Horb·Aktivismus: Er hat’s immerhin versucht

Am Ende kam der Grill doch noch zum Einsatz.
Karl-Heinz Kuball„100 Leute hast du gleich zusammen“, hatte Veranstalter Wolfgang „Wolle“ Saile im Vorfeld seiner Kundgebung gemutmaßt. Gestern ließen sich nicht ganz so viele auf dem ehemaligen Kasernengelände sehen: Zwischen 9 und 12 Uhr - so lange durfte die Kundgebung dauern - kamen nach Sailes Angaben insgesamt etwa 10 Leute.
Um 10 Uhr herrschte noch so etwas wie Zweckoptimismus, obwohl Sailes Kompagnon, Herbert Seeger, auf den letzten Metern die Motivation verloren hatte. Saile testete sein Megafon auf dem leeren Exerzierplatz. Dessen hinteres Drittel war ihm von der Stadtverwaltung als Veranstaltungsfläche zuerkannt worden. An den Bäumen drumherum hatte jemand über Nacht laminierte Zettel mit Versen über Horb, Saile und andere Personen aufgehängt: „Ist die Brücke fertig, ist Horb beerdigt“ war da zum Beispiel zu lesen.
Saile musste weitere Einschränkungen hinnehmen: Auch die erlaubte Lautstärke der Veranstaltung war so festgelegt worden, „dass die Anwohner, Passanten und Gewerbetreibenden nicht mehr als unbedingt nötig belästigt werden“. Lautsprecher waren nur im Zusammenhang mit der Veranstaltung sowie für Ordnungsdurchsagen zu verwenden.
Hermann Walz, Mitglied der der UHL-Fraktion im Horber Gemeinderat, hatte sich Saile als Redner angeboten. Doch am Tag vor der Veranstaltung erinnerte die Stadtverwaltung Saile daran, dass eine Kundgebung auf einer städtischen Fläche kein kommunalpolitisches Forum sein dürfe. Walz’ Rede musste ausfallen.
Sailes ursprünglichem Plan, Bier und Grillwürstchen anzubieten, stand ebenfalls eine städtischen Auflage entgegen: „[Es] ist keine Bestuhlung (Biertischgarnituren) auf dem Exerzierplatz erlaubt und es dürfen keine Getränke verkauft werden (der Betrieb einer Schankwirtschaft ist somit nicht erlaubt)“, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit.
Das gemeinsam mit Polizei und Veranstalter vereinbarte Sicherheitskonzept der Stadt ging voll auf: Die Veranstaltung im Rahmen des Streifendienstes zu beobachten genügte vollkommen, um die Sicherheit aller Teilnehmer und Unbeteiligter zu gewährleisten sowie Eigentum im Umfeld der Veranstaltung zu schützen.
Saile sagte nach der Veranstaltung, er sei nicht enttäuscht, sondern sehe sich bestätigt. Die Horber seien schwer zu mobilisieren: „Wenn hier in Horb mal ein Krieg ausbricht, kriegt es keiner mit.“ Hartwig Jung pflichtete ihm bei: „Jeder hat hier sein Alltagsleben, dem er nachgeht. Da bricht keiner aus.“