Landwirtschaft: Warten auf den nächsten Regen

.
Nicht gesetztGespannt warten einige Landwirte in der Region auf Regen. Wenn in den nächsten Tagen welcher einsetzt, könnte der Mais sich noch erholen. Die Not, die Landwirte in Ost- und Norddeutschland erwarte, teilen unsere Landwirte in der Region aktuell nicht.
„Ich bin mit der Getreide-Ernte zufrieden“, erklärt Rolf Holderried. Der Landwirt aus Bildechingen blickt dieses Jahr auf eine gute Ertragsmenge. „Mit dem Grünland sieht es nicht so gut aus. Auch der Mais hängt durch, dem fehlt einfach das Wasser“, beschreibt er die Situation. Am Samstag der „1250-Jahr-Feier“ in Bildechingen hatte es zwar geregnet, doch die Menge habe für die Natur bei Weitem nicht ausgereicht. Allgemein brauche die ganze Natur Wasser.
Enges Erntefenster
„Dem Getreide fehlte der Regen beim letzten Wachstumsschub, vor der Ernte, deshalb sind die Körner klein“, erklärt Peter Gsell aus Eutingen. Der 21-Jährige packt bei der Verwandtschaft schon einige Jahre an und weiß, dass
der ausbleibende Regen den geschmälert hat. „Die Dürre hat auch ein recht enges Erntefenster gesetzt. Aber immerhin hatten
wir keine Feldbrände“, so der
Eutinger. Er stimmt mit den umliegenden Landwirten ein: „Der Mais bräuchte jetzt auch dringend Wasser.“
Auf Regen hofft auch Alexander Mauch aus Göttelfingen, dessen Mais-Anbauflächen ganz unterschiedlich aussehen: „Der Mais Richtung Vollmaringen hat eher gelitten als der auf den anderen Flächen.“ Den Hitzestress halte der Mais aktuell noch aus, denn er mag es warm, aber nicht zu heiß. „Wenn es die nächsten Tage nicht regnet, bekommen wir sicherlich ein stabiles Hoch, dann wird es eventuell mit dem Mais nichts mehr“, schätzt der Familienvater. Dieses Jahr herrsche ein echtes Kontinentalklima, wie er es als Landwirt in Ungarn erlebt habe. „Die Eisheiligen sind dieses Jahr komplett ausgefallen. Dafür hat es zwischendrin immer wieder geregnet“, erklärt er, wieso die Getreide-Ernte für so manchen Landwirt im Gäu gut ausgefallen sei. Dazu würden noch die guten Böden kommen. Nun würden diese Böden auf eine harte Probe gestellt werden, denn auch sie seien sehr trocken. Während es in den vergangenen Tagen regionsweise geregnet hatte, blieb die Region Horb wieder davon verschont.
„Meist zieht das Wetter Richtung Starzach oder Nagold“, weiß Gerhard Fassnacht aus Altheim. Die guten Ergebnisse im Gäu und drumherum kann der Vorsitzende des Kreisverbands der Landwirte für den Landkreis nach ersten Angaben nicht bestätigen. „Wir befinden uns dieses Jahr schon in der dritten Trockenphase. Der Weizen ist Anfang Mai ausgedüngt. Die Wintergerste kam zwar sehr gut weg, aber beim Mais sieht es aktuell aufgrund der Hitze auch nicht so gut aus. Da könnte es auch ein Drittel weniger Ertrag, als sonst sein“, schätzte Gerhard Fassnacht. Wenn es jedoch ordentlich regnen würde – lieber 20 Liter pro Quadratmeter, verteilt auf drei Tage, als 50 Liter pro Stunde – dann könnte sich der Mais erholen.
Mit rund zehn bis 15 Prozent Einbußen bei Getreide und Raps rechnet Georg Schmitt, Sachgebietsleiter des Landratsamts
Freudenstadt. „Wenn der Regen demnächst kommt, dann rappeln sich Grünland und der Mais
auf. In Böblingen hat es beispielsweise geregnet, und hier rund
um Horb ist alles trocken. Die regionalen Niederschläge sind sehr unterschiedlich“, so der Sachgebietsleiter.
Ein gemischtes Ergebnis verzeichnet Karl-Heinz Pfeffer, Leiter Betrieb Agrar der BayWa Eutingen: „Im Vergleich zu anderen Gegenden Deutschlands ist die Region Eutingen mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Raps hat unter der Trockenheit am meisten gelitten. Beim Weizen wurden auf den guten Böden normale Erträge erzielt, auf den schlechten Böden unterdurchschnittliche Erträge. Auch die Braugerste ist im Ertrag leicht unterdurchschnittlich, die Qualitäten der Braugerste sprechen aber für gute Vermarktungschancen. Der Silomais steht aktuell noch gut da, jetzt wäre allerdings Regen für die Kolbenbildung notwendig.“
Für Obstfreunde hat Karl-Heinz Pfeffer eine gute Nachricht: „Nach einem schwierigen Vorjahr zeichnet sich in Süddeutschland wieder eine gute, aber keine Rekordernte bei Tafelkernobst ab.“ Rund um Eutingen wird allerdings nur Streuobst angebaut. „Es ist von einer guten, wenn auch nicht überdurchschnittlichen Ernte auszugehen. Möglich ist, dass aufgrund des fehlenden Regens, das Obst in diesem Jahr kleiner ausfällt. Auch wird die Ernte, wie bei den anderen Kulturen, rund 14 Tage eher beginnen“, schätzt Karl-Heinz Pfeffer.
Unter der großen Hitze leiden auch die Tiere, wie Milchviehhalter Gerhard Fassnacht bestätigt: „Kühen ist es ab 25 Grad einfach zu warm. An ganz heißen Tagen, über 30 Grad, geht die Milchleistung zurück.“ Er habe Lüfter im Stall aufgestellt. Eine Futternot sehe er aktuell bei denjenigen, die silieren würden, nicht. Sie müssten vielleicht im kommenden Jahr dazukaufen, wenn die Hitze niedrige Erträge im Grünland zur Folge hätte. Landwirte, die jeden Tag frisches Gras holen, würden aber vor einer Herausforderung stehen. „Die meisten Südhänge in der Region sind mitgenommen“, betont Georg Schmitt vom Landratsamts Freudenstadt.
Logistisches Problem
Ausgleichszahlungen für Hitzeschäden würden den Landwirten laut Gerhard Fassnacht erst einmal auch nicht helfen: „Da bringt auch Geld nicht viel. Beim Futter haben wir ein logistisches Problem.“ Die benötigten Mengen müssten vorhanden sein und
zum Teil über weite Strecken transportiert werden. Er habe schon einmal Gras in Biberach geholt, als es hier in der Region schlecht aussah.
„2003 hatten wir so ein trockenes Wetter. Seither kam haben wir kaum Wasser dazubekommen“, beschreibt Fassnacht, dass die Extremwetterlage nicht nur ein temporäres Problem sei. „In Tumlingen hat es so stark geregnet, dass die Gegend überflutet war und in Dornstetten hat es drei Liter auf den Quadratmeter geregnet“, sagt er. Starkregen wünsche er der Region nicht, aber einen leichten Dauerregen – auch wenn gerade die Schüler die Hitze während ihrer Sommerferien genießen.