Kläranlagen im Eyachtal: Millionen-Investitionen ins Abwasser – Stilllegung der Mühringer Anlage?

Die Kläranlage bei Mühringen. Weiterbetreiben oder stilllegen? Das ist eine gute Frage.
Thomas Kost- Eyachtal prüft: Abwasser zentral im Karlstal reinigen oder zwei Anlagen weiterbetreiben.
- Gutachten beziffert Zentralisierung auf fast 33 Mio. Euro – Rückbau Mühringen inklusive.
- Weiterbetrieb beider Anlagen wäre günstiger: rund 25 Mio. Euro laut Strukturgutachten.
- Ingenieurbüro empfiehlt Stilllegung Mühringen und Ausbau Karlstal, Fördermittel möglich.
- Zeitplan sieht Planung bis „zwischen 2027 und 2030“ vor, Bauabschnitte folgen bis Rückbau ab 2036.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bad Imnau, Bittelbronn, Henstetten, Wiesenstetten, Dommelsberg, Dettensee und Mühringen – das Abwasser dieser Orte fließt bislang in die Kläranlage in Mühringen. Wäre es jedoch nicht besser, man würde dieses Abwasser nicht auf die wesentlich größere Sammelkläranlage im Haigerloch Karlstal leiten, damit diese besser ausgelastet ist und effizienter arbeiten kann?
Eine interessante Fragestellung, die das Ingenieurbüro Dreher und Stetter aus Empfingen mit der Erstellung eines Strukturgutachtens klären sollte. 50 Prozent der Kosten zur Erstellung dieser Expertise (rund 40.300 Euro) wurden übrigens vom Land bezahlt.
Investition in zweistelliger Millionenhöhe
Das Gutachten wurde jetzt dem Haigerlocher Gemeinderat vorgestellt und es besticht vor allem durch eines: gewaltige Zahlen. Unterm Strich spricht man von annähernd 33 Millionen Euro, welche die Konzentration der Abwasserklärung im Eyachtal auf nur eine Kläranlage kosten würde. Da musste auch der Haigerlocher Gemeinderat etwas schlucken, obwohl natürlich Haigerloch diese Mega-Investition nicht allein zu schultern hätte, sondern auch die anderen im Abwasserzweckverband Unteres Eyachtal zusammengeschlossenen Gemeinden – also Horb und Empfingen – ihr Scherflein beitragen müssen.
Die Gesamtinvestition im zweistelligen Millionenbereich verteilt sich auf mehrere Bereiche. Mit geschätzten Kosten von rund 1,8 Millionen Euro ist der Rückbau der für die derzeitige Belastung überdimensionierten Kläranlage hinter Mühringen noch ein relativ kleiner Posten. Um aber das Abwasser von Mühringen bergauf zum Pumpwerk in Bad Imnau befördern zu können, wären in der Mühringer Ortsrandlage der Bau eines Pumpwerks und eines Regenüberlaufbeckens erforderlich. Die Kosten dafür: schätzungsweise 7,8 Millionen Euro. Für das Pumpwerk kommen übrigens zwei mögliche Standorte beim früheren Schlosssprudelwerk in Betracht.
Größter Brocken ist das Karlstal
Auch in Bad Imnau müsste das Pumpwerk auf die neuen Anforderungen angepasst werden, was laut Dreher und Stetter fast zwei Millionen Euro verschlingt. Und dann kommt noch der Leitungsbau dazu. Von Mühringen nach Bad Imnau ist dieser mit rund 1,4 Millionen Euro veranschlagt und für die wesentlich längere Strecke von Bad Imnau ins Karlstal mit rund 4,5 Millionen Euro
Hohe Summen: Und dennoch hört sich das fast wie ein Klacks gegen das an, was die technische Aufrüstung der Kläranlage in Haigerloch kostet, um für mehr Abwasser gerüstet zu sein. Dort geht das Ingenieursbüro von Investitionen in der Größenordnung von knapp 15,5 Millionen Euro aus. Beispielsweise müssten zwei neue runde Nachklärbecken gebaut und der Gasspeicher aufdimensioniert werden.

15,5 Millionen Euro sind laut Strukturgutachten fällig, um die Klärnlage im Karlstal für die Verarbeitung von mehr Abwasser zu ertüchtigen.
Thomas KostGeht's nicht billiger? Zum Beispiel, indem man beide Kläranlagen weiterbetreibt und dort die jeweils erforderlichen Maßnahmen vornimmt, damit sie auch in Zukunft bedenkenlos ihre Betriebserlaubnis (ausgelegt für einen Zeitraum von 15 Jahren) erhalten? Ja, das ginge schon. Und es würde etwas günstiger. Insgesamt würde man bei einem Investitionsvolumen von etwa 25 Millionen Euro landen (12,6 Millionen für die Kläranlage in Haigerloch; 12,4 Millionen für die Kläranlage in Mühringen).
Ingenieurbüro rät zur Stilllegung
Das Büro Stetter und Dreher riet den Gemeinderäten jedoch zum kompletten Rückbau der Kläranlage in Mühringen und zur technischen Aufrüstung der Kläranlage im Karlstal. Das, so erklärte Eckard Stetter, einer der beiden Geschäftsführer des Empfinger Büros, sei langfristig die wirtschaftlichere Variante. Zwei von mehreren Gründen, die aus seiner Sicht dafür sprechen: Bei nur einer Kläranlage sind die Folgekosten niedriger. Es fällt weniger Wartung an und der Personalaufwand ist geringer. Außerdem kann man mit Fördermitteln rechnen.
Entscheidungen waren nach der Vorstellung des Gutachtens nicht gefragt, aber die Reaktion des Gemeinderates auf die Sachlage war relativ verhalten. Vor allem die Tatsache, dass sich die Investition für die Stilllegung des Standortes Mühringen und die Erweiterung des Standortes Haigerloch in der auf 60 Jahre angelegten Vergleichstabelle nicht besonders signifikant als Kostenvorteil auswirken, hat einige überrascht. „Es gibt so viele Stellschrauben, da müssen wir vor einer Entscheidung noch mehr ins Detail gehen“, meinte CDU-Gemeinderat Walter Stocker.
Abwasserverband tagt noch
Für Haigerlochs Bürgermeister Heiko Lebherz stellt sich die Frage, ob man bei einer Konzentration der Abwasserreinigung auf die Kläranlage im Karlstal, diese weiter von der Stadt betreibe oder sie dann auf den Abwasserzweckverband Unteres Eyachtal übergebe. Und wenn alles nicht zum Tragen komme, dann sei die separate Sanierung der beiden Kläranlagen „das Mindeste, was wir tun können“. Auf jeden Fall müsse man jetzt auf die Behörden zugehen und sehen, was an Fördermitteln möglich sei.
Auch der Abwasserzweckverband wird sich mit dem Strukturgutachten noch beschäftigten. Und zwar in seiner jährlichen Versammlung am Mittwoch, 21. September. Die bereits auf Ende Juni angesetzte Sitzung war wegen eines Formfehlers abgesagt worden.
Die möglichen Bauabschnitte und Kosten
Zwischen 2027 und 2030 könnte man die Planung für das Kläranlagenprojekt vorantreiben, den Förderantrag stellen und die Ausschreibung der Arbeiten vornehmen (1,5 Millionen Euro). Zwischen 2030 und 2034 könnte man die Kläranlage in Haigerloch sowie das Pumpwerk in Bad Imnau und die Leitung von Imnau ins Karlstal bauen (19,5 Millionen Euro). Zwischen 2034 und 2035 wären nach dieser „Roadmap“ der Bau eines Pumpwerks in Mühringen und der Leitungsbau nach Imnau an der Reihe (zehn Millionen Euro). Ab 2036 wäre als letzte Maßnahme der Rückbau der Kläranlage Mühringen vorgesehen (1,8 Millionen Euro).
