Horb: Schüler löst Amokalarm aus: Großeinsatz am MGG

War am Montagmorgen wegen einer unklaren Gefahrenlage weiträumig abgesperrt: das Martin-Gerbert-Gymnasium in Horb.
Karl-Heinz Kuball- Horber Schüler löst Amokalarm aus, Polizei startet Großeinsatz.
- Mehr als 400 Schüler im Martin-Gerbert-Gymnasium in Klassenzimmern eingeschlossen.
- Einsatzkräfte aus Calw, Nagold, Freudenstadt und Verkehrspolizei beteiligt.
- Schüler als Verdächtiger identifiziert und Einsatz nach 15 Minuten beendet.
- Schulbetreuung für emotional belastete Schüler organisiert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
D er Anruf ging am Montagmorgen eine gute Viertelstunde vor Schulbeginn bei der Polizei ein: Ein Unbekannter meldete, er stehe mit einer Schusswaffe vor dem Martin-Gerbert-Gymnasium (MGG). Die Polizei löste in Absprache mit der Schule einen Großalarm aus. Das Polizeipräsidium zog alle verfügbaren Kräfte aus dem Umkreis zusammen; auch aus Calw, Nagold, Freudenstadt und von der Verkehrspolizei eilten Einsatzkräfte nach Horb. Ein Hubschrauber wurde angefordert und kreiste über dem Schulareal.
Wie viele Personen insgesamt im Einsatz waren, kann die Polizei nicht sagen. „Im Hintergrund läuft bei einer potenziellen Gefahrenlage natürlich immer die ganz große Maschinerie an“, erklärt Polizeisprecherin Sabine Maag. Spezialkräfte wurden beispielsweise in Alarmbereitschaft gesetzt. Auch Feuerwehr und Rettungsdienst waren am MGG im Einsatz.
Gerüchteküche brodelt
Im Horber Gymnasium trafen die Lehrkräfte unterdessen alle erforderlichen Maßnahmen, um die Schülerinnen und Schüler in Sicherheit zu bringen. Mehr als 400 Kinder und Jugendliche waren nach Angaben der Polizei bei Alarmierung bereits in den Klassenzimmern - und verblieben sicherheitshalber dort. Etwa hundert Schüler trafen sich im Außenbereich an einem verabredeten Sammelpunkt. Einige Schulbusse kamen wegen der Bauernproteste mit Verspätung an der Schule an. Da lief der Einsatz bereits. Polizisten fingen die Schüler ab und brachten sie in Sicherheit. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt. Dann durchsuchten Einsatzkräfte das gesamte Gebäude.
Währenddessen brodelte die Gerüchteküche. Von Schüssen war die Rede, erzählt eine Schülerin. „Keiner wusste, was passiert.“ Die große Panik blieb dennoch aus. Wer am Sammelpunkt ausharrte, hielt Kontakt zu Freundinnen und Freunden, die sich im Klassenzimmer verbarrikadiert hatten, zu Eltern und Geschwistern. Und jeder beruhigte jeden.
Schüler noch minderjährig
Rasch ergaben sich erste Hinweise, dass ein Schüler des MGG am Morgen bei der Polizei angerufen und den Alarm ausgelöst haben könnte, so die Polizei. Der Verdacht bestätigte sich gegen 8.20 Uhr. Keine zehn Minuten später war der Einsatz beendet.
Nach Mitteilung der Polizei ist der Schüler minderjährig, weshalb keine weiteren Angaben zur Person gemacht werden. Ob und in wieweit er strafmündig ist, war nicht zu erfahren. „Die weiteren Ermittlungen führt das Polizeirevier Horb in Absprache mit der Staatsanwaltschaft“, so Polizeisprecherin Maag. Dann wird wohl auch geklärt, ob die Eltern des Schülers für die Kosten des Einsatzes aufkommen müssen. Und was erwartet den Jungen in der Schule? „Damit konnte ich mich noch nicht befassen“, sagt Schulleiter Volker Offenhäuser auf Nachfrage der NECKAR-CHRONIK. Laut Paragraf 90 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg („Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“) müsse die Schulleitung bei Disziplinarmaßnahmen angemessen handeln. Was das in diesem Fall bedeutet, wird sich zeigen.
Betreuung gesichert
Schüler, die der Einsatz emotional besonders mitgenommen hatte, wurden bis zum Eintreffen der Eltern von Einsatzkräften betreut. Lehrerinnen, Lehrer und Mitarbeitende der Stadt kümmerten sich derweil um alle anderen. „Das war für uns an diesem Tag das Allerwichtigste“, sagt Offenhäuser. „Dass keiner in so einer Situation alleingelassen wird.“ Auch keine besorgten Eltern, Großeltern, Geschwister.
An regulären Unterricht war am Montag ohnehin nicht mehr zu denken. Die Aufregung war riesig. Als es am Morgen drauf ankam, lief aber alles wie am Schnürchen. Nicht umsonst lobt die Polizei ausdrücklich das besonnene Verhalten aller Beteiligten. Auf das ist auch Offenhäuser stolz. „Es hat alles sehr gut funktioniert.“
Anders als ein Feueralarm, der Schüler in regelmäßigen Abständen darauf trimmt, auch müde und lustlos Fluchtwege und Sammelpunkte zu finden, wird ein Amokalarm in Schulen nicht trainiert. Der Ablauf ist trotzdem klar definiert und folgt einem mit der Polizei auf die Schule abgestimmten Muster. Das wird aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht.
Offenhäuser aber bestätigt: Nach dem Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden 2009, als der 17-jährige Tim K. 15 Menschen und sich selbst erschoss, habe der Schulträger am Martin-Gerbert-Gymnasium alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege geleitet. Dass das Sicherheitskonzept funktioniert, habe der Montag gezeigt.
Am Tag danach
Der Dienstag beginnt mit der Aufarbeitung. In der ersten Stunde werde der Vorfall in allen Klassen noch einmal thematisiert. Auch Schulsozialarbeiterin Madline Cabon ist involviert. „Es ist uns wichtig, alle mitzunehmen und zu informieren, potenzielle Ängste zu erkennen und, so möglich, auch zu nehmen“, sagt Offenhäuser.
Je nach Bedarf könne er auch auf das Angebot der Schulpsychologischen Beratungsstelle zurückgreifen. „Das hängt davon ab, wie sich die Lage an der Schule in den kommenden Wochen entwickelt und welcher Bedarf besteht.“ Eltern, die bei ihren Kindern im Nachgang Ängste oder Auffälligkeiten beobachten, bittet er: „Melden Sie sich!“
