Nach Unwetter: Netze BW plant bessere Stromversorgung für Burg Hohenzollern

Die Burg Hohenzollern erhält eine neue Stromnetzanbindung.
NCAuch historische Gebäude wie die Burg Hohenzollern kommen heutzutage nicht ohne moderne Versorgungstechnik aus, schreibt Netze BW in einer Pressemitteilung. Dabei müsse man jedoch behutsam vorgehen und die Bedeutung des Kulturdenkmals berücksichtigen. Das gelte auch für die nun notwendig gewordene neue Stromnetzanbindung des Stammsitzes des preußischen Königshauses und der Fürsten von Hohenzollern.
Das Unwetter in der vergangenen Woche hat auch vor der Burg Hohenzollern nicht Halt gemacht. Zurzeit läuft dort die Stromversorgung über ein Notstromaggregat. Die Netze BW baut nun zunächst die bisherige Stromversorgung über die Freileitung wieder auf. Diese wird dann nach Abschluss der im Folgenden beschriebenen Baumaßnahme durch neue moderne Erdkabel ersetzt. Damit kann ein durch Gewitter und Sturm verursachter Stromausfall auf der Burg in Zukunft ausgeschlossen werden.
Die Freileitung, über die die Burg Hohenzollern bislang mit Strom versorgt wird, ist in die Jahre gekommen und aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ist eine Wiederversorgung nach Störungen nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Deshalb hat die Netze BW nun zusammen mit den zuständigen Institutionen und Behörden Maßnahmen geplant und ausgearbeitet, um die Versorgung des Wahrzeichens fit für die Zukunft zu machen.
Roman Waizenegger, Bürgermeister der Gemeinde Bisingen, freut sich, dass das Stromnetz der Burg Hohenzollern jetzt nachhaltig erneuert wird: „Die bestehenden Stromleitungen sind bereits über 50 Jahre alt, da war eine Modernisierung der Anlagen jetzt wirklich erforderlich. Mit dem neuen Konzept der Netze BW sind die Einrichtungen auf der Burg nun auch in Zukunft sicher versorgt.“
Auch Anja Hoppe, Direktorin der Burg Hohenzollern, lobt in der Pressemitteilung das Vorhaben: „Als Verwaltung einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Deutschland wollen wir unseren Gästen ein unvergessliches Besichtigungserlebnis bieten. Das geht nur mit einer guten Stromversorgung“, sagt sie. Und weiter: „Deshalb sind wir froh, eine Lösung gefunden zu haben, die moderne Technik unter Berücksichtigung der Belange des Denkmalschutzes zu realisieren und das fast unsichtbar für die Besucher.“
Petrick Hammann, Projektleiter der Netze BW, erklärt: „Statt der alten Mittelspannungsfreileitung, die am dicht bewachsenen Südhang der Burg zu einer Umspannstation in der Burgmauer führt, wird nun eine zukunftsfähige und störungssichere Erdverkabelung - von Nordwesten kommend - errichtet.“ Er ergänzt: „Knapp eine Million Euro investieren wir in diese Modernisierung. Die Arbeiten dazu werden am Montag, 4. September, beginnen.“
Ablauf der Baumaßnahme
Die erarbeitete Lösung für die Verkabelung der Burg Hohenzollern sieht vor, eine neue Umspannstation und eine neue Schaltstation zu errichten sowie über eine Trassenlänge von etwa zwei Kilometern neue Mittel- und Niederspannungskabel zu verlegen. Der Startpunkt der Maßnahme soll bei dem Versorgungsgebäude der Bodensee-Wasserversorgung auf der Gemarkung Wessingen liegen. Dort wird laut Netze BW die neue Schaltstation zur Einbindung der neuen Erdkabel an das bestehende Stromnetz aufgestellt.
Das neue Mittelspannungssystem werde dann zunächst in offener Bauweise, entlang der Zufahrtsstraße zum Gebäude der Bodensee-Wasserversorgung und des Hackschnitzelwegs in die Erde gelegt. Die weitere Verlegung erfolge weitestgehend im Spülbohrverfahren, um das Gelände so wenig wie möglich zu belasten. Für dieses Verlegverfahren seien nur noch kleine Start- und Zielgruben notwendig. Die Spülbohrabschnitte verlaufen auf einer Länge von etwa 470 Metern von der Einmündung des südlich vom Hackschnitzelweg gelegenen Feldwegs in die Kreisstraße K 7110 bis zum Wanderparkplatz, danach auf etwa 340 Metern bis zum Parkplatz P2 und von dort noch einmal über 300 Meter bis zum Mitarbeiterparkplatz der Burg Hohenzollern. In diesem Bereich soll die neue Umspannstation errichtet werden, welche die bisherige Station im Bereich der Burgmauer der Gartenbastei ersetzt.
Der neue Standort der Umspannstation auf dem Mitarbeiterparkplatz habe im Störungsfall erhebliche Vorteile, da die Erreichbarkeit mit schwerem Gerät (Unimog und Notstromaggregat) deutlich erleichtert wird. Von dieser neuen Station werden neue Niederspannungskabel über zwei weitere Spülbohrungen mit den Längen von 230 Metern und 75 Metern bis zur Burgmauer gebracht. Eine Herausforderung stelle die Hochführung der Kabelsysteme an der Burgmauer und deren Einführung in den Bereich der Scharfeckbastei dar. Danach werden die Kabel dann wieder in offener Bauweise über die Gartenbastei bis zur derzeitigen Umspannstation verlegt und dort schließlich an das bestehende Stromnetz der Burg angeschlossen.
Ausführende Unternehmen sind die Firma Lorenz Bauunternehmung sowie für den Gerüstbau die Firma Jetter Firmengruppe. Die an der Burgmauer verlaufenden Kabel werden durch eine Kabelabdeckung geschützt, die von Flaschnerei Reiser hergestellt wird.
Wenn alles planmäßig verläuft, können die Arbeiten laut Mitteilung Anfang Dezember abgeschlossen werden.
Einschränkungen für Besucher
Baubedingt ist mit einigen Behinderungen und Einschränkungen während der einzelnen Bauphasen zu rechnen.
Beeinträchtigung der Nutzung des Hackschnitzelfußwegs entlang der Kreisstraße K7110 - ein alternativer Weg soll geschaffen werden.
Sperrung der Zufahrt zum Wegeflurstück 208 - ein Durchgang für Fußgänger soll gewährleistet werden.
Sperrung des Wanderparkplatzes während der dort durchgeführten Spülbohrungen.
Auf der Parkplatzfläche P2 erfolgt die Baustelleneinrichtung während der gesamten Maßnahme - diese Nutzung ist laut Netze BW mit der Burgverwaltung abgestimmt.
Sperrung des Mitarbeiterparkplatzes für die Anlieferung der Umspannstation in der Kalenderwoche 37 (11. bis 17. September). Zudem fallen dort während der Spülbohrungen zur Burgmauer Parkplätze weg.
Beeinträchtigungen des Fußweges zur Burg Hohenzollern ebenfalls während der Spülbohrungen zur Burgmauer.
Beeinträchtigung bei der Besichtigung der Burg Hohenzollern durch Grabarbeiten im Basteibereich. Um diese Behinderungen so gering wie möglich zu halten, werden diese Arbeiten in besuchsarmen Zeiten ausgeführt.
Die Netze BW bittet in ihrer Mitteilung alle Betroffenen um Verständnis für die Beeinträchtigungen.
Natur- und Denkmalschutz
Da das Vorhaben innerhalb des Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Gebiets „Gebiete zwischen Bisingen, Haigerloch und Rosenfeld“, des Vogelschutzgebiets „Südwestalb und Oberes Donautal“ sowie des Naturschutzgebietes „Zollernhalde“ liegt, wird fast ausschließlich das landschaftsschonende Spülbohrverfahren eingesetzt. Zudem muss zum Schutz der Vögel der Ausführungszeitraum außerhalb der Hauptbrutzeiten, also zwischen Mitte Juli und Februar, liegen.
Bei der Burg Hohenzollern handelt es sich um eine Kulturdenkmalfläche, weshalb mit archäologischen Funden im Bereich der Spülbohrgruben auf dem Burggelände und bei den Grabarbeiten in der Bastei zu rechnen ist. Aus diesem Grund werden die Arbeiten im Bereich der Burg Hohenzollern archäologisch begleitet.
Das Spülbohrverfahren
Mit einem kleinen Bohrkopf (Durchmesser zirka 15 Zentimeter) wird zuerst ein Pilotloch auf der einen Seite der zu unterquerenden Fläche gebohrt, erklärt die Netze BW. Dieser ist mit Sensoren versehen und gräbt sich ferngesteuert auf der Strecke, auf der später die Rohre verlaufen sollen, durch den Boden. Mit Hilfe eines elektromagnetischen Ortungssystems überprüft der Bohrmeister Richtung und Tiefe des Verlaufs. Das beim Bohren gelöste Erdreich wird per Wasserdruck herausgespült.
Dem Wasser ist laut Mitteilung umweltverträgliches Bentonit, ein feines mineralisches Lehmpulver, beigemischt. Dadurch diene es gleichzeitig als sogenannte Stützflüssigkeit, welche die Wände des Bohrkanals stabilisiert. Am Zielpunkt angekommen, wird der Bohrkopf durch einen größeren Aufweitkopf ausgetauscht. Mit ihm wird die Bohrung im Rückwärtsgang erweitert.
Falls nötig, wird dieser Vorgang mit immer größeren Aufweitköpfen so oft wiederholt, bis der Bohrkanal das erforderliche Maß erreicht hat. Mit dem letzten Durchgang werden Leerrohre aus Kunststoff eingezogen, durch die abschließend die neuen Erdkabel durchgeführt werden.