Innowatech aus Empfingen
: Salz statt Salzsäure für die Trinkwasser-Desinfektion

Wassermeister informierten sich in Aistaig über das Anolyte-Verfahren einer Empfinger Firma.
Von
NC
Empfingen/Aistaig

Innowatech-Geschäftsführer Volker Fischer (rechts) stellt die Anlage vor. Privatbild

Nicht gesetzt

Ein Dutzend Wassermeister aus Freudenstadt, dem Gäu und halb Baden-Württemberg trafen sich vor Kurzem im Wasserwerk in Oberndorf Aistaig. Sie informierten sich über eine zeitgemäß sanfte und nachhaltige Form der Trinkwasser-Desinfektion, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Zweckverband Wasserversorgung Kleiner Heuberg hat 2021 von der herkömmlichen Chlorung mit Chlordioxid auf das sanfte Anolyte-Verfahren umgestellt. Gastgeber Oliver Arnold, Technischer Betriebsführer der Netze BW im Werk in Aistaig, benennt die Vorteile: keine Lagerung von Gefahrstoffen wie Säure und Lauge unmittelbar auf sensiblem Terrain und die neue Anlage arbeite gefahrlos mit Salztabletten.

Ökologisch unbedenklich

Der vor Ort erzeugte Wirkstoff, so Arnold, sei ökologisch unbedenklich und auch niedrig dosiert hochwirksam. Noch im hintersten Winkel eines 30 Kilometer langen, weitverzweigten Rohrleitungs-Transportsystems zieht die eingesetzte Anolyte-Lösung Mikroorganismen aus dem Verkehr.

Der Wirkstoff ist Ergebnis von Elektrolyse. Die 2002 in Horb gegründete und seit 2011 in Empfingen ansässige Firma Innowatech hat ein spezielles Verfahren entwickelt (wir berichteten im Februar). Anders als andere Elektrolyse-Verfahren ist laut Innowatech das Anolyte genannte Desinfektionsmittel pH-neutral und wirkungsvoller. Firmengründer und Geschäftsführer Volker Fischer stellte die Anlage vor. Die Produktions- und Betriebskosten seien vergleichsweise gering, die Lebensdauer der Elektrolysezelle hoch.

Wassermeister Oliver Arnold räumte ein, anfangs skeptisch gewesen zu sein. Unter Wassermeistern war bislang die Chlordioxid-Methode gesetzt: Wenn im Wasserwerk ein gelbes Warnschild mit Totenkopf-Emblem hing, hieß das: Trinkwasser wird mit einem Mix aus Salzsäure und Natriumchlorid für den Transport über die kilometerlangen Leitungen zu den Verbrauchern gegen Keime abgesichert.

Probleme mit Korrosion

So war das auch in Aistaig, wo pro Jahr 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser für rund 35000 Menschen aufbereitet wird. Die alte Anlage, sagt Arnold, sei störungsanfällig gewesen. „Und es gab Probleme mit Korrosion.“

Die von dem Empfinger Unternehmen entwickelte Anolyte-Lösung ist auch ein chemisches Produkt. „Aber es besteht keine Korrosionsgefahr“, sagt Volker Fischer. „Mit der in

Kanister abgefüllten Lösung kann im Gegenteil auch der Hochbehälter geschrubbt und desinfiziert werden.“ Aistaigs Wassermeister Arnold ist zufrieden. Übers Jahr braucht er „knapp fünf Tonnen Salz, sonst nichts“.