Musik: Vom Model zum Rockstar

Nach sieben Monaten Zusammenarbeit ist die CD „Come into my life“ von Lothar Dawidowsky (rechts) und Conny Conrad fertig.
BernhardDas Auftreten eines Stars hat Lothar Dawidowsky schon. Modisch gekleidet, mit ausladender Gestik und strahlendem Lächeln rauscht er ins Tonstudio. Der Eutinger Produzent Conny Conrad hat zum Pressegespräch geladen. Dawidowsky lässt sich galant auf das rote Sofa fallen und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. „Musik mache ich schon immer“, beginnt der 58-Jährige aus Eckenweiler seine Geschichte. Bisher jedoch nur im privaten Umfeld. „Die Musikbranche ist ein Haifischbecken“, sagt er.
Um eine Chance auf dem Markt zu haben, brauche man einen Türöffner. Dass der Produzent Conrad ganz in der Nähe wohnt, erfuhr Dawidowsky aus der Tageszeitung. „Ruf mal an“, habe er sich gedacht. Doch zuvor, gesteht er, warf er eine Münze. Die Zahl war auf seiner Seite. Aber bei Conrad ging nur der Anrufbeantworter ran. Da kamen noch mal kurz Zweifel auf. Doch bevor diese überhand nahmen, rief Conrad, ganz Geschäftsmann, zurück. Rockige Stimmen suche er immer, sagte er. Dawidowsky solle ihm mal eine Hörprobe schicken, notfalls über’s Handy.
Um zu erkennen, ob jemand Talent hat, reiche diese Qualität, sagt Conrad. Dawidowskys markante Stimme gefiel ihm. „Sie hat einen Wiedererkennungseffekt.“ Das sei wichtiger als Professionalität. An dieser feilte der Eckenweilermer anschließend. Er nahm Gesangsunterricht.
Musik mit ganz viel Conrad
Nach nur sieben Monaten Zusammenarbeit war die CD „Come into my life“ fertig produziert. Seit einer Woche ist sie im Handel. Auf Download- und Streamingportalen ist sie ebenfalls erhältlich. In der Musik steckt ganz viel Conny Conrad: eingängige Beats, eine Prise Rock und überraschende, elektronische Einschübe. Dawidowsky hat das Gesicht, diese Musik erfolgreich auf die Bühne zu bringen.
Dort stand der Endfünfziger zwar noch nie singend. Aber Rampenlicht ist ihm nicht fremd. Als Model lief er über Catwalks europäischer Metropolen. Das ist zwar schon einige Z eit her, aber: „Ich fühle mich immer noch wie 30“, sagt Dawidowsky. Er sei ein Vorzeigebeispiel für Menschen über 50, kontert Conrad, selbst Ende 50. „Man ist noch nicht zu alt, um etwas Neues anzufangen.“
Die Texte – außer zwei, die aus Conrads Feder stammen – schrieb Dawidowsky selbst. Auf Englisch. Dann lässt sich die Musik weltweit vermarkten. „Warum sollte man sich gleich einschränken“, sagt Conrad.
Ein anderes Lebensgefühl
Dawidowsky singt nicht vom Blatt. „Ich kann alle Lieder auswendig.“ Zum Üben geht er in den Wald. „Tolle Akustik.“ Oder er setzt sich ins Auto und fährt los.
„Urban Love“ ist einer der Titel auf der CD. Der Song beschreibt die Tristesse der Großstadt. Das Video dazu hat Dawidowsky auf Straßen und im Schönbuchtunnel gedreht. Aus dem fahrenden Auto heraus. In den 80er- und 90er-Jahren sei er viel unterwegs gewesen, sagt er. „Das war ein ganz anderes Lebensgefühl.“ Er habe Höhen und Tiefen erlebt. Bei ihm als Künstler und Freidenker sei jeder Tag anders. Es gebe keine Routine. Doch es gehe immer weiter, sagt Dawidowsky. „Ich sehe das Leben positiv.“ Diese Botschaft möchte er auch mit seinen Lieder weitergeben.
Etwas bleibt zurück
Warum wagt er erst jetzt den Schritt, eine eigene CD aufzunehmen? Dawidowsky zuckt kurz mit den Schultern. „Anscheinend bin ich jetzt reif“, sagt er. „Everything happens for a Reason.“ (Nichts passiert umsonst.) Vor seinem geistigen Auge sieht er schon, wie seine CD die Charts erklimmt, und er als umjubelter Star auf der Bühne steht. Falls es damit nichts werden sollte, bliebe von ihm zumindest etwas zurück, wenn er nicht mehr sei. Man müsse dann einfach nur Dawidowsky googlen und könne seine Musik hören.