Horb·Kultur: Rockig, aber achtsam

Was Rockmusik betrifft, haben Jessica Cremer und Tommi Zimmermann vom RockCafé Großes vor in Horb.
Karl-Heinz KuballNein, durch Sparsamkeit zeichnet sich die Dekoration im RockCaféHorb wirklich nicht aus. Wohin der Blick auch fällt, überall gibt es etwas zu entdecken. Die Wände sind mit Schallplatten (1000 an der Zahl!), CDs und kleinen Postern tapeziert, Modellautos hängen von der Decke, Drumsticks und eine Gitarre dürfen freilich nicht fehlen, und Kuscheltiere sorgen dafür, dass es „ein bisschen gemütlicher wird“, wie Jessica Cremer erklärt. Die 47-Jährige betreibt gemeinsam mit Tommi Zimmermann und einer Aushilfe das RockCaféHorb, das Anfang Januar eröffnet hat.
Von der Größe her ist das RockCafé in der Altheimer Straße 72 überschaubar. Es gibt allerdings eine kleine Tanzfläche - und einen Raucherbereich, der unter anderem durch Fenster eines Abbruchhauses aus Freudenstadt abgetrennt ist. Zimmermann bezeichnet das Café als „Mikrokosmos“. Nun, wenige Monate nach der Eröffnung, peilen sie die nächste Stufe an: den „Makrokosmos“. Geplant sind rockige Veranstaltungen in der Markthalle beim Flößerwasen. Mittelfristig denken Cremer und Zimmermann aber auch an die Hohenberghalle und sogar an mehrtägige Programme.
Dabei geht es den Betreibern nicht nur darum, Konzerte mit Live-Bands zu organisieren. Sie wollen ausprobieren, was in Horb rockmäßig so geht, welche Potenziale es gibt. So schweben ihnen Kooperationen mit der Musikschule oder lokalen Künstlern vor. Eigentlich könne jeder mitmachen, der will, solange es ins Konzept passt. Das heißt: „Schlagerpartys wird’s wahrscheinlich nicht geben.“
Rock, Kultur und Flower-Power stehen im Zentrum. Sie wollen einen Raum schaffen für Leute, die nicht nur Bier trinken wollen, sondern Geselligkeit und Ehrlichkeit schätzen, über das Leben sinnieren, einen achtsamen Umgang pflegen. Typisch Flower-Power eben - passenderweise ist Cremer Floristin. Sie hat aber auch einige Erfahrung in der Gastronomie gesammelt. Schon jetzt komme im RockCafé ein „illustres Volk“ zusammen, sagt Zimmermann. Das Café ist an drei Tagen in der Woche geöffnet: donnerstags, freitags und samstags.
Erstmals lädt das Café zu einem Tanz in den Mai auf die rockige Art ein: Am 30. April geht es ab 18 Uhr in der Markthalle los. Das Event ist gewissermaßen die Einleitung zur Veranstaltungsreihe „Horb rockt“. Für alle Rockfans, die gerne tanzen, Musik hören und mit Gleichgesinnten feiern wollen. DJ Silver legt die passende Musik für Ohr und Bein auf - im schönen Ambiente der Markthalle. Das Team vom RockCafé kümmert sich um die Verpflegung. Der Eintritt kostet 5 Euro.
Am 18. Mai folgt dann schon eine „viel, viel komplexere Sache“, so Zimmermann - mit Live-Rockband, Laser-Show und Rock-DJ. Der Eintritt wird dann 10 Euro betragen. Auch am 26. Juli bei der städtischen Veranstaltung „Horb tanzt“ und bei der „Langen Nacht der Lichter“ am 11. Oktober wollen sie die Markthalle bespielen. Der Aufwand dafür sei indes „gigantisch“, so Zimmermann, schließlich müssten sie praktisch alles selbst mitbringen: Licht, Deko, Grill, Waschbecken und anderes mehr. Die Halle an sich sei quasi leer: „Das Einzige, was es gibt, sind Steckdosen“, sagt Zimmermann. Es sei also eine ernsthafte Nachfrage nötig, damit das Ganze ein Erfolg wird.
Zimmermann bringt einige Erfahrung im Musikgeschäft und Kontakte zu Bands mit, arbeitete er doch zuvor in einem RockCafé in Böblingen, das jährlich mehr als 60 Konzerte und andere Veranstaltungen stemmte. Horb war dem 59-Jährigen zuvor nicht unbekannt. Er hatte 1978 sein bürgerliches Elternhaus hinter sich gelassen und mit anderen zusammen ein Haus in Altheim gekauft - für schlappe 28000 D-Mark. Dort gründeten sie eine Land-WG. Zunächst seien die Dorfbewohner misstrauisch gewesen, erinnert sich Zimmermann. Doch die jungen Leute hielten mal ein Schwätzchen mit den Älteren und halfen beim Äpfelauflesen. Das brach das Eis, und es entwickelte sich ein entspanntes Verhältnis.
Rund 40 Jahre später geht es nun darum, die Horber Kernstadt zu beleben. Ob das Städtchen zu verschlafen ist? „Wir küssen es wach“, sagt Zimmermann und grinst.