Kolumne
: Alles sicher – oder was?

Warum das Schließfach uns sicher schlafen lässt – bis der Maulwurf kommt.
Kommentar von
Michael Stock
Horb
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Wenn’s um Geld geht … Sparkasse? Beim Schließfach geht es eher um das eigene Risiko.

Wenn’s um Geld geht … Sparkasse? Beim Schließfach geht es eher um das eigene Risiko.

Michael Stock

Mal ehrlich: Haben wir nicht alle diesen einen Film im Kopf? George Clooney in einem schicken Anzug, Laserstrahlen im Flur und ein Tresor, der mit dem zarten Klicken eines Stethoskops öffnet. Der Einbruch in eine Bank in Gelsenkirchen war leider weniger „Ocean’s Eleven“ und mehr „Flintstones“: Da wurde gebohrt, bis der Beton nachgab und rund 3000 Schließfächer ihre Geheimnisse preisgaben. Ein Albtraum für Kunden, ein Fest für Goldgräber – und auch für uns hier im Flecken Anlass, mal ganz nervös am eigenen Schlüsselbund zu nesteln.

Wer nun bei der Volksbank Nordschwarzwald oder der Kreissparkasse Freudenstadt anklopft, bekommt die verbale Beruhigungspille serviert. Torsten Karle von der Volksbank erinnert uns fast schon philosophisch daran, dass eine „100-prozentige Sicherheit“ im Leben nicht existiert. Stimmt, man kann auch auf einer Bananenschale ausrutschen, aber die lagert meistens nicht im Tresorraum. Bianca Bok von der Sparkasse wiederum betont, dass die Schließfächer trotzdem viel besser seien als das heimische Versteck unter der Matratze oder in der Keksdose. Und sie hat ja recht: Wer zu Hause eine Kernbohrung durchführt, hat meistens nur ein Problem mit der Hausverwaltung, nicht mit der Bafin.

Feuchter Händedruck und Goldmünzen-Attrappen

Doch jetzt kommt der Clou, bei dem das Lächeln der Kunden so spröde wird wie der Gelsenkirchener Beton: die Haftung. Während wir dachten, unser Gold liege im Fort Knox des Schwarzwalds, lernen wir nun: Die Bank liefert eigentlich nur die Garage für den Klunker. Wenn der „Maulwurf“ kommt, steht man bei der Volksbank versicherungstechnisch erst mal auf verlorenem Posten – „nicht über die Bank versichert“, heißt es da trocken.

Und bei der Sparkasse gibt es für 10.000 Euro Grundabsicherung im Ernstfall vielleicht gerade mal einen feuchten Händedruck und ein paar neue Goldmünzen-Attrappen.
Die Lehre aus der Gelsenkirchener Tunnel-Show? Wer seine Schätze liebt, der fotografiert sie. Am besten mit der aktuellen Tageszeitung im Bild, wie bei einer Entführung. Denn wer ohne Inventarliste bei der Versicherung anklopft, nachdem Profi-Bohrer im Tresor gewütet haben, der bekommt als Antwort höchstens ein mitleidiges Lächeln – und das ist leider auch zu 100 Prozent sicher.

Also: Schließfach ja, aber bitte mit der Kamera im Anschlag und der Zusatzversicherung im Rücken. Sonst bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass das sicherste Versteck für Geld immer noch die Dinge sind, die kein Einbrecher der Welt klauen will: alte VHS-Kassetten oder die Steuererklärung von 1998.