Mobilität
: Erst sparen, dann sparen

600 Millionen Euro zur Förderung der Elektromobilität in Deutschland wurden 2016 bewilligt. Über 500 Millionen warten heute noch auf Abnehmer.
Von
Manuel Fuchs
Horb

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Nicht gesetzt

Nur 65 der bewilligten 600 Millionen Euro Fördergelder für E-Mobilität wurden bis Ende des vergangenen Jahres abgerufen, ließ das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

in einer Pressemitteilung wissen. Seit Beginn der Förderung im Sommer 2016 wurden demnach knapp 47000 Anträge gestellt, 8811 davon kamen aus

Baden-Württemberg – Tendenz: steigend. Und nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) ist der Bestand an Elektro-Autos in Deutschland um über 60Prozent auf etwa 55000 gewachsen.

Damit der Käufer eines Elektro-Autos die staatliche Förderung bekommen kann, müssen ihm der Autohersteller oder der Händler einen Rabatt auf den Listenpreis in mindestens der Höhe des beantragten Zuschusses gewähren. Oliver Uhl vom Renault-Autohaus in Bildechingen sieht darin kein Problem, Renault lege derzeit sogar 1000 Euro Elektrobonus drauf: „Bei uns laufen die Elektroautos gut. Etwa alle drei Monate verkaufen wir einen Zoe (sprich: So-Eh), inzwischen haben wir sogar gebrauchte Exemplare auf dem Hof.“

Der neue Zoe-Jahrgang ermöglicht laut NEFZ-Homologation 400 Kilometer Reichweite mit einer Batterieladung und wird noch stärker nachgefragt, schätzt Uhl. Das offene Spaßmobil Twizy mit zwei hintereinander platzierten Sitzen falle zwar im Straßenbild auf, werde aber seltener gekauft.

Ähnliches berichtet Bernd Gall, Leiter der Horber BMW-Niederlassung AHG: Der i3 verkaufe sich im Elektro-Auto-Spektrum recht gut und habe durch die Reichweitensteigerung auf ungefähr 300 Kilometer sehr an Zuspruch gewonnen. Er erwartet zudem ein wachsendes Interesse an Hybrid-Fahrzeugen in der Kompakt- und Mittelklasse.

Preis und Kosten

Gerade der relativ hohe Kaufpreis eines Elektro-Autos ist eine große Hürde für viele Autofahrer. Erst danach locken niedrige Energiekosten von nicht einmal 2 Euro pro 100 Kilometer; vielerorts kann man sogar gratis laden. Zum Vergleich: Ein Realverbrauch von 7,5 l/100 km bedeutet bei einem Kraftstoffpreis von 1,35 Euro Kosten von über 10 Euro pro 100 Kilometer. Anders gesagt: Alle 12500 Kilometer spart ein Elektro-Auto gegenüber einem Verbrenner nach dieser vorsichtigen Rechnung 1000 Euro, und es kostet keine Kraftfahrzeug-Steuer.

Wo und wie aufladen?

Zweite Hürde: Wo, wenn nicht an der heimischen Ladestation, soll der Fahrer sein Elektro-Auto laden? Momentan muss er die Standorte der öffentlichen Ladesäulen kennen oder sie wenigstens im Navigationssystem gespeichert haben. Es gibt nicht allzu viele, und sie fallen nicht so sehr ins Auge wie herkömmliche Tankstellen.

Im politischen Berlin kursiert bereits der Gedanke, mit nicht abgerufenen Fördergeldern den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu fördern. Während Oliver Uhl diese Idee unterstützt, beurteilt Bernd Gall sie zurückhaltend: Grundsätzlich sei Ladeinfrastruktur ein wichtiger Punkt bei der Kaufentscheidung, aber Finanzierungshilfen und Rabatte für Kunden bleiben wichtig: „Staat und Industrie arbeiten hier Hand in Hand, das finde ich sehr gut.“

Gleich zwei Elektroautos besitzt der Horber Jérôme Brunelle: einen Renault Twizy und einen Tesla Model S. Er ist Mitglied des Vereins Electrify-BW, der laut Satzung für die „allgemeine Förderung der Energieeinsparung, Effizienzerhöhung, Nachhaltigkeit und Emissionsvermeidung unserer Gesellschaft“ eintritt. Brunelle sieht das Thema sehr progressiv und wagt eine steile These: „Ab 2026 kauft keiner mehr ein Auto mit Verbrennungsmotor.“ Natürlich würden selbst dann nicht sofort alle Autos mit Otto- und Dieselmotoren von den Straße verschwinden, sie bleiben ja im Bestand: Der letzte VW Golf II wurde 1992 gebaut, und 2018 sieht man ihn immer noch auf den Straßen.

Aber irgendwann werden die Elektro-Autos in der Überzahl sein, da ist sich Brunelle sicher. „Man muss niemanden missionieren, das passiert von selbst. Die Kaufpreise werden deutlich sinken, die Reichweiten steigen, den Spaß und den Komfort kann jeder selbst bei einer Probefahrt erleben. Irgendwann kippt das Kaufverhalten, das ist die vielgenannte Disruption.“

Spricht’s und öffnet dem Autor die Fahrertür seines Tesla – wonach dieser nur noch sagen kann: Jawohl, das muss man mal ausprobiert haben. Wer dabei auf den Geschmack kommt, kann danach Fixkosten und laufende Kosten für Benziner und Stromer für seine persönlichen Fahrgewohnheiten durchrechnen.

So beantragen Sie den Umweltbonus:

Den Erwerb e ines

reinen Elektroautos oder Brennstoffzellenfahrzeugs fördert der Staat mit 2000 Euro. Ein von außen aufladbares Auto mit Elektro- und Verbrennungsmotor („Plug-in-Hybrid“) wird mit 1500 Euro bezuschusst.

Bei den Anträgen haben die Elektro-/Brennstoffzellenautos gegenüber den Hybriden die Nase vorn – und zwar im Verhältnis 3:2. Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, die so ein Fahrzeug neu kaufen oder leasen wollen, können online beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de)

einen Antrag auf Förderung stellen. Spätestens neun Monate nach dessen Genehmigung muss das neue Elektro-Fahrzeug gekauft und zugelassen sein.