Männergesangverein „Eintracht“ Dürrenmettstetten
: „Hans, gib mal den Ton an.“

Der Dürrenmettstetter Männergesangverein feiert heuer 130-jähriges Bestehen. Hans Kirschbaum gehört zu den treuesten Sängern – seit 67 Jahren erklingt seine Stimme bei der „Eintracht“.
Von
Stephan Braun
Dürrenmettstetten
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Hans Kirschbaum singt seit 67 Jahren im Dürremettstetter Männergesangverein.

Hans Kirschbaum singt seit 67 Jahren im Dürrenmettstetter Männergesangverein.

privat
  • Der MGV „Eintracht“ Dürrenmettstetten feiert dieses Jahr 130-jähriges Bestehen.
  • Hans Kirschbaum singt seit 67 Jahren im Chor und ist 82 Jahre alt – erster Tenor und Solist.
  • Sein Lieblingsstück ist das „Ave Maria der Berge“, die Noten schenkte er dem Verein.
  • Trotz schwerer Zeiten blieb er dem Verein treu, wegen Musik und Gemeinschaft.
  • Konzert am Sonntag, 21. Juni, 5 Uhr: Sonnenaufgangskonzert am Aussichtsturm mit Gästen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Singen ist für Hans Kirschbaum so selbstverständlich wie der Morgenkaffee. Seit 67 Jahren ist der 82-Jährige aktiver Sänger im Männergesangverein „Eintracht“ Dürrenmettstetten. Der Chor feiert dieses Jahr sein 130-jähriges Bestehen. Hans ist der älteste Sänger. Und sein treuester.  Sein erstes Lied hat er nie vergessen: „Ei du Mädchen vom Lande, wie bist du so schön.“ Mit 16 Jahren trat er im September 1959 dem Gesangverein bei. Zehn Jahre lang sang er im zweiten Tenor, bis er nach dem Austritt seines Vaters in den ersten Tenor wechselte. Dort singt er bis heute.

Die Musik liegt Kirschbaum  im Blut. Sein Vater hatte elf Geschwister, und alle sangen. Im Dorf hieß es: „Die Kirschbaums sind ein eigener Chor.“ Kein Wunder, dass Musik den Dürrenmettstetter weit über die Singstunden hinaus begleitet. Auf dem Traktor, während er die Felder bestellte, sang er Volkslieder und Vereinsstücke – alles, was ihm in den Sinn kam. „Da war mir egal, ob jemand zuhört“, sagt er lachend. Noch heute besucht er regelmäßig das Volksliedersingen in Bergfelden. Die alten Melodien bedeuten ihm viel.

Der Mann für die hohen Töne

Schon früh war klar, dass auf ihn Verlass war. Bei einem Konzert in Salzstetten geriet der erste Tenor beim „Chianti-Wein“ ins Schleudern. Hans Kirschbaum wusste – gleich kommt die Stelle, die er mit voller Stimme meistern musste: „Ja, ja der Chianti-Wein.“ „Ich wusste, den Ton habe ich, egal was passiert. Da bin ich voll reingegangen.“ Danach lief das Lied wieder rund. Der Dirigent lobte ihn später: „Ohne dich hätte ich abbrechen müssen.“

Der Chor schätzt den heute 82-Jährigen auch als Solisten. Lampenfieber kennt er nicht. Schon bei einem seiner ersten Soloauftritte auf dem Schlossplatz in Stuttgart stand er gelassen vor dem Publikum. „Ich wusste, der Ton sitzt“, erzählt er. Sein Lieblingslied, das „Ave Maria der Berge“, singt er ebenfalls als Solist. Die Noten dafür schenkte er dem Verein – so sehr liegt ihm das Stück am Herzen.

Hans Kirschbaum (Zweiter von links) in seinem Element. Lampenfieber kennt er nicht.

Hans Kirschbaum (Zweiter von links) in seinem Element. Lampenfieber kennt er nicht.

Elke Huss (Archiv)

Dass er fast sieben Jahrzehnte im Chor bleiben würde, hätte Kirschbaum nie gedacht. Nach 60 Jahren aktiver Sängerschaft wollte er aufhören. Doch er konnte den Chor nicht im Stich lassen und sprang immer wieder ein. Auch in schweren Zeiten hielt er durch. Nach dem Tod seines Sohnes fiel ihm das Singen lange schwer, doch ganz aufgeben wollte er den Verein nicht. Heute ist er wieder voll dabei und fehlt in keiner Singstunde.

Manchmal denkt er an früher zurück. „In der Mitte der Singstunde gab es eine Pause für die Raucher.“ Nach dem Singen ging man gemeinsam in den „Saloon“, die legendäre Gaststätte des Ortes. Der Chorleiter brachte seine Quetsche mit, und zwischen den Getränken hieß es oft: „Hans, gib mal den Ton an.“ Dann wurde geschmettert.

Vielleicht ist es genau das, was Hans Kirschbaum bis heute im Männergesangverein hält: nicht nur die Musik, sondern die Gemeinschaft. „Ich bin ein Vereinsmensch“, sagt er. Eine Wand voller Urkunden zeugt davon. Besonders wichtig ist ihm der Kontakt zu den Jüngeren. Sollte es den Männerchor eines Tages nicht mehr geben, hat er schon einen Plan: „Dann treffen wir uns einmal im Monat und singen Volkslieder. Hauptsache, die Gemeinschaft bleibt.“

Der Gänsehautmoment

Am Sonntag, 21. Juni, ist es so weit: Der Männergesangverein feiert sein 130-jähriges Bestehen mit einem Sonnenaufgangskonzert am Turm in Dürrenmettstetten. Seit Tagen prüft  der begeisterte Sänger die Wetter-App. „40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit, kein Niederschlag. Das klappt“, sagt er. Das Konzert beginnt um 5 Uhr morgens, noch vor Sonnenaufgang. Kirschbaum sieht es schon vor sich: Die Sonne steigt während des Konzertes über Dürrenmettstetten empor und legt nach und nach ihr goldenes Licht über den Platz und die Sänger. Der Gänsehautmoment. Der Chor stimmt „Wenn die Sonne erwacht“ an. Und natürlich wird auch das „Ave Maria der Berge“ erklingen – mit Hans Kirschbaum und Uli Kaupp als Solisten.

Konzert bei Sonnenaufgang am Aussichtsturm

Der Männergesangverein „Eintracht“ lädt anlässlich seines 130-jährigen Bestehens für Sonntag, 21. Juni, 5 Uhr, zu einem Sonnenaufgangskonzert am Aussichtsturm in Dürrenmettstetten ein. Mit dabei sind die Alphornissen Dornhan, die Jagdhornbläser des Hegerings Dornhan und der Männerchor des MGV mit Projektsängern. Gegen 6.30 Uhr gibt es ein gemeinsames Frühstück, und um 9 Uhr beginnt der Gottesdienst im Grünen. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung in der Gemeindehalle statt.