Kritik am Inhalt
: Kuriose Passagen in neuer Image-Broschüre der Stadt Horb

Die Stadt Horb hat eine neue Image-Broschüre herausgebracht. Unser Gastautor hat sich diese angeschaut. Und wundert sich über einige Passagen.
Von
Joachim Lipp
Horb am Neckar
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Lipp: Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar.

Heimatforscher Joachim Lipp schreibt für die SÜDWEST PRESSE zu geschichtlichen Themen.

privat (Archiv)
  • Neue Horber Image-Broschüre sorgt für Kritik wegen fragwürdiger historischer Aussagen.
  • Römerzeit und Siedlung „Hurneum“ werden erwähnt, trotz fehlender Belege.
  • Ritterspiele und politische Bedeutung des „Horber Vertrags“ werden übertrieben dargestellt.
  • Renaissance-Persönlichkeit Sebastian Lotzer fehlt im Jahr 2025 überraschend in der Broschüre.
  • Historische Ungenauigkeiten sorgen für Diskussionen, z. B. zur Priorin Gessler und ihrer Nachkommenschaft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Zusammenarbeit mit der Stadt Horb am Neckar, dem Wirtschaftsförderer Dejan Micic und dem Citymanager Thomas Kreidler wird in einer Image-Broschüre nicht nur die Geschichte des Neckarstädtchens neu geschrieben. Geschichtsexperte Joachim Lipp, regelmäßiger Gastautor in der SÜDWEST PRESSE, hat die Broschüre unter die Lupe genommen:

Horb liegt vermeintlich „zwischen „Buckeln“ eingebettet“ am Neckar, der sich allerdings in Millionen von Jahren durch den Muschelkalk der weniger buckligen und mehr flachen Platten des Oberen Gäus gefressen hat. Obwohl selbst Fürstabt Martin Gerbert bei einem Besuch seiner Heimatstadt vergeblich an den Ufern des Neckars nach einem „lapidis litterati Romani“ (lat. römischer Schriftstein) gesucht hat, geht Horbs Geschichte laut der neuen Broschüre bis in die Römerzeit zurück. Die Gegend war vorgeblich solch ein strategisch wichtiger Punkt, weshalb die Römer hier eine ominöse Siedlung namens „Hurneum“ errichtet haben. Und alle Wege führten für sturzbetrunkene Legionäre wohl nicht nach Rom, sondern nach „Hurneum“.

Bei der Stadtgründung muss auch Alkohol im Spiel gewesen sein, denn die Erbauer sahen zumindest doppelt und legten die Stadt auf „den Ausläufern des sogenannten Schüttebergs“ an. Wen wundert es da noch, dass die komplette Altstadt sich „auf einem Hang befindet“? Nach einer uralten Mär, die aus vielen Horber Köpfen nicht zu verbannen ist, residierte auf einer „über der Stadt thronenden Burg“ eine Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen. Tatsächlich saß diese aber auf der unteren Burg namens Herrenberg, an die noch der Straßenname Burgstall erinnert. Die obere Horber Feste wurde erst 1396/97 unter Herzog Leopold IV. von Österreich errichtet, als die Gebeine der Pfalzgrafen aus der Horber Linie schon längst vermodert waren.

Ritterspiele? Natürlich völlig überbewertet!

Selbstverständlich werden die Horber Ritterspiele in der Image-Broschüre völlig überwertet. Es war allerdings reiner Zufall, dass sich König Maximilian I. auf der Reise zum Reichstag nach Freiburg gerade in Horb aufhielt, als Herzog Eberhard II. von Württemberg, der beileibe nicht „geisteskrank“ war, seinen Rücktritt signalisierte. Gleich nach Abschluss des sogenannten Horber Vertrags machte sich Maximilian, der sich aufgrund der Kugelfuhr um die württembergische Thronfolge eh schon verspätet hatte, sofort weiter auf den Weg und hatte in Horb bestimmt keine Zeit für Ritterspiele. Die Stadt rückte deswegen nie und nimmer „ins damalige politische Blickfeld“.

Und im Lotzer-Jahr fehlt ausgerechnet Lotzer

Welche „Künstler, Gelehrte und Denker“ im Zeitalter der Renaissance die Stadt bereichert haben sollen, wissen wohl allein die Herren Micic und Kreidler. Vielleicht sind sie auch dafür verantwortlich, dass auf der Seite mit dem Titel „Berühmte und einflussreiche Köpfe“ ausgerechnet Sebastian Lotzer, der Verfasser der Zwölf Artikel, im Horber Lotzer-Jahr 2025 keine Erwähnung findet. Dafür bringt die Broschüre Anna Katharina Gessler in die Bredouille. Der ehrenwerten Priorin des Horber Dominikanerinnenklosters, die nach dem Stadtbrand von 1725 für den Wiederaufbau gesorgt hat, wird sogar eine Schwangerschaft untergeschoben, weil Schiffwirt Franz Gessler ein „Nachfahre von Anna Katharina Gessler“ ist. Man erinnert sich bei der vom Verlag für Kommunale- und Wirtschaftsmedien GmbH herausgegebenen Image-Broschüre unweigerlich an den alten Juvenal: „Difficile est, satiram non scribere.“