Lokführer aus Freudenstadt: Warum Millionen Menschen „Herr Lokii“ in den sozialen Medien zuschauen

Angestellt ist Fatih Yilmazli alias "Herr Lokii" bei der DB Regio und fährt normalerweise Regionalbahnen im Murgtal und auf der Gäubahn.
privat/Herr Lokii- Ein Lokführer aus Freudenstadt wird als „Herr Lokii“ zum Trainfluencer auf Instagram und Tiktok.
- Über eine Million Aufrufe erzielte sein Video zur Toilettenpause – Interesse am Bahnalltag ist groß.
- Er fährt für DB Regio im Murgtal und auf der Gäubahn, produziert Inhalte in Pausen oder nach Dienst.
- Ziel ist Aufklärung: Er erklärt Abläufe, Sicherheit und Gründe für Verspätungen, was Verständnis schafft.
- Reichweite wächst: 22.000 Follower auf Instagram, 37.000 auf Tiktok, Fans erkennen ihn am Bahnsteig.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Über eine Million. Diese stolze Zahl an Aufrufen verzeichnet ein kurzes Video über die Toilettenpause eines Lokführers. Was zunächst kurios klingt, zeigt, wie stark sich die Menschen für den Bahnalltag interessieren. Fatih Yilmazli alias „Herr Lokii“, der das Video gedreht hat, gehört zur wachsenden Szene der sogenannten „Trainfluencer“. Mittlerweile ist der Regio-Botschafter auch zu einem prominenten Gesicht von ‚bwegt‘ geworden. Wie die meisten der Influencer auf Schienen will er mehr Verständnis für seine Arbeit schaffen und auch seine Bahn-Begeisterung weitergeben.
Fatih Yilmazli steht nach getaner Arbeit am Bahnsteig, als ihn ein älterer Fahrgast anspricht. Der Mann ist vielleicht 70 Jahre alt. Er blickt den Lokführer an, bedankt sich und erklärt, wie gerne er seine Videos schaue. „Da war ich erstmal baff“, erinnert sich Yilmazli zurück. Dass er inzwischen auch ältere Menschen mit seinen Inhalten auf Social Media erreicht, damit hatte er nicht gerechnet.
Er fährt Regionalzüge durch den Schwarzwald. Auf Instagram und Tiktok kennen ihn viele als „Herr Lokii“: Fahrgäste sprechen ihn am Bahnsteig an, bitten um Fotos oder begleiten seine Schichten. Fans forderten sogar schon Autogrammkarten, was ihm damals unangenehm war. Auf Wunsch druckte er trotzdem ein paar. Kurz darauf waren alle vergriffen. Auf Instagram folgen ihm mehr als 22.000 Menschen, auf Tiktok sogar 37.000.
Zwischen Führerstand und Smartphone
Trotz „Herr Lokiis“ steigender Prominenz ist sein Hauptberuf weiterhin der des Triebfahrzeugführers. Yilmazli kommt aus Freudenstadt, gehört zu DB Regio Mitte und fährt unter anderem auf der Gäubahn und im Murgtal. Zum Trainfluencer wird er in Pausen, bei längeren Standzeiten oder nach Dienstschluss. Dann berichtet er spontan per Instagram-Story aus seiner Schicht oder filmt kurze Szenen. Was er zeigt, entscheidet deshalb oft der Arbeitstag. Mal liefert ein Sonnenaufgang ein schönes Foto, mal eine Dampflok auf dem Nachbargleis die Idee für einen Vergleich zwischen Moderne und Vergangenheit.
Ein fester Drehplan ist nicht umsetzbar, denn es gilt: „Sicherheit und Betriebsqualität stehen ganz oben. Social Media darf niemals zulasten des eigentlichen Betriebs gehen.“ Wobei er selbst zumindest ein paar Strapazen hinnimmt, denn mit dem Filmen endet die Arbeit nicht. Nach der Schicht schneidet er seine Aufnahmen, spricht Texte ein, beantwortet Nachrichten. Gerade dieser Austausch nimmt viel Zeit ein. Follower fragen ihn nach der Ausbildung, dem Quereinstieg oder Voraussetzungen für den Beruf. „Herr Lokii zu sein heißt auch, Menschen mit Fragezeichen Zeit zu geben“, sagt Yilmazli.
Eigentlich wollte er in die Luft statt auf Schienen
Ursprünglich wollte er zu einer Fluggesellschaft. Nach einer Absage brachte ihn ein Bekannter auf die Bahn. Er sprach mit Lokführern in seiner Heimat Freudenstadt, ergriff selbst den Beruf und erzählte später auf Tiktok davon. „Ich wollte einfach zeigen: Lokführer sein kann cool sein.“ Aus zunächst 20 bis 30 Zuschauern wurden zeitweise fast 2000. Spätestens da war ihm klar: „Das muss ich mit meinem Chef und Unternehmen abklären.“ Das unterstützt ihn.
Heute produziert „Herr Lokii“ auch für die Deutsche Bahn insgesamt sowie für ‚bwegt', die übergreifende Initiative des Landes Baden-Württemberg für Mobilität mit Bus und Bahn. Für sie erklärt er regelmäßig Hintergründe zum Regionalverkehr, beantwortet Fragen von Fahrgästen und gibt Einblicke hinter die Kulissen des Bahnbetriebs. Ziel ist es, Zusammenhänge verständlich zu machen und so mehr Verständnis für den Regionalverkehr zu schaffen.
Sicherheit geht vor
Yilmazli ist mit seinen Inhalten nicht mehr allein. Immer mehr Beschäftigte aus der Bahnbranche teilen ihren Arbeitsalltag in den sozialen Medien. Wie andere Trainfluencer will „Herr Lokii“ seine Seiten des Berufs zeigen: Verantwortung übernehmen, Reisende sicher ans Ziel bringen, Familien und Freunde miteinander verbinden. Dem Freudenstädter folgen etwa Bahn-Nerds aus Indien, Japan und Spanien – trotz Sprachbarriere. Auch viele Stamm-Fahrgäste sind Follower.

Für 'bwegt' erstellt "Herr Lokii" Inhalte auf Tiktok und Instagram. Hin und wieder auch im Tandem mit Maskottchen "Bine bwegt".
bwegt/Ministerium für Verkehr Baden-WürttembergGleichzeitig erklärt er, warum im Bahnbetrieb nicht immer alles sofort funktioniert. Muss aufgrund eines technischen Fehlers etwa ein anderer Zug bereitgestellt werden, werden zuvor Bremsen, Türen und Sicherheitseinrichtungen geprüft. Das kostet Zeit. „Am Ende hat man zehn Minuten Verspätung, aber die Sicherheit geht vor.“
Solche Einblicke lösen keine Probleme. Sie können sie jedoch nachvollziehbarer machen. Das erlebt „Herr Lokii“ in den Kommentaren seiner Videos, aber auch abseits der sozialen Medien. Während einer durch Bauarbeiten beeinträchtigten Fahrt erklärte er den Fahrgästen beispielsweise die Lage per Durchsage. Am Ziel bedankten sich mehrere bei ihm. Er habe „viel Stress weggenommen“.
Mit guter Information ist viel gewonnen
Fatih Yilmazli kann zahlreiche Anekdoten berichten. Er weiß: Viele Fahrgäste sind aktuell nicht zufrieden. Er weiß aber auch: Viele Fahrgäste haben Verständnis, wenn er ihnen die Situation erklärt. Oder wie er es ausdrückt: „Die Menschen möchten einfach gut informiert werden. Dann ist schon viel gewonnen.“
Als Trainfluencer ist er dafür in einer einzigartig guten Lage, denn er hat nicht nur das Wissen eines Lokführers, sondern kann dieses als Influencer auch verständlich und mit einer persönlichen Note weitergeben – wobei bei seinen Fans inzwischen wohl auch nochmal eine zweite Fuhre Autogrammkarten reichen würde.

