Konzert
: Kampf des Guten gegen das Böse

„Ein feste Burg ist unser Gott“: Bachs berühmte Kantate zum Reformationstag füllte die evangelische Stadtkirche zum 200. Geburtstag der Bauder-Kantorei.
Von
Petra Haubold
Sulz

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Nicht gesetzt

Die Bauder-Kantorei, das Stuttgarter Kantatenorchester, ein Blechbläserensemble aus Ludwigsburg und vier Solisten führten am Dienstag, dem Jubiläumstag wegen 500 Jahren Reformation, Johann Sebastian Bachs Choralkantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ auf. Ein klangvolles Zeichen für die Kraft des Glaubens überzeugte beim Jubiläumsgottesdienst in der vollbesetzten Stadtkirche.

Einen so großen Zustrom hat die evangelische Stadtkirche schon lange nicht mehr erlebt: Über 500 Zuhörer wollten sich Bachs berühmte Choralkantate zum Reformationsjubiläum nicht entgehen lassen. Das Publikum erlebten eine konzentriert dargebotene Aufführung, die vom ersten bis zum letzten Takt daran erinnerte, dass die feste Burg des Glaubens auch heute den Fratzen des Teufels zu trotzen vermag.

Unter der engagierten Leitung von Erika Rieder hatten die gut 40 Chorsänger und die Instrumentalisten die Fassung von Wilhelm Friedemann Bach mit zusätzlichen Trompeten einstudiert.

Schon der kunstvoll durchkomponierte Eingangschor beim Choral „Ein feste Burg“ beeindruckte mit einer Reihe von Variationen, Klangfarbenvielfalt und hohem Ausdrucksvermögen. Luthers Choral wurde von Beginn an nicht nur virtuos vom Chor dargeboten. Auch die Oboen und die Bassinstrumente setzen in dieser kunstreichen Motette sofort ein.

Im Duett sangen Sopranistin Uta Mittelbach und Michael Meyer als Basssänger das Bekenntnis „Mit unserer Macht ist nichts getan“. Untermalt von Violinen ging die Musik direkt ins Herz.

Der bittenden Sopranarie „Komm in mein Herzenshaus“, die von Gerhard Ziegler auf dem Kontrabass und von Naoko Fendrich auf der Orgel begleitet wurde, waren ganz zarte Töne angehaftet.

Dekan Ulrich Vallon skizzierte einen Spannungsbogen vom Jahr 1517 bis heute und freute sich insbesondere über ein „besonderes Fest“, das den Geburtstag der Bauder-Kantorei anzeige. Die ursprünglichen Ziele der Sänger seien heute noch aktuell. „Wenn wir die Klänge der Bach’schen Kantate hören, befinden wir uns in direkter Nachbarschaft mit dem Himmel“, sagte der Dekan. Schließlich habe das Luther-Lied quasi „als protestantische Nationalhymne“ im evangelischen Gesangbuch seinen Platz unter der Rubrik „Angst und Vertrauen“ schon längst gefunden. Dass Luther zwar wohl zu den Meistern des Wortes gehörte, dabei aber wusste, dass Musik die Menschen viel besser erreichen kann, als jedes gesprochene Wort, beschrieb der Dekan in seiner Predigt anhand von Beispielen. „Damals hatten seine Lieder eine so elektrisierende Wirkung wie heute Fan-Gesänge im Fußballstadion.“ Ulrich Vallon zeichnete in der Predigt die Strophen des Luther-Liedes nach und betonte, dass die Choräle der Reformation auf Zuversicht, Hoffnung und Vertrauen fußen und „der Angst, dem Terror und dem Tod die Macht nehmen“.

Einstimmig erklang die dritte Strophe „Und wenn die Welt voll Teufel wär“, bevor die Gemeinde beim Kirchenlied „Ist Gott für mich, so trete“ mitsingen durfte.

Das innig gesungene Duett von Altistin Kerstin Wagner und Tenor Reto Raphael Rosin „Wie selig sind doch die, die Gott im Munde tragen“ war durchflochten von stimmlichem Glanz und transparenter textlicher Klarheit. Dabei wurde glasklar artikuliert.

Solisten brillieren

Besonders gut gelang das Tenor-Rezitativ „So stehe dann bei Christi blutgefärbter Fahne“, bei dem es zu jeder Phrase Einiges zu entdecken gab.

Der Schlusschoral „Das Wort sie sollen lassen stahn“ vereinigte nochmals Horn, Oboen, Violinen, Trompeten, Pauke und Sänger zu einem strahlenden Ganzen, das Anfang, Mitte und Schluss dieser Reformations-Kantate verband.

Der langanhaltende Beifall und die Zugabe mit dem mehrstimmig gesungenen Eingangslied waren ein würdiges Ende für einen gelungenen Festgottesdienst.