Kreis Freudenstadt · Gesellschaft: Großstadtprobleme sind auf dem Land angekommen

Saskia Esken (Zweite von links) stattete der Erlacher Höhe einen Besuch ab und sprach mit Wolfgang Günther (Mitte). Mit dabei waren der Baiersbronner SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Gerhard Gaiser sowie Mitarbeiter der Erlacher Höhe (links). Privatbild
Nicht gesetztDie Wohnungsnot ist auch im Landkreis Freudenstadt angekommen. Gerade für Menschen mit niedrigem Einkommen oder in sozialen Notlagen wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Diese Menschen unterstützt die Erlacher Höhe mit ihren Angeboten in Freudenstadt.
Um über die aktuelle Situation und Herausforderungen zu sprechen, hat die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parteivorsitzende Saskia Esken in Begleitung des Kreistagsfraktionsvorsitzenden Gerhard Gaiser die Erlacher Höhe in Freudenstadt besucht. Im Gespräch mit Abteilungsleiter Wolfgang Günther und seinem Team hat sich die Abgeordnete zur Wohnungsnotfallhilfe und weiteren Themen der Sozialpolitik ausgetauscht. Bekanntlich ist eine fundierte Kenntnis der Realität die wichtigste Grundlage für eine wirksame Politik, so Esken.
Bündnis barrierefreies Wohnen
Günther und sein Team setzten große Hoffnungen in eine Erhebung, die das Statistische Bundesamt 2022 erstmals durchführt und die dazu dienen soll, einen verlässlichen Überblick über die Situation wohnungsloser Menschen in Deutschland, aber auch ganz konkret vor Ort zu erhalten. Denn der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist auch im Landkreis Freudenstadt längst angekommen.
„Um dieser Entwicklung zu begegnen und die Situation am Wohnungsmarkt zu entschärfen, müssen sich alle Akteure an einen Tisch setzen“, machte der Baiersbronner Gerhard Gaiser für die SPD-Kreistagsfraktion deutlich.
Die Fraktion regt an, ein Bündnis für barrierefreies Wohnen sowie den sozialen Wohnungsbau im Landkreis ins Leben zu rufen und hat einen entsprechenden Antrag in den Kreistag eingebracht. Esken bestärkte Gaiser und seine Fraktion in diesem Vorgehen: „Das ist genau der Ansatz, den die Bundesregierung mit der Wohnungsbauministerin Klara Geywitz jetzt vorantreibt“, sagte sie. Es brauche Bündnisse für bezahlbaren Wohnraum, um die Wohnungsknappheit zu überwinden.
Doch nicht nur steigende Mieten bereiten Menschen mit geringem Einkommen große Sorgen. Aktuell kommen massiv gestiegene Energiekosten dazu, die die Preise für Strom, Heizung und Kraftstoffe in die Höhe treiben. Ein wichtiger Baustein sei da der von der Ampel beschlossene Heizkostenzuschlag, den Wohngeldberechtigte und Bezieher von Bafög und Ausbildungsbeihilfe erhalten, so Esken. Eine Person erhält einmalig 135 Euro, für zwei werden 175 Euro ausgezahlt und für jeden weiteren Bewohner im Haushalt gibt es 35 Euro. Auszubildende und Studierende erhalten auf Antrag 115 Euro.
„Menschen dürfen nicht wegen ihres geringen Einkommens in einer kalten Wohnung sitzen“, bewertet Esken die Hilfe. Um die Wohnungsnot zu bekämpfen, müsse auch im Kreis Freudenstadt Wohnraum gebaut oder erschlossen werden, gerade im für geringe und mittlere Einkommen bezahlbaren Segment. Gaiser und Esken sehen hier auch die Kreisbaugenossenschaften in der Pflicht, die zur Gemeinnützigkeit zurückkehren müssten, um dieses Ziel zu erreichen. Zum Abschluss des Gesprächs nahm Günther die Gäste mit auf einen Rundgang durch die umfassend renovierte Tagesstätte „Windrad“. Knapp 300000 Euro wurden hier mit der Förderung des Kommunalverbandes Jugend und Soziales investiert.
Förderung über 2022 hinaus
„Es wäre sehr wichtig, im Sinne der Menschen und im Sinne einer nachhaltigen Umsetzung der Konzepte, wenn die Finanzierung für über 2022 hinaus gesichert würde“, gab Wolfgang Günther der Abgeordneten mit und bezog sich unter anderem auf das Coaching für wohnungslose und arbeitslose Menschen.