Kriminalstatistik der Polizei: 4180 Delikte im Kreis Freudenstadt – Diebstähle dominieren

Die Pforzheimer Polizei hat 2024 auch 150 Messerangriffe registriert.
Ingo Wagner/dpa- 2024 präsentierte die Polizei Pforzheim die Kriminalstatistik.
- Freudenstadt verzeichnete 4180 Straftaten, 2,1% weniger als 2023.
- Diebstahl führte mit 1171 Fällen, gefolgt von Sachbeschädigungen (598) und Körperverletzungen (544).
- 2030 Tatverdächtige, 77,73% sind männlich; 19,1% unter 21 Jahren.
- Anstieg bei Kinderkriminalität und Rückgang von Straftaten unter Alkoholeinfluss.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Polizeipräsidium Pforzheim hat am Donnerstag die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2024 veröffentlicht. Zum Bereich des Präsidiums zählen die Kreise Calw und Freudenstadt, der Enzkreis sowie die kreisfreie Stadt Pforzheim.
Daraus geht hervor, dass das Präsidium den zweitsichersten Bereich der 13 Präsidien in Baden-Württemberg verwaltet. Dies wird mittels der Kriminalitätsrate festgestellt. Sie beschreibt die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Hier liegt der Einzugsbereich des Pforzheimer Präsidiums bei einem Wert von 3944 und damit knapp hinter dem Präsidium Heilbronn (3940). Der landesweite Schnitt liegt bei einer Häufigkeitszahl von 5180.
Neuntsicherster Landkreis
Unter den 35 Landkreisen in Baden-Württemberg steht der Enzkreis in puncto Sicherheit auf Platz 1 (2826). Der Landkreis Calw rangiert an dritter Stelle (3009), der Landkreis Freudenstadt steht auf Position 9 (3438).
Aus der Statistik geht hervor, dass es im Kreis Freudenstadt im Jahr 2024 4180 Straftaten gegeben hat. Das sind 2,1 Prozent (90) weniger als noch 2023, aber mehr als der Durchschnitt seit dem Jahr 2020 (3983 Straftaten). Die Aufklärungsquote liegt für das vergangene Jahr aktuell bei 65,3 Prozent (2731) und damit um 2,6 Prozent (54) höher als noch 2023. Am häufigsten gab es im Kreis Freudenstadt Diebstahldelikte (1171), gefolgt von Sachbeschädigungen (598), Körperverletzungen (544) und Betrugsfällen (466).
Für die 4180 Straftaten im Kreis listet die Polizei insgesamt 2030 Tatverdächtige auf. Das sind 4,4 Prozent (94) weniger als noch im Jahr 2023. 1578 Tatverdächtige (77,73 Prozent) sind männlich, 452 weiblich. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren liegt bei 19,1 Prozent (388). Auffällig: Die Anzahl der Kinder, die im Kreis Straftaten verübt haben sollen, ist im Vorjahresvergleich um 42,1 Prozent auf 108 angewachsen.
Weiter teilt die Polizei mit, dass 171 Tatverdächtige (8,4 Prozent) unter Alkoholeinfluss handelten, was 31,9 Prozent weniger (80) als 2023 sind. 37,7 Prozent (765) der Straftaten im Kreis Freudenstadt, und damit 26 (14,8 Prozent) weniger als 2023, sollen von Ausländern begangen worden sein - davon 150 durch Geflüchtete und Asylbewerber.
Kreis Freudenstadt im Detail
In der polizeilichen Kriminalitätsstatistik sind 4180 Straftaten im Kreis Freudenstadt aufgeführt. Was sind das für Delikte? Eine Auswahl.
Straftaten gegen das Leben: Es wurden fünf Straftaten gegen das Leben, darunter zwei Mordfälle (versucht oder vollendet), im Kreis registriert. Beide wurden aufgeklärt. Im Jahr 2023 hatte es nur zwei Straftaten gegen das Leben gegeben.
Diebstahl: Die meisten Straftaten, nämlich 1171, wurden im Kreis Freudenstadt durch Diebstahl registriert. Das waren in diesem Bereich 12,8 Prozent (172) weniger als noch im Jahr 2023. Führend im vergangenen Jahr ist der einfache Ladendiebstahl mit 321 Fällen.
Rohheitsdelikte: In dieser Kategorie, zu der Raub und Körperverletzung zählen, gab es 796 Taten. Das ist ein Anstieg von 9,8 Prozent (71) im Vergleich zum Vorjahr.
Sexualstraftaten: Im Kreis gab es zudem 154 Sexualstraftaten. Das sind 4,9 Prozent (162) weniger als noch 2023. Am häufigsten, jeweils 74-mal, lautet der Vorwurf Ausnutzen sexueller Neigungen sowie Verbreitung pornografischer Schriften. 22 Taten gab es im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern (sechs weniger als noch 2023).
Vermögens- und Fälschungsdelikte: In diesem Bereich wurden 674 Straftaten und damit 31 (4,4 Prozent) weniger als noch 2023 registriert. Klar dominierend ist hierbei der Betrug mit 466 Fällen.
Sonstige Straftaten: Gemäß des Strafgesetzbuches gab es außerdem 1177 weitere Straftaten. Das sind 183 (18,4 Prozent) mehr als noch im Jahr zuvor. Hier fließen vor allem Sachbeschädigungen (598) und Beleidigungen (222) in die Statistik ein.
Strafrechtliche Nebengesetze: Unter diese Kategorie fallen Drogendelikte, die den größten Teil der 203 Fälle ausmachen, aber auch Straftaten gegen das Aufenthaltsgesetz. Letztere wurden 13-mal und damit fünfmal (27,8 Prozent) weniger als 2023 registriert. Insgesamt wurden hier 136 Fälle (40,1 Prozent) weniger als noch 2023 erfasst und damit wurde der mit Abstand niedrigste Wert seit 2020 erreicht. Das Pforzheimer Präsidium führt das auf die Cannabis-Legalisierung zurück.
Dazu sagt allgemein Innenminister Thomas Strobl: "Die gute Gesamtentwicklung hat freilich, wie übrigens in anderen Ländern auch, mit der Legalisierung von Cannabis zu tun. Mit der Legalisierung von Cannabis wiegen wir uns freilich in falscher Sicherheit, einer Scheinsicherheit – schaffen gravierende Probleme an anderer Stelle. Das Ganze ist ein Doppelwumms für die Organisierte Kriminalität, ein Konjunkturprogramm für den Schwarzmarkt. Wir verlagern obendrein die Probleme in die Psychiatrien und führen junge Menschen damit auf den völlig falschen Weg. Und wir schaffen ein enormes Verkehrssicherheitsproblem und beschädigen damit die harte Arbeit unserer Polizei."

Innenminister Thomas Strobl.
Markus Lenhardt/dpaDer komplette Präsidiumsbereich
Weiter geht der Blick auf den gesamten Bereich des Pforzheimer Präsidiums. Die Anzahl der registrierten Straftaten dabei ist im Vergleich zu den Vorjahren mit 24.366 Fällen rückläufig (2022: 22.616, 2023: 24.537). Die Aufklärungsquote liegt bei 60,5 Prozent und damit niedriger als im Kreis Freudenstadt (65,3 Prozent). In der Mitteilung nennen die Beamten noch einiges, was 2024 im Präsidiumsbereich aufgefallen ist.
Körperverletzung: Diese Delikte waren rückläufig gegenüber dem Vorjahr. Mit 3067 Fällen stellt dies jedoch immer noch den zweithöchsten Stand im Zehnjahresvergleich dar. „Nach dem Anstieg der Fallzahlen bei Körperverletzungs- und Diebstahlsdelikten haben wir Ende 2023 sofort reagiert“, sagt Polizeipräsident Christian Dettweiler. Offene Präsenz, verdeckte Maßnahmen und gezielte Prävention seien hier die Maßnahmen.
Messer im Einsatz: Insbesondere bei Fällen der Körperverletzung und der Bedrohungen spielen Messer als Tatmittel oft eine Rolle. Nahezu die Hälfte aller Straftaten mit Messer wurden im öffentlichen Raum begangen. 90 Prozent der Täter sind männlich und fast drei Viertel bereits polizeilich bekannt. Im Jahr 2024 wurden beim Polizeipräsidium Pforzheim 150 Messerangriffe registriert.
Häusliche Gewalt: Fälle dieser Art weisen einen Anstieg um 4,9 Prozent auf ein neues Zehnjahreshoch auf. Knapp 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Nach wie vor dürfte laut Polizei ein geändertes Anzeigeverhalten der Opfer mitursächlich für den Anstieg sein.
Gewalt gegen Polizeibeamte: Sie ist deutlich angestiegen (2024: 203 Fälle, 2023: 221), womit auch hier ein negatives Zehnjahreshoch erreicht wurde. Etwa jeder zweite Täter hatte Alkohol im Blut, mehr als drei Viertel der Tatverdächtigen waren der Polizei bereits bekannt.
Cybercrime: Hier ist ein Anstieg von 8,2 Prozent zu verzeichnen. Verantwortlich waren Anstiege beim Computerbetrug sowie bei Beleidigungen und Bedrohungen. „Die Digitalisierung schafft eine wachsende Angriffsfläche und die Entwicklung immer ausgeklügelter Angriffsmethoden, die Anonymität von Kryptowährungen und der Einsatz künstlicher Intelligenz erweitern die Möglichkeiten der Cyberkriminellen“ wird Uwe Carl, Leiter der Kriminalpolizeidirektion Calw, zitiert.
Falscher Polizeibeamter: Die Fallzahlen dieser Betrugsmasche haben sich mehr als verdoppelt. 88 Prozent blieben im Versuchsstadium stecken. In 18 Fällen machten die Täter eine durchschnittliche Beute von über 43.000 Euro. Die Schadenssumme beläuft sich auf 800.000 Euro. Da die Täter meist aus Callcentern im Ausland agieren, liegt die Aufklärungsquote bei 5,2 Prozent. Carl: „Es ist bestürzend, wie skrupellose Täter ihre Opfer überrumpeln und unter Druck setzen.“
Prävention: Im Jahr 2024 führte das Referat Prävention im ganzen Präsidium fast 1400 Veranstaltungen durch und erreichte rund 38.000 Teilnehmer. Die Bandbreite reicht von Beratungen zu Sucht und Social-Media bis zu Einbruchsschutz und Vorträgen.
Zur Mitteilung des Polizeipräsidiums Pforzheim.
Zur Mitteilung des Landes Baden-Württemberg.

