Musiktage: Mit Kindern für Kinder

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Nicht gesetztDie Horber Musiktage sind bekannt für außergewöhnliche Programme an würdigen Orten wie Kirchen und Schlössern. Beim Familienkonzert beschreitet Organisator Sven Gnass andere Wege. Für Nikolai Rimski Korsakows „Sheherazade“ wählte er ein Autohaus. Das Erzählkonzert „Paddington Bärs erstes Konzert“ am Mittwoch musste mit der Halle der Gutermann-Grundschule vorlieb nehmen. Sie liegt mitten in der Stadt und war der Zielgruppe des Konzerts gut bekannt, aber sie lässt jeglichen Charme vermissen. Die spröde Atmosphäre nahm der hervorragenden Aufführung das Feierliche. Das soll es an Kritik aber auch schon gewesen sein.
Mit Malte Arkona konnte Gnass erneut einen witzigen und fesselnden Erzähler engagieren. Am Mittwoch, er kam mit der Bläserklasse der Horber Musikschule in die Halle, begann er sogleich zu plappern. „Das ist die beste Bläserklasse der Welt. Rasten sie aus, jawohl“, forderte er die rund 300 Zuhörer auf. Auch junge Geigerinnen und Cellisten der Horber Musikschule bereicherten die Aufführung mit kurzen Passagen. Die jüngste war erst vier Jahre alt: Alexandra Komanova eifert ihrer vier Jahre älteren Schwester Alisiya auf der Violine nach. Mit Arkona sprechen wollte sie jedoch nicht. „Musst’ ja auch nicht mit jedem reden“, konstatierte dieser und nahm auf dem roten Sofa Platz.
Los ging’s mit der Geschichte von Paddington Bär. Mit einem Schild – „Bitte kümmern Sie sich um diesen Bären. Danke!“ – um den Hals sitzt der aus Peru kommende Teddy, dessen Markenzeichen Hut und Koffer sind, auf dem Bahnhof in Paddington. Familie Brown nimmt das knuffige Pelztier auf und benennt es nach dem Bahnhof, wo sie es fand. Der Bär freundet sich mit dem Antiquitätenhändler Gruber an, der in Paddington die Neugier auf klassische Musik weckt.
Da die Aufführung des 1984 von Herbert Chappell komponierten Erzählkonzerts um den Bären nur eine halbe Stunde lang ist, kombinierte Gnass es mit Ausschnitten aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. In dieser Suite parodierte der französische Komponist die Werke einiger Berufskollegen und beschrieb mit der Musik verschiedene Tiere. Das Werk wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Es bietet jedoch eine schöne Vorstellung verschiedener Instrumente und ihrer lautmalerischen Fähigkeiten. Zudem nimmt es Bezug auf andere Komponisten und eignet sich somit für eine kurzweilige Einführung in die klassische Musik. Zwei Klaviere und Streicher imitierten das Löwengebrüll durch schnelle auf- und abwärtsführende, chromatische Triolenläufe. Für den Part der Schildkröten parodierte Saint-Saëns den wilden Tanz Can-Can und ließ die Streicher dreimal langsamer spielen als im Original.
Während das Festivalorchester, das sich aus Lehrern und Schülern der Musikschule sowie einigen weiteren Musikern zusammensetzte, die Tiere musikalisch darstellte, schlüpften die Schülerinnen der Tanz-AG der Roßberg-Schule in passende Kostüme und zeigten von Ginger Streibig choreografierte und eingeübte Tänze. Besonders den jungen Zuhörern erleichterte diese doppelte Darstellung, aufmerksam zu bleiben. Es folgten Elefanten, Fische, Vögel und der Schwan. Die stimmungsvolle Romanze über einen prachtvollen Schwan, der über einen See gleitet, spielte die neunjährige Felicitas Reichert auf dem Cello als Solopart. Dafür erhielt sie einen spontanen Applaus vom Publikum.
Während des allein von den Instrumenten präsentierten Finalsatzes warf Arkona sich mit den Tanzmädchen den Plüschbären zu, aufmerksam verfolgt von den Blicken der Kinder im Publikum. Ein netter Kniff, damit den Jüngsten nicht langweilig wurde.
Weiter ging es mit dem Paddington-Bär. Der Antiquitätenhändler nimmt ihn mit zu einem Konzert in die berühmte Londoner Royal Albert Hall. Dort wird Robert Schuberts unvollendete Symphonie aufgeführt. Eine unvollendete Symphonie? Das geht gar nicht, findet der Bär und macht sich auf die Suche nach „Herrn Schubert“. Dabei landet er in der Besenkammer. Durch lautes Klopfen macht er auf sich aufmerksam und stört damit Joseph Haydns „Überraschungssymphonie“.
Das Festivalorchester mit Dirigent wurde Teil der Erzählung und Malte Arkona sang das Paddington-Lied. Der Moderator hat auch eine Gesangsausbildung. „Wenn ich die Augen schließe, kann ich die Musik immer noch hören“, sagt der Bär nach dem Konzert in der Royal Albert Hall. Vielleicht ging dem ein oder anderen Kind am Mittwochabend auch so. Zunächst gab es aber frenetischen Beifall für die vielen Akteure und Regisseur Lars Franke.