadtbuch von 1997 hatte er den umfangreichsten und wichtigsten Teil der Stadtgeschichte übernommen. Kaum ein Heimatbuch in den letzten 40 Jahren listet nicht seinen Namen im Inhaltsverzeichnis auf“, würdigt die Stadtarchivarin. Dr. Ute Ströbele vom Landratsamt Freudenstadt hat Müller vor über 35 Jahren in der „Tübinger Landeskunde“ kennengelernt. „Wir werden ihn als Historiker, Kollegen und als Mensch vermissen.“
Für Joachim Lipp vom Kultur- und Museumsverein Horb, war Müller eine große Stütze und ein gewichtiger Ratgeber. Ohne ihn hätte es kein Horber Wappenbuch und auch nicht die erste Horber Stadtgeschichte gegeben. Im Horber Lotzer-Jahr 2025 hat man ihm zu verdanken, dass er die urkundlichen Nachweise dafür erbracht hat, dass die Lotzer nicht aus dem Dorf Laiz bei Sigmaringen kommen, sondern zu den ältesten Familien in Horb zählen, schreibt Lipp in seinem Nachruf.
Beerdigung im Ruhewald
Die Beerdigung ist am Freitag, 15. August, um 13.30 Uhr im Ruhewald Nordstetten.