Horb · Politik: Netzwerker vs. Visionär

Zum ersten Mal präsentierten sich am Freitag die beiden Anwärter auf ein Bundestagsmandat für die CDU in Horb (von links): Dr. Alessandro Pagella, CDU-Stadtverbands-Vorsitzender Johannes Kettenhofen und Klaus Mack.
Willy BernhardtWah rscheinlich lag es mit an den heißen Temperaturen am vergangenen Freitag, dass nur wenige CDU-Mitglieder in den „Steiglehof“ gekommen waren. Dort präsentierten sich mit Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack und dem IT-Geschäftsführer Dr. Alessandro Pagella aus Haiterbach-Beihingen die beiden CDU-Kandidaten, die sich im Oktober bei der Nominierungsversammlung in Nagold um die Nachfolge des langjährigen hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel aus Altensteig bewerben. Auf den Juristen Fuchtel bewerben sich nun mit Mack ein gut vernetzter Verwaltungs-Profi und mit Dr. Pagella ein polyglotter Mann aus der freien Wirtschaft, in Freudenstadt geboren, in Pfalzgrafenweiler aufgewachsen und in Haiterbach-Beihingen heimisch geworden.
Der Horber CDU-Stadtverbandsvorsitzende Johannes Kettenhofen übergab nach kurzen einführenden Worten die Bühne für die Bewerber frei. Klaus Mack gewann den Münzwurf und durfte als Erster vors das kleine Publikum zu seiner Präsentation und Vorstellung antreten, während sein Mitbewerber Dr. Alessandro Pagella draußen warten musste.
Eigentlich waren pro Kandidat 15 Minuten Redezeit angedacht, doch daraus wurden letztlich jeweils 45 Minuten, denn der Redebedarf der CDU-Mitglieder war groß. Dass am Ende über zwei Stunden präsentiert, geworben und vor allem diskutiert wurde unterstrich die Bedeutung der nahenden Nominierungsversammlung im Oktober.
Klaus Mack wählte einen persönlichen und jovialen Einstieg, wobei es ihm sicherlich entgegenkommt, von den Erfahrungen im Umgang mit Bürgern in seinen Bürgermeisterjahren (zuerst) in Enzklösterle und bis jetzt in Bad Wildbad profitieren zu können. Wie sein Mitbewerber Dr. Pagella ist Mack 47 Jahre alt, beide haben je zwei Kinder. Seine Frau Michaela ist in Freudenstadt berufstätig. Macks Wurzeln liegen im Alb-Donau-Kreis. Aus dem dortigen Lonsee stammend studierte er in Ludwigsburg Verwaltungswissenschaften, ehe er seine jetzige kommunale Laufbahn einschlug.
Als Chef des Regionalverbandes Nordschwarzwald sei ihm die Region bestens bekannt und er fühle sich dieser auch verbunden. So sei er etwa „jedes Jahr beim Rosenmontagsumzug in Horb“. Mit Blick auf Hans-Joachim Fuchtel zeigt sich Klaus Mack zuversichtlich, die großen Fußstapfen, die dieser hinterlassen habe, im Laufe der Zeit auch ausfüllen zu können, denn ähnlich wie Fuchtel sei auch er, Mack, „sehr gut vernetzt“.
Den Bau von Hochbrücke und KV-Terminal in Horb bezeichnet der Kandidat als „gutes Zeichen“ für die Lösung von Infrastrukturproblemen in der Region Nordschwarzwald und zudem um zukunftsgerichtete und wegweisende Maßnahmen, für deren Zustandekommen er Fuchtel nochmals öffentlich seinen Dank zollte. Grundsätzlich gehe es im ländlichen Raum um Bau- und Arbeitsplätze und um die Kindergartensituation, „und dann natürlich auch um die „Wohnraums- und Sicherheitssituation, was klassische CDU-Themen sind“.
Er rühmte auch seine Kontakte zu Landfrau Juliane Vees und damit zur Landwirtschaft. Er will bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr einen „Masterplan“ für den Nordschwarzwald entwickeln, erklärte Mack, der auch Mitglied im Calwer Kreistag ist.
Danach ging er auf Fragen der CDU-Gäste Andreas Bronner, Michael Kessler sowie von Klaus und Manfred Bok und nicht zuletzt von Alt-Bürgermeister Gerhard Munding und von Karl Kocheise sowie von JU-Kreischef Patrick Speiser ein, denen es vornehmlich um Macks Positionen zur Infrastrukturs- und (Verkehrs-)Problematik in Horb ging. Um dann auch noch Landesverkehrsminister Winfried Herrmann von den Grünen öffentlich zu geißeln: „Für mich kommen erst die Straßen und dann die
Radwege.“
Dann war Klaus Macks „Gegenentwurf“ Dr. Alessandro Pagella an der Reihe. Mit Blick auf die künftige Horber Hochbrücke und den nun beschlossenen Bau des KV-Terminals punktete er bei den Horber CDU-Mitgliedern mit der Feststellung, „dass Horb nun am Tor zur Welt“ stehe. Er selbst arbeite als „Managing Director“ (Geschäftsführer) bei der Leoni GmbH in Stolberg in Nordrhein-Westfalen, mit der er mit 500 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 135 Millionen Euro an Umsatz erzielte. Seinem Studium der Luft- und Raumfahrt in Stuttgart mit anschließender Promotion folgte ein Job in der Software-Branche und hernach noch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Hongkong und Paris.
An dem MdB-Job reize ihn unter anderem, die Politik im Wahlkreis in „nicht einfacher werdenden Zeiten mitzugestalten“ und Wirtschaftskompetenz in dieses Amt mit einzubringen. Dass er für die Nachfolge von Hans-Joachim Fuchtel kandidiere, habe aber auch etwas mit „Dankbarkeit“ zu tun, wofür er mit langem Applaus in Horb bedacht wurde.
Pagella schilderte in sehr persönlichen Worten seinen Werdegang als Sohn eines Gastarbeiters, der 1959 von Italien nach Deutschland gekommen ist. Er habe nie vergessen, wie freundlich die Familie hier aufgenommen wurde und auch deshalb wolle er Deutschland wieder „etwas zurückgeben“, ergänzte der Reserveoffizier bei der deutsch-französischen Brigade. Grundsätzlich gehe es in Zeiten des industriellen und strukturellen Wandels um die Aufrechterhaltung des Wohlstandes.
Zu Zukunftsthemen wie Klimawandel, Elektrifizierung, Digitalisierung, aber auch zu Themen vom Tourismus wartete er mit spannendem Datenmaterial auf. Er, Pagella, sei „frei von Abhängigkeiten und Seilschaften“ und wolle „nahe am Bürger sein“, um mit diesem dann „gemeinsam neue Wege zu gehen“. Er wolle, so er gewählt werde, „mit Mut und starker Stimme für den Wahlkreis 280 in Berlin kämpfen“.