Kolumne: Dießen am Mekong

Dem Biber steht das Wasser bis zum Hals? Juckt ihn doch nicht. Sehr zum Ärger mancher Menschen, die ihr Feld bestellen.
Patrick Pleul/dpaMan sagt, der Biber sei der Architekt der Natur. In den Horber Teilorten, insbesondere im beschaulichen Dießen, hat er aber eher die Rolle eines ungeladenen Landschaftsgärtners mit Hang zum Extrem-Tiefbau übernommen. Während in Mühlen noch über mechanische Sperren und Drahtmanschetten für Bäume nachgedacht wird, hat der Biber oberhalb des Dießener Sportplatzes längst Fakten geschaffen. Eine Ackerwiese, die einst festen Boden unter den Füßen bot, erinnert heute eher an ein Feuchtbiotop.
Doch wo der gemeine Landwirt verzweifelt und der Naturschützer von „Naturverjüngung“ schwärmt, beweist die Dießener Bevölkerung echte strategische Weitsicht. Wenn der Biber die Wiese flutet, dann kämpft man nicht gegen das Wasser – man passt die Fauna an. Der trockene Kommentar der Besitzergattin, dort „irgendwann einfach Wasserbüffel hinzustellen“, ist weit mehr als nur süffisantes Geplänkel. Es ist eine Vision für das „Dießen von morgen“.
Stellen wir uns das Szenario vor: Während unten am Sportplatz noch die Fußballschuhe im Matsch versinken, grasen oberhalb majestätisch asiatische Hausbüffel. Wo früher der Traktor einsank, suhlt sich nun der Bubalus arnee im staatlich geförderten Biber-Pool. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wasserbüffel sind als „exotische Heimkehrer“ bekannt, die mit sumpfigem Untergrund deutlich besser klarkommen als die lokale Fleckvieh-Prominenz. Und während der Biber am Ufer weiter an seiner nächsten Staustufe knabbert, könnte der Büffel ihm gelassen zuschauen – ein Duo, das den Begriff „Biotopverbundplanung“ völlig neu definiert.
Ist die Wasserbüffel-Lösung der einzig logische Schritt?
Natürlich könnte man auch auf die neue Biberverordnung von 2026 hoffen. Diese erlaubt es theoretisch, Dämme bei „akuter Gefahr“ zu entfernen. Doch wie wir aus Mühlen wissen, ist ein abgerissener Damm für einen Biber lediglich eine Einladung zu einem motivierten Wochenendprojekt – am nächsten Morgen steht die Burg wieder, meistens noch ein Stückchen höher.
Vielleicht ist die Wasserbüffel-Lösung also der einzig logische Schritt in der Evolution der Horber Teilorte. Wenn der Neckar und seine Zuflüsse erst einmal flächendeckend unter Biber-Regie stehen, wird aus dem „Tor zum Schwarzwald“ eben ein subtropisches Paradies. Und wer weiß? Vielleicht gibt es bald zum lokalen Bier nicht mehr die klassische Rote Wurst, sondern den ersten Dießener Büffel-Mozzarella. Der Biber hat geliefert – jetzt müssen nur noch die Büffel kommen. Bis dahin empfiehlt sich für den Besuch der Ackerwiese: Gummistiefel und eine Prise Galgenhumor.