Landesbündnis fordert Stopp
: „Die Gäubahn ist nicht tot – ihr Mörder wäre der Pfaffensteigtunnel!“

Nachdem die Schweiz gedroht hat, die Magistrale Mailand – Zürich – Stuttgart an der Grenze zu Deutschland zu kappen, warnt das Landesbündnis Pro Gäubahn vor den Folgen. Die wären auch in Horb zu spüren.
Von
NC
Horb/Sulz
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Gäubahn Bahnhof Horb IC/RE Stuttgart - Zürich: Gäubahn Bahnhof Horb 17.4.2023. 
IC Intercity RE Regioexpress Stuttgart Zürich steht an Gleis Bild: Karl-Heinz KLuball

Ein Zug der Gäubahn von Stuttgart nach Zürich am Horber Hauptbahnhof.

Karl-Heinz Kuball (Archiv)
  • Landesbündnis Pro Gäubahn fordert Baustopp des Pfaffensteigtunnels wegen drohender Streckenprobleme.
  • Schweiz plant ab Dezember 2025, nur jeden zweiten Zug aus Deutschland zuzulassen.
  • Bündnis schlägt kurzfristige Fahrplananpassung und langfristigen Ausbau der Gäubahn vor.
  • Kritik: Tunnelbau gefährdet internationale Verbindung Stuttgart–Zürich und Steuergelder.
  • Forderungen: Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs, bessere Züge und Infrastruktur.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Landesbündnis Pro Gäubahn warnt eindringlich vor den gravierenden Folgen des geplanten Pfaffensteigtunnels für die internationale Bahnverbindung Stuttgart–Zürich–Mailand. Statt die Gäubahn zu stärken, drohe der milliardenteure Tunnel das Aus für eine der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Achsen im Schienenverkehr einzuläuten, schreibt das Bündnis: „Die Gäubahn ist nicht tot – ihr Mörder wäre der Pfaffensteigtunnel!“

Die Gäubahn, einst durchgehend zweigleisig und leistungsfähig, sei heute auf weiten Strecken eingleisig, störanfällig und überlastet. Seit dem Verkauf der bewährten KISS-Züge im Jahr 2024 komme es auf der Strecke zwischen Stuttgart und Zürich regelmäßig zu massiven Verspätungen.  Die Folge: Der Schweizer Taktfahrplan gerät aus dem Rhythmus – und ab Dezember 2025 soll nur noch jeder zweite Zug über die Grenze fahren dürfen. Für Fahrgäste bedeutet das häufiges Umsteigen in Singen und verpasste Anschlüsse. Erst kürzlich waren hunderte Fahrgäste, die nach Stuttgart wollten, in Horb gestrandet.

„Realistische Lösungen statt Tunnelträume“

Das Landesbündnis schlägt ein dreistufiges Maßnahmenpaket vor, um die Verbindung zu stabilisieren und zukunftsfähig zu machen. Dieses lautet im Wortlaut wie folgt:

  • 1. Kurzfristig: Anpassung des Fahrplans als Notmaßnahme, damit die derzeit eingesetzten Doppelstock-IC wieder pünktlich ankommen.
  • 2. Mittelfristig: Beschaffung moderner, leistungsfähiger und komfortabler Züge, die den bisherigen Fahrplan zuverlässig einhalten oder sogar wieder an die deutlich attraktiveren Reisezeiten der späten 1990er-Jahre anschließen können.
  • 3. Langfristig: Zweigleisiger Ausbau der Gäubahn und Erhalt eines Kombibahnhofs in Stuttgart – also die Beibehaltung des oberirdischen Kopfbahnhofs zusätzlich zum Tiefbahnhof. Nur so kann ein stabiler Betrieb gewährleistet werden, zumal die Gäubahn derzeit keine Zufahrt zum Tiefbahnhof besitzt. Eine Stilllegung des Kopfbahnhofs wäre nach aktuellem Rechtsstand sogar unzulässig.

Trotz dieser, wie das Bündnis schreibt, „naheliegenden Lösungen“ konzentrierten sich Bund und Land weiterhin auf den Pfaffensteigtunnel – „ein Milliardenprojekt, das keines der drängenden Probleme der Gäubahn löst“, so das Bündnis. „Während der Bauzeit drohen jahrelange Einschränkungen: Unterbrechungen in Vaihingen, wo nur noch die S-Bahn zum Hauptbahnhof fährt, Busersatzverkehr in Böblingen und der mögliche Abbruch der Verbindung in Singen, wenn verspätete Züge aus Deutschland in der Schweiz nicht mehr akzeptiert werden.“ Damit wäre die traditionsreiche Verbindung Stuttgart – Zürich faktisch zerschlagen, heißt es weiter. „Profitieren würden allein Tunnelbauer und Immobilienspekulanten – nicht die Fahrgäste.“

Appell an die Politik

„Baden-Württemberg darf sich nicht von der wirtschaftlich erfolgreichen Schweiz abkoppeln“, warnt das Landesbündnis. „Der Pfaffensteigtunnel ist eine Fehlplanung mit enormem Schadenpotenzial – für die Fahrgäste, für den internationalen Verkehr und für die Glaubwürdigkeit der Verkehrspolitik.“

Das Bündnis hat deshalb folgende Forderungen aufgestellt (im Wortlaut), mit denen sich aus Sicht der Mitglieder die Probleme der Gäubahn nachhaltig lösen ließen – „und zugleich Milliarden an Steuergeldern einsparen“:

  • „Keine Gäubahn-Kappung! Weiterbetrieb der Gäubahn über die Bestandsstrecke bis Stuttgart Hbf (oben)
  • Sofortiger Stopp des Pfaffensteigtunnels
  • Investitionen in bessere Fahrzeuge und Infrastruktur
  • Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs als Garant für einen stabilen Bahnbetrieb“

Das Pro-Gäubahn-Landesbündnis

Das Pro-Gäubahn-Landesbündnis wurde am 9. März 2024 in Rottweil gegründet. Das Bündnis vertritt die Interessen der Bahnstrecke Stuttgart – Böblingen – Horb – Rottweil – Tuttlingen – Singen (– Zürich / Konstanz).

Mitglieder des Pro-Gäubahn-Bündnisses sind unter anderen die Pro Gäubahn-Initiative Rottweil – Wir wollen zum Hauptbahnhof; die Interessengemeinschaft Gäubahn in Freudenstadt; Pro Gäubahn Singen – Singener Gäubahn-Initiative; Pro Gäubahn Tuttlingen; Pro Gäubahn Konstanz; Gäubahnkomitee Stuttgart - Wir wollen zum Bodensee; Deutsche Umwelthilfe (DUH); Bund für Umwelt- und Naturschutz Baden-Württemberg (BUND); Verkehrsclub Deutschland (VCD) Landesverband Baden-Württemberg; VCD Kreisverband Konstanz; Mobilitätswendeallianz Baden-Württemberg; Schutzgemeinschaft Filder; Naturfreunde Württemberg und mehrere Parteien.