Kirche: Modernes Martyriumzum Reformationsfest

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Nicht gesetztDas große Reformationsjubiläum ist verklungen, der Glaube ist geblieben. Mit einem besonderen Gottesdienst begingen die evangelischen Christen in der Johanneskirche ihre „Church Night“ zum Reformationstag.
Einer Kampagne des Evangelischen Jugendwerkes entsprang vor einem Dutzend Jahren die Idee, neue Töne zu finden und jungen Menschen die aufregende Geschichte der Religion schmackhaft zu machen. In diesem Jahr überwogen jedoch die Besucher, die sich bereits über Jahrzehnte ihres reformierten Glaubens erfreuen, und fanden sich gut aufgehoben in den getragenen Weisen des Posaunenchores unter Charly Herrmann und dem moderneren Liedgut des „Musikteams“.
Pfarrerin Susanne Veith interpretierte das Thema „Gebet füreinander und miteinander“, dass dies die tragende Säule des Glaubens bilde. „Einen anderen Grund kann niemand legen als der gelegt ist in Jesus Christus.“ Sie lud alle ein, sich an diesem Abend dem Gebet ausgiebig zu widmen.
Die Zentralstelle der ChurchNight hatte fünf kurze Videoclips vorbereitet, in denen Glaubenszeugen in vorwiegend muslimischen Ländern Repressionen schilderten, denen sie wegen ihres Bekenntnisses zu Christus ausgeliefert sind. Die Familie des nordkoreanischen Pastors Cho war verhungert, als er sich zur Flucht nach China entschloss. Als er anderen Flüchtlingen helfen wollte, schob ihn die Grenzpolizei in ein nordkoreanisches Arbeitslager ab. Der angesehene Imam Haroon aus Pakistan überzeugte sich von der Liebe und Vergebung Christi, worauf man Mordanschläge auf ihn verübte. Pastor Musa aus Syrien widmete sich mit seiner Gemeinde in Syrien den Vertriebenen. In all der Zerstörung verkündet er dort Gottes Wirken. Maraya aus Ägypten mahnte gar, nicht zu beten, dass die Verfolgung aufhöre, sondern um Kühnheit und Stärke, noch mehr Zeugen für Gott zu gewinnen.
Modernes Märtyrertum
Den Gefahren des modernen Märtyrertums in Afrika und Asien stellten Zeugen der Gemeinde ihr persönliches Glaubenserlebnis gegenüber. Florian Müller empfand die Freiheit, sich Sonntags eine Kirche aussuchen zu können als „Religionsfreiheit pur“. Er verspüre „den Luxus, uns als Christen untereinander zu streiten“ als Ausdruck einer toleranten Gesellschaft, während die geschilderten Verfolgten täglich um ihr Leben fürchten müssten und sich dennoch ganz ihrer Überzeugung von der Liebe Gottes hingäben.
Die 94-jährige Trude Kühnemuth erinnerte sich ihres Konfirmationsspruchs „du siehst alle meine Wege“, doch erst die Einladung ihrer Freunde zu einem Segnungsgottesdienst machten sie mit Jesus vertraut. Mit junger Frische und Begeisterung schilderte Religionslehrerin Anja Heinzelmann, wie viel Freude es ihr mache, seit einem Jahr an der Realschule „von Jesus erzählen zu dürfen, und man bekommt auch noch Geld dafür“.
Die Kollekte wird ein Entwicklungsprojekt in Niger fördern, mit dem Familien Ziegen züchten, um damit die Schule ihrer Kinder zu bezahlen. So wird der Zugang zur Bildung den Ärmsten ermöglicht, die sonst im Analphabetismus verharren müssten.
Den gesamten Gottesdienst durchzogen die 11 Strophen des Ambrosianischen Lobgesanges „Te Deum“. Obwohl Martin Luther dazu eine eigene Fassung schrieb, bevorzugte die Gemeinde die katholische Nachdichtung „Großer Gott, wir loben Dich“. 1880 hatte die preußische Regierung diesen Hymnus zur Einweihung des Kölner Doms auf dem Höhepunkt des „Kulturkampfes“ verboten, nun erklang er voller Überzeugung in der evangelischen Johanneskirche in Horb.
Den regen Bedarf an Gedankenaustausch unterstützten die drei Braitmaier-Schwestern mit einem wohlbestückten Imbiss-Angebot im Gemeindesaal.