Kolumne
: Wie ein Handelsstreit sich auf ein Katzenleben auswirkt

Dunja Bernhard überlegt, Trockenfutter online zu bestellen.
Von
Britta Meyer
Horb

Schwäbisches Tagblatt

.

„D ann bestell’ es doch im Internet“, sagte der 16-Jährige. Es ging um das einzige Trockenfutter, das unserer Katze genehm ist. Im Lebensmittel-Vollsortimenter meines Vertrauens ist seit Wochen dort, wo das Futter stehen sollte, gähnende Leere. Ich griff zu dem Premium-Futter eines anderen Herstellers. Sehr zum Verdruss unseres Felltiers. Nach dem verheißungsvollen Geräusch, wenn Trockenfutter in Metallnapf fällt, nähert es sich zunächst rasch, dann langsamer werdend der Futterstelle, streckt die Nase vor, wendet sich um und schaut mich lange und eindringlich an, gefolgt von einem Maunzen.

Die Ursache für das fehlende Produkt dürfte im Streit der Handelskette mit den Lieferanten liegen. Diese fordern höhere Preise, die der Lebensmittelanbieter für überzogen hält. Ich weiß noch nicht so recht, was ich von der Sache halten soll. Katzenfutter im Internet zu bestellen, kam mir bisher nicht in den Sinn. Auch, weil ich stets dem örtlichen Handel den Vorzug gegeben habe.

Der Sohn hat da eine ganz andere Ansicht - nicht nur bei Katzenfutter. Wenn es die Jeans seiner Wahl im Geschäft nicht in der passenden Länge gibt, sagt er: „Ich schau mal im Internet.“ Dass die Bundweite passt und die Farbe gefällt, weiß er dann schon. Wäre die richtige Größe vorrätig gewesen, hätte er sie gleich mitgenommen - auch wenn sie vor Ort meist etwas teurer ist.

Mein Kollege, erfuhr ich heute Morgen, kauft sein Hundefutter auch im Internet. Das sei eine ganz spezielle Sorte, fügte er erklärend hinzu. Sie sei im örtlichen Einzelhandel nicht zu bekommen. Außerdem gebe es im Internet ordentlich Rabatt.

Mich bringt das in eine Zwickmühle. Ich möchte nicht dazu beitragen, dass noch mehr Lieferwagen und Postautos durch die Wohnstraße brausen und zahlreich kleine Päckchen vor der Tür ablegen.

So wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, Bounty im Internet zu bestellen, wie mein anderer Sohn vor einigen Wochen vorschlug, weil ich wirklich darbte. Diese von Schokolade umhüllte Kokosmasse ist meine absolute Lieblingssüßigkeit. Sie war gefühlt monatelang aus den Regalen verschwunden. In Paris entdeckte ich sie in einem winzigen Laden mitten in der Innenstadt. Ich wollte gerade zugreifen, mir lief sozusagen schon das Wasser im Munde zusammen, da entdeckte ich den völlig überteuerten Preis. Nein, sagte ich mir, das ist es nicht wert.

Bounty ist in den Regalen zu einem vertretbaren Preis zurück, das Katzenfutter noch nicht. Regale, die leer bleiben, weil Industrie und Handel miteinander um Preise kämpfen, irritieren mich. Knappheit wegen Lieferengpässen, wie bei Weizen oder Speiseöl zu Beginn des Ukrainekriegs, kann ich nachvollziehen.

Unsere Katze ist heute Morgen für ihr Nickchen, mit dem sie den Tag verstreichen lässt, von der Fleecedecke vor meinem Zimmer in den Keller auf die ausrangierte Trainingsjacke meines Sohnes umgezogen. Zufall?

Ich habe daraufhin doch mal im Internet nach dem bevorzugten Futter geschaut. „Auf Lager“, heißt es dort. Es wären nur zwei Klicks. Bei regelmäßiger Lieferung bekäme ich sogar Rabatt. Dann müsste ich nicht mehr extra los, weil das Katzenfutter aufgebraucht ist und würde nicht noch dies und das im Geschäft mitnehmen und mehr ausgeben als geplant.

Noch habe ich nicht auf „Jetzt kaufen“ geklickt. Wenn die Katze mich heute Abend wieder so eindringlich anschaut und mir dann den Fellrücken zukehrt, werde ich darüber noch mal nachdenken. Der Lebensmittelmarkt meines Vertrauens würde mich dann seltener sehen.