Kraniche im Nordschwarzwald
: In Formation über Nationalpark und Neckartal

In diesem Jahr sind viele Kraniche auf ihrem Weg in den Süden zu sehen - und zu hören. Auch im Neckartal sind sie schon gesichtet worden, außerdem über dem Nationalpark Schwarzwald.
Von
NC
Kreis Freudenstadt
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In ihren Formationen fliegen die starken und erfahrenen Individuen an der Spitze, gefolgt von weiteren Familien mit ihren Jungtieren. Zu hören sind sie auch sehr gut.

In ihren Formationen fliegen die starken und erfahrenen Individuen an der Spitze, gefolgt von weiteren Familien mit ihren Jungtieren. Zu hören sind sie auch sehr gut.

Arne Kolb / Nationalpark Schwarzwald
  • Viele Kraniche ziehen im Spätherbst von Skandinavien in den Südwesten.
  • Sie fliegen in Formationen über Nordschwarzwald und Neckartal.
  • Esther del Val Alfaro, Ornithologin, beobachtet Gruppen von bis zu 1.000 Vögeln.
  • Wetterbedingungen beeinflussen ihre Route; Hochdruckwetter ist ideal.
  • Beobachtungen können an Forschungsteams gemeldet werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Spätherbst, sobald das Wetter kühler wird, machen sich alljährlich Tausende von Kranichen auf den Weg von ihren Brutquartieren in Skandinavien und Nordosteuropa in ihre Winterquartiere im südwestlichen Mittelmeerraum. „Auch in diesem Jahr kann man wieder regelmäßig keilförmige Formationen in Truppgrößen von etwa 50 bis zu 1.000 Kranichen über dem Schwarzwald beobachten“, sagt Esther del Val Alfaro, Ornithologin im Nationalpark Schwarzwald.

Die meisten Kraniche fliegen in einem Korridor über Mitteldeutschland nach Südwesten und nur bei starken Nordwestwinden wurden die Tiere auch über dem Nordschwarzwald beobachtet. Seit einigen Jahren hat sich aber auch über dem südwestlichen Baden-Württemberg eine neue Zugroute mit Kranichen aus Osteuropa etabliert. So gab es in den letzten Jahren zunehmend Beobachtungen ziehender und mitunter auch kurzzeitig rastender Trupps in der Region. „Die einzelnen Tiere sind im Flug gut an ihren langen, gestreckten Hälsen und über den Schwanz herausragenden Beinen zu erkennen“, berichtet die Vogelkundlerin.

Auch übers Neckartal zog dieser Tage ein solcher Formationsflug hinweg. Zu sehen war er gut von der Ahldorfer Höhe, wo die Vögel das Tal entlang aus Richtung Tübingen gen Schwarzwald flogen.

In ihren Formationen fliegen die starken und erfahrenen Individuen an der Spitze, gefolgt von weiteren Familien mit ihren Jungtieren. Zu hören sind sie auch sehr gut: „Ihre lauten und sehr auffälligen trompetenartigen Rufe dienen der Verständigung, damit der Schwarm während der Reise zusammenbleibt“, erklärt Esther del Val Alfaro.

Hochdruckwetter bietet optimale Flugbedingungen

Kraniche ziehen bevorzugt bei Hochdruckwetterlagen, die ihnen optimale Flugbedingungen bieten, um möglichst kräftesparend voranzukommen. Unter günstigen Bedingungen können sie dann nonstop bis in ihre Überwinterungsgebiete in Frankreich und Spanien ziehen. Mitunter zwingen ungünstige Wetterlagen die Tiere aber auch zur Rast. Felder mit Ernterückständen bieten dann Nahrung auf der Reise, um die Reserven wieder aufzufüllen, und große Feuchtgebiete werden gerne als Schlafplätze genutzt.

Das herbstliche Schauspiel wird im Schwarzwald keine Seltenheit bleiben. „Da die Bestände der osteuropäischen Kraniche weiter zunehmen und die Art inzwischen auch wieder in Ostdeutschland und Bayern brütet, ist auch in den kommenden Jahren damit zu rechnen, dass zwischen Mitte Oktober und Ende November durchziehende Trupps den Nordschwarzwald überqueren“, sagt del Val Alfaro.

Wer die Vögel sieht, kann gerne die Beobachtung unter Angabe von genauem Ort, Datum und Uhrzeit an das Forschungsteam unter Kontakt-FB2@nlp.bwl.de melden. „Die Daten können helfen, mittel- und langfristige Veränderungen auf dieser Zugroute zu erkennen, die letztlich auf die Entwicklung der Brutbestände in den Sommerquartieren zurückzuführen sind“, erklärt die Ornithologin.