Müll
: Schluss mit dem Tüten-Wahn

Plastiktüten sind ein bedeutender Faktor der globalen Müllproblematik. Die SÜDWEST PRESSE hat sich in Horb umgehört, wie verschiedene Geschäfte mit dieser Thematik umgehen. Für lau gibt es kaum noch Tüten.
Von
Nora Spiekermann, Anne Burckhardt
Horb

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Nicht gesetzt

M ehr als zehn Millionen Tonnen Abfälle geraten jährlich in die Ozeane – ein großer Teil davon ist Plastik. Um etwas an dieser für die Umwelt verheerenden Situation zu ändern, hat das Europäische Parlament am 23. April 2015 eine EU-Richtlinie verhängt, die vorsieht, dass der Plastiktüten-Verbrauch deutlich sinken soll. Auch die deutsche Bundesregierung hat zusammen mit dem deutschen Handelsverband die freiwillige Vereinbarung getroffen, der EU-Richtlinie zu folgen. So soll der durchschnittliche Verbrauch pro Einwohner bis Dezember 2019 auf höchstens 90 Tüten pro Jahr reduziert werden. Bis Dezember 2025 sollen es nur noch 40 Tüten sein. Plastiktüten wurden ab dem 1. Juli 2016 kostenpflichtig. Aktuell hat die Firma Aldi angekündigt, sich komplett von den Plastiktüten freizumachen. Die SÜDWEST PRESSE hat sich einmal in Horb umgehört, wie es hier mit den Plastiktüten gehandhabt wird.

Kaufland bietet laut Aussage der Pressesprecherin Andrea Kübler den Kunden zahlreiche Alternativen wie Papiertragetaschen, mehrfach nutzbare Stofftragetaschen aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle sowie die vielfach verwendbaren Permanent-Tragetaschen, Klapp- und Pappboxen an. „Grundsätzlich sind wir darum bemüht, das Verpackungsmaterial soweit wie möglich zu reduzieren“, sagt Kübler.

Der Umwelt zuliebe bringen die meisten Kunden ihre eigenen Einkaufstaschen oder –körbe in den Laden mit. So nutzen bei Kaufland nur etwa 15 Prozent die an den Kassen bereitliegenden Taschen und Boxen als Transporthilfe für ihre Einkäufe. Seit Februar dieses Jahres bietet der Vollsortimenter keine kleinen Plastiktragetaschen mehr an. Bei den großen Schlaufentragetaschen wurde vergangenes Jahr eine Preiserhöhung von zehn auf 15 Cent vorgenommen.

Eigener Rucksack als Alternative

Auch der Drogeriemarkt DM geht gegen den Plastikverbrauch vor: Schon seit zwei Jahren gebe der Konzern keine kostenlosen Plastiktüten mehr an Kunden heraus. Alternativ können Käufer eine Permanent-, Papier- oder Biotasche erwerben – oder eben den eigenen Rucksack mitbringen.

Real lässt durch seine Pressestelle ausrichten, dass das Thema Umweltschutz beziehungsweise Nachhaltigkeit im Unternehmen einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. „Die Förderung umweltschonender Produkte und Verpackungen zählt ebenso dazu wie das Engagement bei Maßnahmen zur Vermeidung, Verminderung und Wiedereinbringung in den Stoffkreislauf“, schreibt Alja-Claire Dufhues auf unsere Anfrage hin.

Enorme Einsparungen

Bereits vor mehr als zehn Jahren habe Real aus ökologischen Gründen die Herausgabe von kostenlosen Plastiktüten an den Standardkassen abgeschafft und biete seinen Kunden zudem seit mehreren Jahren Permanent-Tragetaschen an. Bis Ende des vergangenen Jahres erhielten die Kunden an den Kassen nur noch die Real-Plastiktüte mit Blauem Engel (Preis: 0,19 Euro). „Diese Plastiktüte hatten wir für die Kunden angeboten, die zum Beispiel ungeplant einkauften und deshalb keine Mehrwegtragetasche dabei hatten“, sagt die Pressesprecherin.

Seit Januar 2017 ist das Unternehmen aber noch einen Schritt weitergegangen und verzichtet seitdem auf den Verkauf von Plastik-Tragetaschen. Dadurch werden jährlich rund 49 Millionen Plastiktragetaschen eingespart. Dies entspricht einer Reduzierung von rund 940 Tonnen Kunststoff.

Real setzt inzwischen auf Tragetaschen-Alternativen wie wiederverwendbare Baumwolltragetaschen und Permanent-Tragetaschen aus bis zu 85 Prozent Recycelmaterial. Ergänzt wird das Angebot durch die Papiertragetaschen in zwei Größen und den Papierkarton. Auch der Drogeriemarkt Müller händigt seinen Kunden seit vergangenem Jahr keine kostenlosen Plastiktüten mehr aus. Je nach Größe verlangt Müller zwischen fünf und 15 Cent je Tüte, außerdem werden wiederverwendbare Baumwolltaschen für 2,50 Euro angeboten, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Solange der Vorrat reicht

Auch in der Buchhandlung Kohler soll der Plastiktüten-Verbrauch reduziert werden. „Sobald die jetzige Ladung Plastiktüten aufgebraucht ist, wird es keine mehr geben“, verrät Imelda Kohler. Schon jetzt würden Kunden auf die Kunststofftragetasche verzichten und stattdessen eine Stofftasche benutzen. „Es gibt auch Kunden, die

nicht an eine Tasche gedacht haben und ihre Bücher einfach unter den Arm nehmen“, erzählt Kohler.