Kolumne
: Über leere Kühlschränke und Bürsten mit Füßen

Dunja Bernhard lebte über Jahre mit vier Teenagern zusammen. Das brachte einige Herausforderungen mit sich, aber auch eine süße Überraschung.
Von
Britta Meyer
Horb

Schwäbisches Tagblatt

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In einer Familienzeitschrift klagte eine Mutter: „Ist es zu viel verlangt, dass ich die Bürste am Abend da wiederfinde, wo ich sie am Morgen hingelegt habe?“ Wer mit männlichen Teenagern die Wohnung teilt, wird hier weitere Beispiele für wundersames Verschwinden anfügen können. „War gestern Abend nicht noch eine ganze Leberwurst im Kühlschrank?“ Greift die Erstaunte in Ermangelung der Wurst beherzt nach dem Frischkäse, wird sie feststellen, dass zwar die Verpackung noch gekühlt wird, aber der Inhalt fehlt. Da hatte der Sohn nach Rückkehr aus dem Fitnessstudio wohl noch Hunger.

Töchter haben es eher auf das neue Kleid oder das hippe T-Shirt der Mutter abgesehen. Blöd, dass sie gerade nicht da ist, um die Erlaubnis einzuholen. Nach der Wäsche wird das Teil schon wieder seinen Weg finden, denkt sich die Jüngere. Doch dafür müsste es zunächst im Wäschekorb landen, wendet die Ältere ein.

Dann bleibt noch der Unsicherheitsfaktor Vater. In bester Absicht nimmt der Mann die Wäsche ab und verteilt nach Gutdünken die Wäschestücke in die Kleiderschränke. Was denkt er sich dabei, wenn er das XXL-T-Shirt, quietschblau, mit dem Aufdruck einer Toastscheibe in die Schrankhälfte der Frau einsortiert und das taillierte T-Shirt mit angeschnittenen Ärmeln in Größe S dem Fitnessstudio gestählten Körper des 17-Jährigen zuordnet? Dass das geblümte Kleid, das er gestern an seiner Tochter sah, im falschen Schrank landet, ist ihm nicht anzulasten. Ihm sei zudem zugute zu halten: Er hat sich bemüht.

Doch Dinge verschwinden nicht nur klammheimlich. In Haushalten mit Teenagern gibt es vielerorts auch ein Zuviel. Mitten im Flur liegen mal wieder Jordans, Birkenstock und Riemchensandalen. Platz wäre noch auf dem Schuhregal. Auch an der Garderobe. Doch Jacke und Sweatshirt sind schneller auf dem Stuhl im Wohnzimmer abgelegt. Das verschwitzte Top lungert eine Etage höher auf dem Badezimmerhocker - rechts. Das scheint weniger Anstrengung zu kosten, als das Teil links in den Wäschekorb zu werfen. In den Sümpfen aus Kleidungsstücken auf Böden von Teenagerzimmern wollen wir hier besser nicht graben.

Der Esstisch, mitten im Wohn-Ess-Küchenraum stehend, ist auch so ein idealer Ablageplatz: Post, nicht abgeräumte Teller und Gläser, Zeitungen, Schlüssel, Klassenarbeiten, Noten und In-Ear-Kopfhörer finden dort für längere oder kürzere Zeitspannen einen Verweilort.

Heute Morgen stand gar der Schulrucksack auf der Tischplatte und daneben: Eine Prinzenrolle! Ich liebe diesen Doppelkeks mit der eingeklemmten Schokocreme. Die Packung war schon geöffnet. Was lag da näher als ... Knacks, Krispel, Krümel. Mmh!