Horb · Wehr-Baustelle
: Nach dem Bagger müssen auch noch Müllsäcke geborgen werden

Der Rückbau der Horber Wehrklappen wird zum Kräftemessen mit dem Neckar. Der Abrissunternehmer will erst weitermachen, wenn kein Tropfen Wasser mehr auf der Baustelle ist.
Von
Annette Maria Rieger
Horb

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Nicht gesetzt

Bevor der Neckar an der Wehrbaustelle nicht vollständig trockengelegt ist, wird Abrissspezialist Idriz Pllana mit seinen drei Mitarbeitern den Rückbau nicht weiter vorantreiben.

Zwei Wochen lang haben die Spezialisten aus Korntal-Münchingen die mit zwei Millimetern Asbest beschichteten Wehrklappen zerlegt. Starkregen und Dreck allein schrecken Idriz Plana nicht: „Wir lieben das. Uns liegt es im Blut, solche Abbruch-Aufträge durchzuziehen.“ Die Arbeit erschwert und die Einhaltung des Zeitplans nahezu unmöglich gemacht hat ihm allerdings das permanent fließende Wasser auf der Baustelle: „Man hatte uns versprochen, dass wir auf dem Trockenen arbeiten.“ Doch tatsächlich drängte Wasser aus dem Seitenkanal nach. „Wie sollen wir mit Flex und Brenner unter Wasser arbeiten?“ Weil sich auch nach zwei Wochen nichts tat und keine Baufirma zeigte, um die Baustelle durch aufgeschüttete Dämme trockenzulegen und die Pumpe bei weitem nicht ausreichte, um für einen trockenen Untergrund zu sorgen, wollte sich Pllana vergangenen Freitag selbst ans Werk machen. Dabei sank er mit seinem Liebherr-Bagger auf der geschotterten Baustraße immer weiter ein: „Ich habe Gas gegeben, doch der Schotter ist immer weiter weggerutscht.“ Das bekannte Ende der Aktion: Der Bagger musste mit zwei Autokränen noch Freitagnacht geborgen werden.

Jetzt, am Montag, sagt Pllana: „Dem Bagger geht es gut. Aber ich war am Freitag psychisch am Ende. Natürlich war es nicht meine Aufgabe, selbst mit dem Bagger einen Damm aufzuschütten. Aber wir haben zehn Tage ‚bitte, bitte’ gesagt, haben gewartet und nix ist passiert. Da mussten wir einfach reagieren, schließlich haben wir noch andere Baustellen und mussten fertigwerden. Doch jetzt lege ich die Baustelle still, bis kein Tropfen Wasser mehr da ist. Für die letzten 50 Zentimeter, die jetzt noch unter Wasser sind, geht es gar nicht anders.“ „Weshalb hat er auch nicht gewartet, bis die beauftragte Firma anrückt?“, zürnt der Polier Holger Höhlein von der ausführenden Baufirma Lührs aus Bayern, die auf Schleusen und Wasserwehre spezialisiert ist. Frisch aus dem Urlaub zurück, gibt Höhlein als Koordinaten durch: „Wir werden die Baustraße im Fluß neu anlegen und gucken, dass ein Damm das Wasser zurückhält und die Pumpe alles abpumpen kann.“ Die 10000 Euro, die seiner Schätzung nach die Bergungsaktion gekostet hat, werde wohl Pllana tragen müssen. Der ist zuversichtlich, dass die Versicherung bezahlt und er nicht auf den Kosten sitzenbleibt.

Derweil harren noch vier große Müllsäcke auf ihre Bergung, in denen die Abrissarbeiter Hölzer und Abfall, der sich an der Wehranlage gesammelt hatte gesammelt haben. Bis auf Höhe Marmorwerk hat das Wasser die strohballengroße Säcke flußabwärts getragen.

Am Montag hat außerdem Feuerwerker Karsten Bechert aus Hessen mit seinem Bohrtrupp damit begonnen, als „Arbeitsschutzmaßnahme“ den Untergrund auf metallische Anomalien zu untersuchen. Am Mittwoch soll ein Gutachten Auskunft darüber geben, ob noch Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg im Untergrund stecken.